In der Wiehre eröffnet eine PopUp-Vernissage - mit Amara-Dönerverkäufer Eylem Gül als Posterboy

Laura Maria Drzymalla

Habt ihr euch auch schon immer gedacht, dass der Amara-Döner-Besitzer Eylem Gül ein Poster-Boy ist? Der Freiburger Künstler Michael Genter hat das - er präsentiert den Döner-Verkäufer in seiner PopUp-Vernissage am Freitag. Unter anderem:



Betritt man den Raum und blickt nach rechts, wird man von warmen Augen und einem breiten Grinsen empfangen. Die Augen sind dunkel. Man meint, ein bisschen mehr darin zu erkennen, als nur ein Gefühl von Leichtigkeit. Ein bisschen Schwermut, aber vielleicht auch ein bisschen alles übertrumpfenden Lebensmut. Diese Gesichtszüge gehören zu einem Mann aus Bali, mit schwarzer Acrylfarbe mannshoch auf die weiße Wand porträtiert.

An diesem Freitag, den 4. Dezember, öffnet der 30-jährige Kunsthistoriker Matthias Steck einen öffentlichen Raum für die Arbeiten von Michael Genter. Um 19.30 Uhr lädt er zur Vernissage der Ausstellung "WIR" in die Leo-Wohleb-Straße 8 ein. Die Ausstellung wird nur an diesem Abend und am Samstag geöffnet sein.

Der Graffitikünstler und Grafikdesigner Michael Genter zeigt mit der Vernissage viel von sich selbst: Die Anfänge seiner Kunst begannen auf Mauern, und auch hier werden Portraits einfach direkt auf die Wand gezeichnet. "Schriftzüge können aber nur schwer Emotionen übermitteln", sagt Steck. Deshalb habe sich Genter beim Zeichnen jetzt stärker auf Menschen und deren erzählte Geschichte konzentriert.

Ein Dönerladen-Betreiber als Posterboy

Darüber hinaus findet man figürliche Papierinstallationen, Zeichnungen auf Paletten, Gesichter aus zerknülltem Papier und andere kleine Besonderheiten am Wochenende in der Leo-Wohleb-Straße. Der Raum wird an dieser Stelle nicht nur zur Ausstellung der Kunst dienen, sondern diese mitunter auch schaffen. So spiegeln hier Fenster eine Lichtinstallation wieder, Trennwände tragen Geschichten auf beiden ihrer Seiten, die Weite des Raumes zeigt vielleicht die Weite der Interpretationsmöglichkeiten.

Einige seiner porträtierten Figuren hat Genter bei seinen Reisen auf der Straße getroffen. Manchmal macht er mit der Kamera einen Schnappschuss, meistens merkt er sich aber die Gesichter und zeichnet sie aus der Hand. "Es sind Helden. Nicht Helden im Ideal-Kontext, sondern vielmehr auf einer sehr persönlichen Ebene", so Steck. Die Vernissage soll nicht das letzte gemeinsame Projekt der Freunde und Arbeitskollegen sein. Im Frühling des neues Jahres wird der Künstlerkreis erweitert, Kollegen aus der Graffitiszene und aus anderen Städten werden mit Matthias Steck neue Projekte entwickeln und einen Raum voller Kontraste schaffen.

Wer seine eigene Vermutung in den Gesichtsausdruck des lachenden Balinesen legen möchte, sollte also unbedingt den einmaligen Kunstraum "WIR" am Wochenende besuchen. Und ja, der im Profil porträtierte schöne Herr mit Vollbart auf dem Foto dieses Artikels ist tatsächlich Eylem Gul, Besitzer des Amara-Lokals.

Mehr dazu:

Was: Vernissage „WIR“ // Matthias Steck zeigt die Arbeiten von Michael Genter
Wann: 04.12 ab 19:30 Uhr, 05.12 jeweils 11-19 Uhr
Wo:
Leo-Wohleb-Straße 8 / 1. OG in 79098 Freiburg
 

Foto-Galerie: Veranstalter

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