Eine Straßenbahnfahrt mit Opernaufführung: "Operation Breisgauland 2048"

Carla Bihl

Straßenbahn, Gesang, Musik und Theater unter einen Hut gebracht: bei der Aufführung der Straßenbahnoper "Operation Breisgauland 2048" am Donnerstagabend hat die Freiburger Communityoper das geschafft. fudder ist mitgefahren.

Auf dem Rasen des VAG- Geländes in der Besançonallee stehen Menschen. Sie warten darauf, in die Straßenbahn steigen zu können. Hinter einer Bierbank werden Karten verteilt. Das ist kein normaler Trambetrieb: Denn vor dem Freiburger Busdepot beginnt ein Opernabend.


Vor einem Jahr gründete sich die Communityoper in Freiburg. Seither probten Laien und Profis unter der Regie von Thalia Kellmeyer sowie Musikanten mit dem musikalischen Leiter Jan F. Kurth ein Opernstück der besonderen Art: eine Straßenbahnoper, die einmal quer durch die Freiburger Altstadt fährt und Besucher direkt am Geschehen teilhaben lässt. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Klimawandel hier und jetzt: Handeln" der Fabrik für Handwerk, Kultur und Ökologie.

"A dónde vamos, where is the next show?"

Die Straßenbahn ist mit 120 Plätzen ausgestattet – und die sind schnell belegt. Von außen tönen Stimmen an die Wägen. Menschen mit weißer oder beigefarbener, zerrissener und verschmutzter Kleidung sind durch die Fenster zu sehen. Mit Koffern und weißen Masken tanzen und zappeln sie über das Gelände. An die Außenseiten des Straßenbahnwaggons werden rhythmisch Takte geklopft. Dann steigen sie ein – die Fahrt als Linie 3 kann beginnen: "A dónde vamos, where is the next show?" – singfragen die Darsteller theatralisch am Boden liegend.

Opernkunst ist zu unökologisch für Freiburg

Was hier inmitten von Fahrkartenautomaten, Sitzplätzen und Haltestangen erzählt wird, ist die Geschichte einer Dystopie im Jahre 2048. Dreißig Jahre ist es her – da wurde in einem größeren Sinne die Kunst, aber in besonderem Sinne der Opernbetrieb eingestellt. Ökofreiburg befand das musikalische Wirken als umweltverschmutzend. Die Exzellenzen aus dieser Zeit flüchteten – die meisten in den Silberstollen. Nun aufgetaucht und angekommen in der Straßenbahn, fahren sie gemeinsam mit uns Touristen durch den "Funpark Breisgauland" – beobachten Statisten und das perfekt inszenierte Freiburg aus dem Jahre 2018: "Wo kommen all diese Statisten her?". Und: entdecken nicht nur die Oper wieder für sich – sondern decken auch den verräterischen Betrug auf: eine Lüge, auf der das Verbot des Opernbetriebs aufbaute.

Die Besucher sind mitten im Geschehen

Beim Stück wirken Laien und Profis mit: Berufssänger und -musiker treffen auf opernbegeisterte Laien – inklusiv, interkulturell und generationsübergreifend: So ist das Werk nah am Menschen. Das merken auch die Besucher: nur ein paar Zentimeter entfernt agieren die Darsteller auf ihrer fahrenden Bühne. Mit der Rückseite des Programmhefts müssen wir Touristen uns mit der Rückseite des Programmhefts maskieren, um nicht enttarnt zu werden. Der Kontrolleur scannt unser Gesicht. Die Publikumsnähe in einer engen Tram ist neu – und anders. Das will das Experiment Straßenbahnoper erproben will. Was ist die heutige Oper und was wollen Menschen sehen?

Auf der fahrenden Bühne ist nicht alles zu sehen

Und es wird noch gemeinschaftlicher: Songzettel werden verteilt – und die Zuschauer zum singen animiert. Aber auch Improvisation ist gefragt. Denn proben konnte das Ensemble in der Straßenbahn nicht. Gaffer-Tape und Metermaß ersetzten bei den Proben die fahrende Bühne. Oft können die Darsteller nicht den gesamten Wagen überblicken – hören nicht, wenn vorne jemand singt. Auch das Miniorchester in der Mitte der Bahn verschwindet aus dem Blickfeld, sobald um die Kurve gebogen wird. Trotz allem: Das Stück verläuft ohne größere Wackler.

Auch Abba ist vertreten

In elf Szenen tanzen und singen die Akteure – aufgeteilt in die Klugen, die Mutigen, eine Seherin, einen Professor, die wissenschaftlichen Assistenten, die letzten Opernexzellenzen, die Kontrolleure und die Künstler aus dem Untergrund. Dazu begleiten die Musiker mit Tenorsaxophon, Violine, Keyboard und Schlagzeug eindrücklich das Geschehen. Von Verdi bis Carmen, Wagner bis Beethoven – zu Anleihen an Abba und an Arbeiterlieder. Mitten im Geschehen und im Stück sind sie alle: Zuschauer wie Darsteller – und so wird auf einer Metaebene noch einmal der Besucher zum Akteur: neugierige Blick von Passanten durchleuchten die Straßenbahn.

Happy End

Nach etwa einer Stunde Fahrt durch die Freiburger Innenstadt, in der sich die Tram zur Linie 5 wandelt, fährt die Bahn zum Happy End fürs Finale zurück zum Busdepot: Ein Opernhaus der Zukunft wird zusammen mit dem dort wartenden Süduferchor gestaltet. Zuschauer und Darsteller steigen aus: "Das wirft ein freudiges Licht in die Zukunft" heißt es im letzten Lied.



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