Kommunal- und Europawahlen

In der Freiburger Innenstadt buhlen Parteien um Wähler

Simone Höhl

An den Masten türmen sich Plakate mit Kandidaten. Und auf den Straßen werben etliche Parteien und Gruppierungen bei stürmischem Wetter für die Kommunal- und Eurpoawahl am 26. Mai.

Wann ist am meisten los im Zentrum? Genau, am Samstag. Deshalb knubbelten sich da auch noch all diejenigen, die bei den Einkäufern und Bummlern für die Kommunalwahl und die Europawahl am 26. Mai werben wollten. Und selbst diejenigen, die wegen des Wetters abgesagt hatten, blieben nicht alle zu Hause.


Platz der Alten Synagoge

Morgens, dreiviertel Zehn in Freiburg. Der Wind bläst, der Platz ist leergefegt. An den Masten türmen sich Plakate zu den Wahlen für Stadt- und Europaparlament. Ulrich Glaubitz und Manfred Kröber bauen einen Stand auf. Sie wollen für die "Bürgeraktion Dietenbach" und die Liste von "Freiburg Lebenswert" werben. "Es gibt Schnittmengen", meint Kröber und packt reflexartig den Sonnenschirm, den eine Böe aus der Halterung reißt. Das Wetter ist besser als vergangenen Samstag, da hat’s geschneit. Ein Passant bleibt stehen und unterhält sich mit Glaubitz.

Am nahen Podest kleben Karten der Teilhabe-Liste, der Wind weht zwei auf den Platz. Ein grauer Anzugträger deklamiert über russische Literatur, vor ihm lädt Per Klabundt von "Bürger für Freiburg" Kisten und Äpfel aus dem Auto. Zwischen die Männer tritt ein Dritter, der mit einer Teilhabe-Karte vom Platz kommt und fragend von einem zum anderen blickt. Keiner beachtet ihn.

Bertoldsbrunnen

An der Kajo stehen die Linke und die FDP traut vereint. Christoph Glück verteilt gelbe Rosen und Infomaterial – "klassisch", meint der liberale Stadtrat unterm gelben Partyzelt. Passanten kommen auch auf ihn zu. "Bei diesen vielen Listen ist es gut, wenn man zum Original kommt – vom Bürgerlichen her", meint Glück und grüßt "Junges Freiburg", das ein orangenes Sofa vorbeischiebt. 18 Listen wollen in den Gemeinderat einziehen.

Bei den Passanten gibt es drei Fraktionen. Solche, die ihre Ruhe wollen. Die, die ihren Frust abladen. Und solche wie Reinhard Jansen: Der 75-Jährige holt sich am Stand der Linken Infos und spricht mit Wahlkämpfern. "Unsere Kanzlerin sind wir ja bald los", meint er gerade, als ihm die Linke-Werbefahne in den Rücken fällt – der Wind. Paul Wallrapp sammelt Flyer ein, ein FDP-ler hilft. Was sie unterscheidet, hat ein Mann gefragt. "Wir stehen für grundverschiedene Europa-Ideen", sagte Wallrapp: solidarisch gegen neoliberal. Der 21-Jährige engagiert sich, weil er denkt, Europa steht an einer Wende.

Kaiser-Joseph-Straße

Beim Basler Hof wirbt Dubravko Mandic mit der AfD. Andere machen sich lachend Sorgen, dass Ulrike Thomann davonfliegt. Die 57-jährige Sandwich-Frau trägt vorne und hinten ein Plakat für den Wahlkreis 100%, der das Wahlrecht für alle Bewohner der Stadt fordert, unabhängig vom Pass. An der Ecke wirbt Carolin Jenkner für die CDU, an der nächsten Frank Weik für die SPD, und eine weiter Lars Petersen. Der Grüne hält ein Windrad, das sich so schnell dreht, als sollte er abheben.

Kartoffelmarkt

Das Glücksrad bleibt stehen und Thomas Schairer muss beim Europatag alle Nachbarstaaten Deutschlands nennen – kein Problem für den 67-Jährigen, denn er hat mit seiner Tochter Fleur auf eine Erdkundearbeit gelernt. Die Zehnjährige hat beim Europäischen Wettbewerb mit dem Motto "Yourope" einen Preis bekommen – eine Karte für den Europa-Park – und Lotta neben ihr sogar einen Landespreis. Insgesamt zeichnete die Europa Union Deutschland 35 Kunstwerke aus. Beim Europatag stehen neben dem Glücksrad der Europäische Sozialfonds und die IHK. Das Centre Culturel informiert über Austauschprogramme, daneben die Volkshochschule über den Europa-Schwerpunkt ihres Programms. Läufer werben für das Event "Run for Europe" in Breisach, Akademiker für Erasmus und die Omas gegen Rechts für Toleranz – das "Europe Direct Informationszentrum" und die Stadtbibliothek sind mit 18 Partnern auf dem Kartoffelmarkt präsent. "Gehen Sie zur Wahl", appelliert der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach: Nur so könne man ein Zeichen für Freiheit, Frieden und Demokratie setzen.

Augustinerplatz

Auf dem Platz steht eine Hand voll Demonstranten von Attac, Greenpeace und dem DGB – falls doch jemand kommt. Der Aktionstag "Für ein anderes Europa" ist wegen des Sturms verschoben. "Das Risiko war zu hoch", erklärt Elke Hügel von Attac. "Man weiß nicht mehr, in welchem Monat man demonstrieren soll – scheiß Klimawandel", witzelt ihr Mitstreiter Christoph Lienkamp. Der neue Termin für den Aktionstag: 16. Mai ab 16 Uhr auf dem Augustinerplatz.