Bis Späti

In der Egonstraße 45 eröffnet im Mai Freiburgs erster Späti

Gina Kutkat

Die Pläne für den ersten Spätkauf in der Stadt nehmen Konturen an: In der Egonstraße im Stühlinger hat das Späti-Team einen Raum gefunden. Im Mai soll eröffnet werden – bis dahin sammelt das Kollektiv noch Geld.

Noch herrscht in der Egonstraße 45 Baustelle. Doch über der Staubschicht und zwischen den dunklen Holzbalken hängt eine dicke Portion Motivation. "Wenn alles wie geplant läuft, eröffnen wir Mitte Mai", sagt Anaïs Moll. Seit einer guten Woche werkelt sie zusammen mit ihrem Kollektiv in der ehemaligen Kneipe. Die acht jungen Freiburgerinnen und Freiburger möchten dort den ersten Spätshop der Stadt aufmachen – also eine Art Kiosk, der auch außerhalb der üblichen Ladenöffnungszeiten geöffnet hat.


In den Räumlichkeiten Ecke Eschholzstraße war früher das Josephstüble untergebracht. Eine typische Eckkneipe – zuletzt Raucherkneipe – die vor zwei Jahren schloss. Dass die Späti-Gründer diesen Ort gefunden haben, ist kein Zufall. "Durch einen fudder-Artikel ist der Besitzer auf uns aufmerksam geworden", sagt Florian Höntsch, der mit Anaïs Moll die Initialidee für Freiburgs ersten Späti hatte.

Nach dem Artikel im Januar gab es viel positive Resonanz für die Vision eines ersten Spätkaufs in Freiburg – und das Kollektiv erhielt mehrere Anfragen. Eine davon von dem Hausbesitzer der Egonstraße 45. Nach Besichtigung und Gesprächen hat das Späti-Kollektiv mittlerweile den Mietvertrag unterschrieben. Dieser läuft zunächst für zwei Jahre: 1500 Euro Miete zahlen sie monatlich für 90 Quadratmeter Gesamtfläche. "Das war genau der Betrag, den wir uns als Grenze gesetzt hatten", sagt Florian Höntsch. Der Bonus: Weil in den Räumlichkeiten früher eine Kneipe war, dürfen auch im Späti Alkohol und kleine Speisen konsumiert werden. "Etwa einmal im Monat wollen wir die Bar öffnen", sagt Ramona Arnreich.

Bevor das möglich ist, muss die ehemalige Kneipe erst einmal gründlich geputzt und renoviert werden. Die Häkelgardinen vor den Fenstern sind entfernt, doch noch dominiert das dunkle Schwarzwaldholz im Inneren. An den Wänden hängen Plakate, auf denen Aufgaben ("Sperrmüll anmelden. Zapfanlage prüfen") und Gedanken ("Unsere Art beibehalten") notiert sind. Wie der Raum letztendlich gestaltet wird, entscheidet das Kollektiv gemeinsam. "Die Wand neben der Bar dient der ’Stillen Kommunikation’", erklärt Florian Höntsch. "Jeder kann seine Idee aufschreiben, jemand anderes kann den Gedanken dann weiterführen", ergänzt Ramona Arnreich.



Sicher ist, dass sich Freiburgs Späti an den Modellen aus Berlin orientieren wird – dort gehören Spätis zum täglichen Kiez-Leben dazu. Wer abends schnell ein Bier braucht, wird im Nachtkiosk fündig. Aber auch Snacks, Tabakwaren, Süßigkeiten und Zeitungen wird es geben. Und: "Kondome, Zahnbürsten, Klopapier", zählen Anaïs Moll und Florian Höntsch in einem Video zur Fundraisingkampagne auf. Noch fehlen ihnen etwa 5000 Euro für die Gewerbeanmeldung, die Kaution und die Bestellung der Waren. Bislang finanziert sich das Kollektiv über Privatdarlehen, 17.500 Euro kamen so zusammen.

"Bis Späti" soll Freiburgs erster Spätkauf heißen – und dabei nicht nur Kiosk, sondern auch Begegnungsraum für die unterschiedlichsten Menschen sein. Musik- und Kulturangebote soll es genauso geben wie eine Kaffee-Ecke auf Spendenbasis und ein Tauschregal.
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