Imageschaden: Professoren drohen Autoportal

Felix Herkenrath

"Janine (27) aus Berlin verkauft ihren Mini Cooper S für 16.000 Euro. Ihr Professor bot 9.500 Euro und gute Noten": Wegen dieser Werbekampagne will der Deutsche Hochschulverband gegen eine Online-Auto-Börse vorgehen. Die Kampagne schade dem Image der Hochschullehrer, sagt der Verband und droht dem Betreiber mit einer Klage.



Das Autoportal wirbt derzeit in den Sanitärbereichen deutscher Rasthöfe mit dem Studentinnen-Poster. Beim Deutschen Hochschulverband, der Vertretung der deutschen Hochschulleher, sieht man diese Kampagne alles andere als gerne.


"Eine derartige Werbung ist ehrverletzend, beleidigend und in besonderem Maße für den Berufsstand des Hochschullehres imageschädigend. Indirekt wird Professoren sogar ein strafrechtliches Verhalten der Bestechlichkeit beziehungsweise Vorteilsnahme unterstellt", so der Verband in einem offenen Brief an Betreiber des Portals.

Mit seiner Anzeige spielt der Online-Automarkt auf einen aktuellen Fall aus Hannover an: Dort wurde ein Juraprofessor wegen Bestechlichkeit in 68 Fällen zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Er hatte für die Betreuung von Doktoranden Gelder angenommen und eine Studentin besser benotet, weil sie eine sexuelle Beziehung mit ihm eingegangen war.

Der Hochschulverband fordert eine Unterlassenserklärung von pkw.de und das Einstellen der Kampagne; sollte dies nicht passieren so droht der Verband mit einer Klage.

Beim Online-Automarkt denkt man im Moment aber keineswegs an eine Einstellung der Kampagne: "Wesen der Satire ist die bewusste Vermittlung eines Spott- beziehungsweise Zerrbildes der Wirklichkeit. Die vorliegende Werbung soll dem Betrachter die Information vermitteln, dass er bei einem  Verkauf seines Kraftfahrtzeug über pkw.de einen höheren Verkaufspreis erzielen kann als an anderer Stelle", so Alexander Graf von Kalckreuth, Anwalt des Portals.

Gegenüber Spiegel Online zeigten sich die Betreiber erfreut über die Publicity. "Professoren müssen ein ziemlich ruhiges Leben haben, wenn sie sich über einen solchen Witz aufregen", amüsierte sich Pressesprecher Ralf Hansteen und gab an, man habe den Streit nicht einkalkuliert. Er versichert, dass die Kampagne mit anderen süffisanten Motiven fortgesetzt werde, allerdings ohne weitere Professoren-Themen. "Da können wir Entwarnung geben. Wir haben wirklich nichts gegen Professoren."

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