Immer einen Schritt zu langsam: SC spielt unentschieden gegen Frankfurt

Clemens Geißler

In einem von Vorsicht, Taktik und Spielkontrolle geprägten Spiel kam der Sportclub Freiburg gegen Eintracht Frankfurt nicht über ein torloses Remis hinaus. Während für die Breisgauer das rettende Ufer immer näher rückt, bleiben die Hessen 2011 noch ohne eigenes Tor.



Die Geschichte der ersten Halbzeit
ist schnell erzählt: Auf den Sitzplätzen verspeist man Rhabarber-Joghurt des SC-Hauptsponsors (mit Orignal-Löffel!) oder verteilt Diät-Bonbons mit Latte-Macchiato-Geschmack. Hessische Zuschauer besprechen, wer „Würstschä“ holen geht. Auch im folgenden wird klar, dass dieser Dialekt weder ein „n“ noch ein „r“ zu besitzen scheint, jedenfalls nicht am Wortende, wohingegen jedem „ch“ mindestens ein „s“ hinzugefügt wird. Summa summarum müsste die Regionalausgabe des Dudens dort also um einige Seiten kürzer sein.


Nebenbei bekommt man mit, dass der Frankfurts Tzavellas mit schauspielerischen Einlagen dilettiert, Cissé konsequent die Abseits-Regel ignoriert und Frankfurt auch noch drei Mal vors Freiburger Tor kommt. Doch Patrick Ochs aus spitzem Winkel (21.) und später aus zehn Metern (42.) verpasst das erste Hessentor im Kalenderjahr ebenso wie Schwegler, dessen Schuss aus der zweiten Reihe knapp über Baumanns Gehäuse geht.

Gerade in der Endphase der ersten Hälfte wirken die Breisgauer doch recht indisponiert, selten einmal wird der Ball sauber geklärt. Ein 0-0, das für die Gäste zu diesem Zeitpunkt fast zu wenig ist. Indes wird man nach dem Spiel von einem Ergebnis reden können, das so in Ordnung geht. Vor allem deshalb, weil keine der Mannschaften heute den Eindruck macht, den Gegner wenigstens phasenweise in echte Verlegenheiten stürzen zu können. Von ein paar Torraumszenen abgesehen verliert sich die Partie irgendwo zwischen nuklearem Patt und Remis nach Zugwiederholung.

Die Waage hält sich auch bei einem genaueren Blick: Vielleicht besitzen die Gäste die klareren Tormöglichkeiten.  Aber immerhin schaltet die Dutt-Elf nach dem Wechsel einen Gang hoch, wird druckvoller und tut mehr für das Spiel.



Bei alledem resultieren die Torchancen vorwiegend aus Standards: So auch beim ersten nennenswerten Torschuss, den Makiadi sage und schreibe in Minute 57 abgibt. Später wird der auffälligste SC-Akteur noch einen Kopfball knapp neben Oka Nikolovs Gehäuse setzen (75.).

Die klarste Gelegenheit ergibt sich dazwischen für Papiss Demba Cissé (67.): Einen scharf getretenen Bastians-Freistoß nimmt er mit dem Kopf ab, allerdings setzt er das Leder aus zwei Metern neben das Tor. Symptomatisch für das heute wenig glückliche Spiel des Freiburger Toptorjägers ist, dass ihm die Sicht auf den Ball bis zum allerletzten Augenblick versperrt wurde.

Freier Sicht unterdessen durfte sich zwei Minuten zuvor sein Frankfurter Kontrahent um die Torjägerkanone erfreuen. Doch Thefoanis Gekas‘ Kopfball nach einer Tzavellas-Flanke geht über Oliver Baumanns Kasten. Überhaupt hält letzterer die gesamte Spielzeit über sicher und lenkt in seiner wichtigsten Tat Maik Franz‘ gefährlichen Rechtsschuss mit den Fingerspitzen an die Latte.

So bleibt es letztlich bei der Punkteteilung, die keinem so richtig, aber dem Sportclub doch irgendwie mehr hilft. Zwar rücken die Europapokal-Plätze wieder etwas außer Sicht, aber solange die 40-Punkte-Marke noch nicht steht, wären solcherlei Gedankenspiele wie der zweite Schritt vor dem ersten.

Das schienen die 21.900 ähnlich zu sehen, die sich gegen Ende nämlich - so sie nicht ohnehin schon standen - von ihren Sitzen erhoben. Damit nämlich wollten sie wohl weniger den etwas durchwachsenen Auftritt der Mannen von Robin Dutt am heutigen Tag honorieren als die Leistung über die gesamte Saison hinweg. Und diese ist ja tatsächlich mindestens einen längeren Applaus wert.