In dem Stück "Un-Ich" steht der Körper im Vordergrund

Maleen Thiele

Am Wochenende zeigt die Theatergruppe klangkörperklaus das Stück "Un-Ich" in der TheaterFistung. Szenisch und tänzerisch erforschen die Schauspieler die Grenzen des Sagbaren, indem sie Sprache und Text in den Hintergrund rücken lassen.

Klangkörperklaus – der Name der studentischen Theatergruppe deutet bereits das Konzept an, das sich hinter ihm verbirgt. In ihren Stücken erschafft die Gruppe eigene Erfahrungswelten, die den Körper hervorheben und ihn Geschichten erzählen lassen.


"Ein Körperklaus ist jemand, der kein wirkliches Gefühl für seinen eigenen Körper hat und dessen Bewegungen so aussehen, als würde er rumkaspern," so Emmanuel Baumann, Regisseur und Leiter der Gruppe. Der Klangkörper, der konträr hierzu stehe, hebe die wichtige Rolle von Musik und Klang hervor.

"Wir arbeiten erst mit dem Körper und nehmen dann den Text dazu." Emmanuel Baumann, Regisseur.


Emmanuel, der neben seinem Lehramtsstudium eine Ausbildung zum Theaterpädagogen macht, gründete die Gruppe vor zwei Jahren. Die meisten Theatergruppen, die er kannte, arbeiteten ihm zu textzentriert. "Ich habe im Probeprozess oft festgestellt, dass der Körper hinterherhinkt, wenn das Stück sehr textlastig ist," erklärt Emmanuel.

Häufig sei es dann so, dass die Sprache und der Text eine Emotion oder ein Verhalten suggerieren, die der Körper gar nicht erzähle. Um das zu verhindern, startete er das Theaterprojekt klangkörperklaus: "Wir arbeiten erst mit dem Körper und nehmen dann den Text dazu."

Die Gruppe hat das Stück gemeinsam entwickelt

In dem Stück "Un-Ich", dem zweiten Projekt der Gruppe, loten die Schauspieler und Schauspielerinnen die Grenzen des Sagbaren und des Vorstellbaren szenisch und tänzerisch aus. Mit Körperbildern und autobiografisch inspirierten Themen erzählen sie Erfahrungen, Gedanken und Emotionen, die kaum in Worte zu fassen sind und machen sie so erfahrbar.

Nina, die seit Beginn der Gruppe dabei ist, findet diese Hervorhebung des Körpers das Besondere an der Theaterform. "Mit dem Körper kann man viel unmittelbarer kommunizieren während die Sprache schnell die Grenzen des Sagbaren erreicht." Auch fände sie es gut, dass die Gruppe das Stück gemeinsam entwickelt habe und jeder so die eigenen Erfahrungen miteinbauen konnte. "So sind wir nicht nur ausführende Schauspieler, sondern gestalten das Stück aktiv und kreativ mit."

Reduktion von Text und Sprache

Erwarten können die Zuschauer ein Theatererlebnis der anderen Art. "Das Stück ist ein Bildtheater, wie ich es gerne nenne," erklärt Emmanuel. Das bedeute, dass die Schauspieler und Schauspielerinnen Sequenzen zeigen, die an das Umblättern in einem Bilderbuch erinnern.

Die Zentrierung des Körpers und die Reduktion von Text und Sprache erleichtern den Zugang zum Stück. Es muss keinen langen Dialogen gefolgt werden. Der Zuschauer kann sich allein auf die Wirkung des auf der Bühne Dargestellten einlassen.
  • Was: klangkörperklaus mit dem Theaterstück "Un-Ich"
  • Wann: Freitag, 22. Juni, Samstag, 23. Juni und Sonntag, 24. Juni jeweils um 20 Uhr
  • Wo: TheaterFistung, Friedrichstraße 39
    Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
  • Vorverkauf: Buchhandlung Ludwig, Bertoldstraße 23