In der Höhle eingepennt (12)

Müslüm Erikci

Müslüms Bericht fällt heuer makaber aus. Es geht um aufgeschlitzte Frösche und den symbolischen Tod beim Höhlenbesuch. Ja, so sind sie, die Schulaktivitäten in Malaysia.



Liebe Fudder- Leser,

heute werde ich euch etwas über meine Schulaktivitäten erzählen. Eine Aktivität besteht darin, Frösche zu sezieren. In meinem Fall waren es quicklebendige Tiere.


Als erstes sollten wir sie mit Chloroform betäuben, wobei das Inhalieren von Chloroform Hirnschäden verursachen soll. Wir sollten die Frösche aufschneiden und ihre Organe sorgfältig herausnehmen. Ich fragte mich, wie Tiere ohne Organe weiterleben können.

Aber meine Lehrerin meinte, die Föesche wären schließlich zum Verspeisen gezüchtet worden. Da würde es nichts ausmachen, sie aufzuschlitzen. Dagegen weigerte ich mich. Jedoch sollte ich meinen Freunden dabei helfen, die Tiere auseinander zu nehmen.

Am Ende hatte jeder Schuüer seinen Frosch seziert. Mein Herz schlug schnell beim Anblick der aufgeschlitzten Frösche. Einerseits war ich fasziniert, andererseits fühlte ich Hass.

Als meine Lehrerin meinen Gesichtsausdruck bemerkte, versicherte sie mir, dass alle Frösche schon längst gehirntot gewesen seien. Nach dem Unterricht setzte ich meinen Frosch in einem nahe gelegenen See aus. Doch ich fürchte, auch er war schon gehirntot.



An einem anderen Tag hatte die Schuldirektion Bestatter eingeladen, die uns die islamische Bestattung erklären und zeigen sollten. Aber eigentlich gibt es im Islam den Beruf des Bestatters gar nicht. Das macht entweder einer aus der Familie oder ausnahmsweise jemand, der dafür bezahlt wird.

In Malaysia wird man mit dem Tod sehr früh vertraut gemacht. Ein malaischer Leitspruch lautet: „Arbeite, als würdest du in Ewigkeit auf dieser Welt verweilen und lebe jeden Tag nach den Richtlinien des Islams, denn es könnte dein letzter sein.“



Am Wochenende bin ich zelten gegangen. Die Aktion wurde ebenfalls von meiner Schule organisiert und war verbunden mit einem Höhlenbesuch. Zuerst marschierten wir zirka eine Stunde durch den Regenwald, in dem wir Bekanntschaft mit Blutegeln machten. An den Höhlen angekommen, betraten wir sie einzeln. Als wir nach einer Weile eine etwas kleinere Nebenhöhle betraten, sagte der Höhlenführer, das wir uns still auf den Boden setzen und die Taschenlampen ausknipsen sollten. Nach fünf Minuten schlief ich ein.

Als ich aufwachte, wusste ich nicht, wieviel Zeit vergangen war, aber lang konnte es nicht gewesen sein. Ich befand mich immer noch in der stockdunklen Höhle, doch still war es nun nicht mehr.

Es kam mir vor, als würde ich von allen Richtungen her Weingeräusche vernehmen. Dann wurde mir erst klar, was hier gespielt wurde. Die kleine Höhle sollte uns wie ein Grab vorkommen und unsere Gedanken darüber anregen, was wir schon alles im Leben gemacht hatten und was wir davon vermasselt haben.

Denn jeder wird unter der Erde enden.

Mfg Muesluem