Impfen, beruhigen, kastrieren: Die Kleintierklinik in der Wiehre

Carolin Born

Auch ganz kleine Tiere können große Probleme haben. Und dann gehen sie in die Kleintierklinik in der Wiehre von Edgar von Cramm. fudder-Autorin Carolin Born hat einen Vormittag in der Klinik verbracht, um zu sehen, was da so alles krabbelt, kriecht und knurrt.



Nach einem Wochenende plus Feiertag Notdienst gibt es viel zu tun. Die Tierboxen für die stationäre Behandlung sind voll. Ein Kaninchen hat einen Abszess am Auge, eine Katze miaut, an ihrer Box hängt ein Warnschild: bissig.


Im Behandlungszimmer befinden sich Medikamente, Bücher und Tiermodelle, an den Wänden hängen Fotos von ehemaligen Patienten. Der Praxiskater streift durch den Raum. In der Mitte steht ein viereckiger Tisch für den Patienten. Das sind in der Wiehre meistens Hunde, Katzen, Kanninchen oder andere Haustiere, wie Hamster, Vögel oder Mäuse. Seit neuestem sind auch Reptilien dabei, wie Schildkröten, Echsen oder Schlangen. Manchmal bringt jemand einen gefundenen Igel vorbei.

Kater Nico sitzt brav auf dem Tisch. Sein Frauchen berichtet jedoch, dass er nachts ganz anders ist, da schreit er ab drei Uhr. Das mache sie wahnsinnig, beklagt sich die Besitzerin. Tierartzt Edgar von Cramm gibt ihr beruhigende Kapseln, die sie unters Futter mischen soll. Danach reibt er die Zähne mit einer speziellen Zahnpasta ein und schneidet dem Hauskater die Nägel.

Fix und fertig ist die nächste Hundehalterin. Ihr kleiner Schützling zittert heftig. Er behält nicht mal mehr Wasser in sich und spuckt weißen Schaum, den er danach auffrisst. Sie fragt verzweifelt, was er denn habe, doch das lässt sich nicht so einfach herausfinden. „Der Hund muss hier bleiben, so lange es ihm schlecht geht, und er bekommt eine Infusion“, sagt Tierarzt Yeugeni Shumeyko. Manche Tiere bekommen eine stationäre Behandlung. Für den kleinen Hund, der Geräusche macht, als würde er husten, ist noch eine letzte Box frei.



Ein anderer Tierbesitzer steht vor einer schweren Entscheidung: Seine Hündin ist schon älter, hört fast nichts mehr und hat Ohrenweh und Rückenschmerzen. Weil der Mann bald umziehen muss, will er sie einschläfern lassen. Denn sie versteht sich nicht mit anderen Hunden und er glaubt, dass ihre Lebensqualität im Tierheim schlecht sein wird. Tierarzt Shumeyko überzeugt den Mann, dass es der Hündin noch gut geht, sie hat schließlich noch Apetit und Spaß am Leben: „In den Tierheimen arbeiten nette Leute. Dort ist es für den Hund besser, als wenn er gleich in der Tiefkühltruhe landet.“ Er gibt dem Herrchen Adressen von Tierheimen, denn der will sich jetzt für seine Hündin eines aussuchen.

Im Gegensatz dazu ist die Stimmung sehr fröhlich, als Hund Leo in das Zimmer gewedelt kommt. Seine Eigentümerin freut sich, dass ihr Goldschatz wieder topfit ist. Denn der wurde von einem anderen Hund, der ihn gebissen hat, schwer verletzt. Doch die Wunde ist gut verheilt und Leo wieder fröhlich. Nur als er die Spritze bekommen soll, verkriecht er sich in der Ecke unter dem Tisch.

Sein Frauchen strahlt überglücklich. Als ihr Tierarzt von Cramm die Rechnung reicht, sagt sie: „Was ihr gemacht habt, ist unbezahlbar.“ Auch für Tiere gibt es übrigens Krankenkassen, die für die Behandlung aufkommen. Ist der Besitzer nicht versichert, muss er selbst zahlen oder eine Tierschutzorganisation um Hilfe bitten.

Gemeinsam mit Tierarzthelferin Anette Seifried und der Tierpfleger-Auszubildenden Anna Wolff versorgen die beiden Ärzte an diesem Morgen ihre stationären Patienten. Sie behandeln das Kanninchen mit dem eitrigen Abzess am Auge, aus dem eine braune Flüssigkeit tropft, füttern die Tiere in den Boxen und bereiten die Katze auf ihre Operation vor.

Außerdem kümmern sie sich um die Patienten im Wartezimmer: Der Tierarzt entwurmt eine Katze, bemerkt jedoch, dass sie auch noch Flöhe hat. Viele Tiere bekommen Impfungen, was auch gleich in ihren Impfpass eingetragen wird. Ein in eine Decke gehülltes Kanninchen erhält eine Zahnbehandlung, wobei die Besitzerin lieber raus geht. Denn als der lange Zahn abgeschliffen wird, riecht und klingt es unangenehm.



Vor der Mittagspause kastriert Tierarzt Shumeyko eine Katze. Dafür hat sie eine Betäubung gespritzt bekommen. Für die Operation wird ihr ein kleines Stück von ihrem Tigerfell-Muster am Bauch abrasiert. Der Tierarzt setzt auf diese Stelle einen kleinen Schnitt. Damit die Organe nicht die Eierstöcke überlagern, bindet er die Katze kopfüber auf einem Tisch fest. So kann er die Eierstöcke abtrennen und schließt danach die Stelle wieder.



Noch in der Narkose bekommt die Katze eine Tätowierung ins Ohr. Denn die Kennzeichnung verrät, welcher Arzt die Katze behandelt hat, falls sie verloren geht. Auch international ist sie nun registriert. Denn manchmal springen Katzen versehentlich ins Auto und fahren damit über die Grenze.

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