Interkulturelle Theatergruppe Freiburg

In diesem Theaterstück geht es um Fremdheit – und wie sie überwunden werden kann

Johannes Ioannu

Die Theatergruppe Xenophobia beschäftigt sich in ihrem neuen Stück "Hinter dem Mond" intensiv mit dem Thema Fremdheit. 24 Darsteller aus verschiedenen Ländern stehen zusammen auf der Bühne; am Freitag ist Premiere.

Zwei Welten prallen aufeinander, als die Blauen auf die Roten treffen. Zu verschieden sind ihre Interessen, zu fremd ihre Kulturen. Trotzdem wagen zwei einen Schritt aufeinander zu. Was sind das nur für Wesen – diese Blauen? Sie verehren die Wissenschaften, rezitieren literarische Werke und sind besessen davon, die Welt mit Formeln erklären zu wollen. Und die Roten? Immer müssen sie singen. Man versteht sie kaum. Ihre Rituale wirken bizarr und ihre Götzen heißen Natur und Mond.


Beide Gruppen könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch müssen sie nun zusammenleben – oder eher nebeneinanderleben. Denn zu fremd sind die anderen, zu anders die Fremden. Ein sich Näherkommen scheint unmöglich, und doch wagen zwei den Schritt aufeinander zu.

Die Liste der Herkunftsländer der Theatergruppe ist lang

Hinter dem Mond heißt das neueste Theaterprojekt des Interkulturellen Theater Freiburg; entwickelt und aufgeführt von der Theatergruppe Xenophobia. Der zentrale Gedanke hinter diesem Stück bildet die Auseinandersetzung mit Fremdheitsgefühlen – etwas, mit dem viele aus dem Ensemble schon selbst in verschiedener Weise konfrontiert wurden.

Ukraine, Türkei, Georgien, Kolumbien, Rumänien, Österreich, Italien, Gambia, Guinea, Syrien, Deutschland – die Liste der Herkunftsländer der Theatergruppe ist lang. Insgesamt 24 Darstellerinnen und Darsteller aus den unterschiedlichsten Kulturen arbeiten seit einem Jahr an diesem Stück. Ein Prozess, der für viele von ihnen auch eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Fremdheit und Zugehörigkeit bewirkt hat. "Fremdheitsgefühle sind ganz natürlich", erklärt Regisseurin Monika Herrmann. "Die Arbeit ist es, aus der eigenen sozialen Blase rauszugehen, und nicht irgendwie immer nur unter sich zu bleiben. Wenn wir diese Blase einfach platzen lassen kann dadurch überhaupt erst was Neues passieren."
"Es geht auch über das reine Proben hinaus, so dass man sich auch privat trifft." Christina, Ensemblemitglied
In wöchentlichen Proben und Workshops am Wochenende wurde die Performance durch Improvisation, Tanz, Pantomime und Gruppenexperimenten entwickelt. Dadurch ist die Theatergruppe auch zusammengewachsen. "Ich denke, es hilft unseren ausländischen Mitspielern teilweise schon sehr gut, sich zu integrieren", bemerkt Christina, die mit ihren 76 Jahren die älteste Darstellerin des Ensembles ist. "Es geht auch über das reine Proben hinaus, so dass man sich auch privat trifft", führt sie fort. Als ehemalige Gymnasiallehrerin gibt sie mittlerweile ehrenamtlich Deutschunterricht; und das nicht nur außerhalb des Theaters. "Auf diese Weise hab ich diverse Schülerinnen und Schüler; immer wieder", ergänzt sie lachend.

Die Musik zu diesem Stück ist entstanden durch die Musiker Ofek Balisha und Yehonatan Shaal, die diese mit dem Ensemble zusammen bei einem Besuch in Freiburg entwickelt haben. Für die Aufführungen reisen die Musiker extra wieder aus Israel an.

Ein Stück mit einer klaren Botschaft

Eine die Bühne ausfüllende Leinwand bildet das Hintergrundbild dieses Stückes. Das nötige Lichterspiel sorgt für eine Atmosphäre, die tatsächlich etwas Fremdes – ja Extraterrestrisches – in sich birgt. Ansonsten bleibt die Bühne leer – bis auf ein paar Utensilien. Der Blick des Zuschauer haftet dadurch genau dort, wo er auch sein soll: Auf der künstlerischen Darstellung des Ensembles.

Hinter dem Mond ist ein Theaterstück, das Theater, Tanz und Musik miteinander vereint. Eine Geschichte über Fremdheit und deren Überwindung. Eine klare Botschaft, die das Ensemble selbst während der Entwicklung am besten gelernt hat.
  • Was: Xenophobia spielt "Hinter dem Mond"
  • Wann: 27. und 28. September 2019, 20 Uhr
  • Wo: Große Bühne, Waldorfschule St. Georgen, Bergiselstr. 11