Improfestival im Stadtgarten: Lustvoll spielen und scheitern

Teresa Martus

Gehen ein Bestatter und eine Leiche zum Psychotherapeuten. Das klingt absurd, und das soll es auch sein. Denn beim 18. Freiburger Improtheater-Festival, das noch bis Freitag im Stadtgarten zu sehen ist, bestimmt das Publikum, was auf der Bühne zu sehen ist.



Gehen ein Bestatter und eine Leiche zum Psychotherapeuten. Das klingt absurd, und das soll es auch sein. Auch beim 18. Freiburger Improtheater-Festival, das noch bis Freitag im Stadtgarten zu sehen ist, gibt es nichts, was es nicht gibt. Gleich im ersten Beitrag am Montagabend verhandelt die Gruppe "Spontan Brutal" die ganz großen Themen von Liebe und Eifersucht bis zum Tod – immer mit Humor und immer auch mit einem Blick fürs Skurrile.


Stichwortgeber beim Improtheater ist das Publikum. Die Zuschauer können die Berufe von Charakteren vorgeben, Themen, Handlungsorte und sogar ganze Sätze, die eingebaut werden sollen. Und so landen Bestatter und die Leiche nicht nur beim Therapeuten, sondern auch auf Schloss Neuschwanstein, während in der nächsten Szene Ungeziefer mit dem Maschinengewehr beseitigt wird und ein Apotheker versucht, sich ganz im Stil der TV -Serie "Breaking Bad" mit Drogen ein Zubrot zu verdienen.

Die Herausforderung für die Schauspieler ist es, aus unvorhersehbaren Vorgaben ein stimmiges und unterhaltsames Ganzes zu formen. "Man darf keine Angst haben, sich auch einmal zum Affen zu machen", sagt Markus Knobloch von Spontan Brutal. "Lust am Spiel ist wichtig, und auch Lust am Scheitern." Knobloch ist seit der Gründung der Gruppe vor sechs Jahren dabei, ein Routinier also im Vergleich zu den Schauspielern der zweiten Gruppe an diesem Abend: Für die Impro-Schnittchen, wie sie sich nennen, ist der Auftritt im voll belegten Pavillon im Stadtgarten erst die dritte Vorstellung überhaupt. "Sie sind erst seit September bei mir im Training", sagt Christian Schulz und fügt nicht ohne Stolz hinzu, "sie sind in der Zeit schon weit gekommen."

Seit 1997 organisiert Schulz das Festival, und aus seinen Improtheater-Kursen sind viele Gruppen in der Freiburger Szene entstanden. Die ersten Fans haben die Impro-Schnittchen schon, zum Beispiel Nadine Godau, die trotz Regens gekommen ist, um sie zum dritten Mal zu sehen. "Es ist einfach cool, wie spontan die Leute sind", sagt sie, "wie schnell sie reagieren und sich verändern können."

Wie die meisten Gruppen beim Festival machen die 17 Impro-Schnittchen sogenannten Theatersport, Sport vor allem im Sinne von Wettbewerb: Eingeteilt in zwei Teams zeigen sie ihr Improvisationstalent in verschiedenen Spielen. Nach jedem Spiel vergibt eine Jury aus dem Publikum Punkte und kürt das Siegerteam.

Auch der Höhepunkt des Festivals am Freitagabend hat Wettbewerbscharakter: Bei "Wer wird Champignon?", dem traditionellen Abschluss des Festivals, stehen zwölf Schauspieler und Schauspielerinnen aus mehreren Gruppen gemeinsam auf der Bühne und spielen in wechselnden Konstellationen verschiedene Szenen. Das Publikum entscheidet.

Das Programm

Mittwoch, 16. Juli 2014
18 Uhr Die Spontanellen
20 Uhr Bitte frei machen

Donnerstag, 17. Juli 2014
18 Uhr Hier und Jetzt & Funkensprung
20 Uhr FREISTIL
Freitag, 18. Juli 2014
17 Uhr Die Flotte Lotte
19:30 Uhr Wer wird Champignon? (Mit 12 Spielerinnen und Spielern aus allen Festival-Gruppen)

Mehr dazu:

Was: 18. Open Air Theatersport-Festival
Wann: Montag, 14. bis Freitag, 18. Juli 2014
Wo: Musikpavillon, Stadtgarten
Eintritt: frei, Spenden erwünscht
Aufgepasst: Die Aufführungen finden bei jedem Wetter statt!   [Foto: Rita Eggstein]