Immer mehr Abiturienten erreichen ein 1,0-Abi: Das sagen drei Schüler und ein Experte dazu

Tamara Keller

Immer mehr Abiturienten haben ein Abitur mit 1,0 - von 2006 bis 2012 ist die Zahl der Abiturienten mit Bestnoten um 40% gestiegen. ist das Abi leichter geworden, oder sind die Schüler schlauer? Wir haben mit den Einser-Abiturienten Maura, Luca und Larissa, sowie dem Bildungsexperten und Abiturreferenten Peter Stein vom Regierungspräsidium Freiburg gesprochen:



Medienberichten zufolge haben immer mehr Abiturienten bessere Noten. Allein die Anzahl der 1,0-Abiturienten ist deutschlandweit seit 2006 um 40% gestiegen, wie unter anderem die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) berichtete.


Zudem sei auch die durchschnittliche Abi-Note in nahezu allen Bundesländern gestiegen, in Berlin beispielsweise von 2,68 im Jahr 2006 auf 2,4 im Jahr 2012. In Baden-Württemberg ist die Durchschnittsnote aber eher gesunken, Abiturienten erreichen hier 2012 einen Durchschnittsnote von 2,4, während es 2006 noch 2,38 waren.

In Baden-Württemberg haben im Jahr 2013 32.258 Schüler an allgemein bildenden Gymnasien ihr Abitur bestanden, davon haben 514 Abiturienten die Bestnote 1,0 errreicht, das sind ca. 1,6.

Was die Abiturienten denken:


Wie schwer war das Abitur für dich?

Maura, 17: Ehrlich gesagt, war das Abitur für mich ziemlich einfach.

Luca, 18: Von den Prüfungen war ich ein wenig überrascht. Aus meiner Sicht, war der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben fast anspruchsvoller als der der vergangenen Jahrgänge, die wir als Probeabis durchgearbeitet haben. Vielleicht empfindet man aber seine eigene Situationen auch nur als anspruchsvoller.

Larissa, 18: Ich fand es eigentlich einfach. Über die zwei Jahre bin ich immer gut im Unterricht mitgekommen und dadurch war das Abitur dann gar nicht so schlimm wie ich dachte.

Wie viel hast du dafür gelernt? Hast du irgendetwas aufgeopfert?


Maura:
Eben weil es mir so leicht gefallen ist, habe ich auch nicht so viel gelernt.

Luca: Schwierig zu sagen, da jeder seine eigene Lernmethoden hat. Meine Methode hat nur mit viel Motivation und Fleiß funktioniert, weil ich mir auch sehr hohe Ziele gesetzt habe. Ich hab zwar darauf geachtet, dass das Lernen nicht zum Hauptzeitvertreib wird, aber es gab schon mal Nachmittage oder Wochenenden, wo nicht mehr viel Zeit für anderes blieb. Aufgeopfert habe ich trotzdem nichts.

Larissa: Im Vergleich zu den Anderen habe ich, glaube ich, relativ wenig gelernt. Allgemein fiel mir das Lernen schon immer leicht und ich habe bereits viel von dem mitgenommen, was wir im Unterricht gelernt haben. Allerdings habe ich die Bestnote nie angestrebt und am Schluss ist es dann einfach so gekommen. Aufgeopfert habe ich eigentlich nicht wirklich was.

Glaubst du es ist heute leichter als früher einen 1,0-Schnitt zu haben?

Maura: Ja ich glaube schon. Also ich denke, es hängt auch vom Bundesland ab. In Baden-Württemberg und Bayern ist es ja eigentlich schwerer als in den anderen Ländern.

Luca: Nein, das glaube ich nicht. Bestnote bleibt Bestnote und die zu erreichen, ist immer schwierig, egal in welchem Schulsystem. Ich würde vielleicht sagen, es gibt heute mehr Leute, die systembedingt das Zeugs für sehr gute Abi-Ergebnisse haben, aber einfacher ist es bestimmt nicht geworden. Und sollte es doch so sein, dann bemitleide ich eine unfähige Bildungspolitik, die ihre Anforderungen senkt, um bei irgendwelchen Pisa-Studien oder dem ganzen Quatsch gut dazustehen.

Larissa: Ich glaube schon. Wir haben in der Schule zum Üben die Abituraufgaben von 1980 und 1990 durchgerechnet und die waren echt unglaublich schwer. Vielleicht liegt es auch daran, dass man heutzutage mehr Zeit für die Schule hat und die Voraussetzungen für die Jugendlichen besser sind.



Das sagt Dr. Peter Stein, Abiturreferent beim Regierungspräsidium Freiburg:


In Deutschland soll es immer mehr 1,0 Abiturienten geben. Gilt das auch für Freiburg?


Dr. Peter Stein
: Das hängt natürlich stark von der Größe des Gymnasiums ab und es ist auch nicht gleich verteilt. Es gibt natürlich Gymnasien mit einer traditionell höheren Zahl von 1,0 und auch mit traditionell besseren Durchschnitten, was nicht daran liegt, dass diese Gymnasien jetzt besser Unterricht machen, sondern weil diese möglicherweise die leistungsstärkeren Schüler anziehen, teilweise auch aus sozialen Gründen.

Glauben sie das Abitur heutzutage ist leichter als früher?

1,0 zu schaffen ist wahrscheinlich nicht leichter geworden. Es hängt alles von ganz vielen Faktoren ab. Heute hat man mehr Pflichtfächer, auch in den schriftlichen Prüfungen. Von den Rahmenbedingungen her, was die Pflichtkurse anbelangt, was die Anzahl der Prüfungen anbelangt, was auch die Wochenstunden anbelangt, ist auf dem Papier alles ein bisschen anspruchsvoller und strenger geworden. Zum Beispiel muss man seit diesem Jahr in den modernen Fremdsprachen eine verpflichtende Kommunikationsprüfung dazu machen. Diese Prüfung führt jedoch tendenziell eher zu besseren Noten.

Betrachtet man den Gesamtdurchschnitt von allen Abiturienten, die bestanden haben, lag dieser in den letzten Jahren immer konstant bei 2,3. Wenn man jetzt aber berücksichtigt, dass die Abiturientenquote deutlich zunimmt, der Durchschnitt aber trotzdem gleich bleibt, könnte man daraus schließen, dass die Anforderungen gesunken sind. Aber da sind so viele unbekannte Größen in der Rechnung, da ist es schwierig etwas Konkretes zu sagen.

Werden die Schüler immer schlauer?

Also diese Aussage ist definitiv falsch. Meiner Meinung nach sind die Schüler zu allen Zeiten gleich schlau. Sie werden wahrscheinlich auch zu allen Zeiten ungefähr gleich erfolgreich unterrichtet. Der Unterricht, bei aller Fortentwicklung, ist wahrscheinlich vor 30 Jahren genauso erfolgreich gewesen wie heute, aber die Rahmenbedingungen, unter denen alles stattfindet, haben sich halt stark geändert.