Immer weniger Kinder können sicher schwimmen – das will der Gemeinderat dagegen tun

Kathrin Müller-Lancé

Die Hälfte der Schulkinder kann nicht richtig schwimmen, sagt die Deutsche Lebensrettunggesellschaft. Der Gemeinderat will das für Freiburg ändern: SPD-Stadtrat Stefan Schillinger erklärt, was passieren muss:



Herr Schillinger, wie schlecht steht's um die Schwimmfähigkeiten der Freiburger Kids?

Die Zahlen erschrecken: 25% der Erwachsenen, 50% der Grundschulkinder sollen nicht sicher schwimmen können. Das sind die Zahlen der DLRG, der Deutschen Lebensrettunggesellschaft. Jedes Jahr auf’s Neue verschickt sie eine Pressemitteilung mit ähnlichen Zahlen. Bei einem Besuch am Opfinger Baggersee habe ich mich diesen Sommer selbst überzeugt: Immer mehr Kinder und Jugendliche sind im Wasser – aber auch immer öfter muss die DLRG ran, um jemanden zu retten.

Woran liegt es, dass immer weniger Kinder sicher schwimmen können?

Natürlich ist da der Kostenfaktor: Schwimmunterricht kostet Geld. Man muss sich das erst mal leisten können. Aber das ist nicht das einzige Problem: Es herrscht eine große Knappheit an Schwimmkursen. Für die freien Plätze gibt es mittlerweile Wartelisten. Ich kenne das von meinem eigenen Sohn. Da haben wir lange suchen müssen. Die Schwimmbäder sind überbelegt. Die Zeitfenster, die sie für Kurse einräumen, reichen bei der Nachfrage nicht aus.

Ihr Ansatz ist nun, den Schwimmunterricht in der Schule zu verbessern. Warum ausgerechnet dort?
In der Schule erreichen wir alle Kinder. Das ist eine Chance. Momentan sind die Lehrer aber oft überfordert: 20 Kinder, alle haben ein unterschiedliches Niveau. Während die einen schon ganz gut schwimmen, können sich andere gar nicht über Wasser halten. Da auf jedes Kind einzeln einzugehen, ist unmöglich.

Wie wollen Sie das ändern?

Unser Vorschlag: Professionelle Schwimmlehrer, Sportstudenten und Ehrenamtliche Helfer könnten den Schwimmunterricht in der Schule unterstützen und ihn effizienter machen. Laut DLRG reichen schon 10 bis 12 Stunden guter Unterricht aus, um Kindern das Schwimmen beizubringen. Es gibt da in anderen Städten schon ganz gute Modelle. Wir wollen, dass die Stadtverwaltung die prüft und dem Gemeinderat einen Vorschlag macht.

Wie haben Sie selbst Schwimmen gelernt?

Ich bin Halbitaliener, meine Mutter kommt aus einem Ort am Meer. Dort haben wir jedes Jahr Urlaub gemacht. Irgendwann haben mir meine Geschwister dann das Schwimmen beigebracht - mehr oder weniger zumindest.

Zur Person



Stefan Schillinger, 37, sitzt für die SPD im Freiburger Gemeinderat, wohnt im Mooswald un d arbeitet als Realschullehrer.

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Foto 1: photocase.de/judigarfie; Foto 2: privat]