Improtheater im E-Werk: Lux überzeugt und verliert

Aljoscha Harmsen

Das E-Werk hatte am Samstag eine Premiere zu feiern: Die Impro-Theatergruppe Lux kämpfte erstmals auf der Bühne des Hauses mit den renommierten Berliner Gorillas um die Gunst des Publikums. Beide Gruppen zeigten ansprechendes Impro-Theater, obwohl an mancher Stelle der Moderator retten musste. Am Ende gewann die Gruppe, die eigentlich verloren hatte.



Über 100 Gäste besetzen die wenigen Plätze des Kammertheaters, das damit an den Rand seines Fassungsvermögens kommt. Die Nachfrage ist trotz der 12 Euro Eintritt hoch – zurecht, denn die Gäste aus Berlin – heute mit weißen Oberteilen – gelten als eines der besten Impro-Ensembles Deutschlands. Es kämpft je ein Team aus zwei Partnern um den „Lux“, ein Stofftier, das den Sieg bedeutet. Der Moderator des Theatersport-Events ist Christian Sauter, selbst Mitgründer von „Lux“. Er gibt sich trotzdem bedrückend unparteiisch. Das Publikum darf durch die Lautstärke des Klatschens entscheiden, wer am Ende einer Aufgabe die Punkte bekommt.


Auf der Bühne gibt es wenig zu sehen, wenn man von den Darstellern absieht. Schwarze Vorhänge, je zwei Stühle für die Teampartner und etwas Beleuchtung. Minimalistisch, aber gut gewählt: Es geht schließlich um die Kreativität der Schauspieler, nicht um die Schönheit des Raumes. Als besondere Herausforderung für Gäste und Darsteller kommt eine Sauna-Atmosphäre hinzu, weil die Lüftung defekt ist. Die Gäste sind etwa zur Hälfte Freunde, Familie und Bekannte der Freiburger Theatergruppe und des E-Werks. Sie kennen ihre Aufgabe beim Wettbewerb ziemlich gut. Stichworte hineinrufen - aus denen die Schauspieler spontan ihre Szenen erfinden - und laut Klatschen. Das Publikum ist mindestens so routiniert, wie die Darsteller.



Bei den Gorillas reist der Nachwuchs an, die „Gimmicks“. Bei Lux tritt ein irisches Nachwuchstalent zum ersten Mal auf. Im ersten Moment glaubt man, es wird den Gästen nur die zweite Reihe vorgesetzt. Die Darsteller können allerdings problemlos ihre Klasse beweisen und mit Gesang und Darstellung überzeugen. Bei der Aufwärmrunde muss jeder im Publikum seinen Nachbarn ansehen und dem Moderator erklären, welches Tier er oder sie sein könnte. Anschließend gibt es eine Massage. Auf diese Art gewinnt der Moderator sein Publikum und die Teams ihre Stichworte.



Der Moderator genießt schon hier seine Position als natürlich immer fairer aber auch etwas selbstherrlicher Routinier, was er am Ende noch einmal zeigt. Die Stichworte sind gewonnen, die Schauspieler improvisieren. Dabei wechseln die Szenen etwa alle 20 bis 30 Sekunden. Eine Bahnhofszene wird von einer Rap-Einlage abgelöst, danach werden Fahrkarten kontrolliert. Alles wirkt intuitiv und spontan. Allerdings manchmal auch sehr berechenbar. Stichwort Zahnbürste: Matrose scheuert den Fußboden und der Obermaat steht hinter ihm. Wie stellt man sich das vor? Genauso war es. Diese Vorhersehbarkeit ändert allerdings nichts daran, dass der ganze Abend sehr unterhaltsam ist. Es ist ein Kompliment an die Improvisationskunst, wenn ein Satz wie „Immer, wenn ich zur Tür geh‘, klingelts“ lustig ist.

Erst nach der Aufwärmrunde kommen die beiden Teams richtig in Fahrt. Die Aufgaben, die der Moderator seinen Wettkämpfern gibt, lösen beide Teams fast immer zum Wohlgefallen des Publiums. Manchmal übernehmen sich die Gruppen aber auch: Das Team der Gorillas setzt sich einmal selbst die Aufgabe, genau 26 Sätze zu sagen, wobei der erste mit „A“ beginnen sollte, der nächste mit „B“ und fortlaufend.  Das ist unter Freunden vielleicht ein interessanter Zeitvertreib, auf der Bühne funktioniert das allerdings nicht gut und wirkt spätestens beim „X“ etwas gekünstelt. Von solchen kleinen Hängern abgesehen bieten beide Gruppen überzeugendes Impro-Theater, bei dem die Zeit schnell vergeht.



Eine Entscheidung über den Sieger fällt schwer – bis auf eine Ausnahme ergab das Klatschen der Zuschauer immer ein Unentschieden. Am Ende steht es sieben zu sieben und ein Stechen muss entscheiden, wer den Lux schließlich bekommt.  Dabei muss sich jeder ein 1-Eurostück an die Stirn drücken – bei verschwitzten Köpfen hält das länger als man denkt – und dabei eine Bowling-Szene improvisieren. Lux hat dieses Duell eigentlich gewonnen – bei einer ausholenden Bowling-Bewegung fiel dem Berliner Kontrahenten die Münze runter. Der Moderator hat den Berlinern trotzdem den Gesamtsieg zugesprochen, weil sie am Ende risikobereiter gewesen seien.

Diese Entscheidung kommt im Publikum sehr komisch an - vielleicht gerade weil der Moderator selbst von Lux ist, hat er es mit der Fairness zu gut gemeint. Beide Gruppen waren gut, auch wenn manchmal der Moderator retten musste, indem er die Szenen schnell wechselte.

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