Im Swingerclub

David Weigend

Esther (Foto, 31) betreibt zusammen mit Srdan (34) die Manege, den derzeit einzigen Swingerclub Freiburgs. Am 12. September veranstalten die beiden darin eine "Summer Break Party", mit der sie gezielt jüngere Leute an- (bzw. aus-)ziehen wollen. Wir haben uns von Esther die Gepflogenheiten in der Manege erklären lassen.



Den Manegeclub zu finden, ist nicht schwer. Man orientiert sich im Gundelfinger Industriegebiet nach dem Edekacenter an dem großen Fachhandel für Kettensägen. Gleich danach erscheint der weiße Flachbau mit den vergitterten Fenstern. Sieht von außen aus wie eine Garage für tiefergelegte Maserati. Früher war dort das „Woodland“ drin, ein verwinkelter Swingerschuppen mit viel Efeu und Forstdekor.


Man klingelt also, sagen wir an einem Samstag um 22 Uhr. Zuerst begutachtet dich Sicy, der Türsteher. Mit einer Fahne oder gammligem Outfit wird man abgewiesen, ebenso, falls man den Bouncer aggressiv anfaucht, aber das kennt man ja. Also am besten das Missionarsgrinsen aufsetzen. Danach heißt es: Kohle abdrücken. 110 Euro zahlt ein Mann, der nach 21.30 Uhr allein erscheint. Paare (90 Prozent des Publikums!) sowie Frauen zahlen weniger. Esther reicht dann den Spindschlüssel. Ab jetzt ist alles inklusive. Man geht sich umziehen. „Am besten was Luftiges“, sagt Esther. Frauen greifen auf „heiße Dessous und Strapsen“ zurück, Männer tragen im Kontaktraum gern Shorts, „wer sich’s leisten kann, geht oben ohne.“



Der Kontaktraum besteht aus zwei getrennten Bars, eine für Raucher, die andere für Nichtraucher. Es läuft eine halbaktuelle Dream Dance-CD. Man könnte sich hier schon den Kanal mit Cocktails zulaufen lassen, aber das machen die wenigsten, „schließlich will man ja noch fit sein für andere Aktivitäten“, wie Esther mit ausgesuchter Vorwitzigkeit bemerkt.



Die Anbahnungsphase. Eigentlich läuft sie ab wie in der Disco, bloß, dass man sich das ganze Dating-Getue im Anschluss sparen kann. In der Manege werden Nägel mit Köpfen gemacht. Sprich: von der Seite anquatschen, ein Späßlein ins Ohr säuseln, ein Spusi-Musi am Barhocker und ab geht’s ins Innere der Manege. „Den Jüngeren, die zum ersten Mal dabei sind, zeigen wir auch gern zuerst, wie der Hase läuft. Die kriegen von uns eine Führung durch die ganzen Räumlichkeiten.“

Da wir auch noch nicht wissen, wohin der Hase laufen soll, lassen wir uns von Esther die Spielwiesen der Manege zeigen. Am lustigsten ist das „Höhlenzimmer“, das an eine Mischung aus Versteckspiel-Raum für Kinder und Schlafgemach eines Safarifetischisten erinnert. Als wir das mit dem Versteckeles ansprechen, sagt Esther tatsächlich: „Wenn mich meine beiden Patenkinder hier besuchen, ist das für die ein Paradies. Da können sie richtig rumtollen. Die fragen mich dann nur, warum es hier so viele Betten gibt.“ Die Patenkinder sind sieben und acht Jahre alt und bekommen dementsprechend eine Notlüge aufgetischt.

Im weiteren Verlauf der schummrig beleuchteten Besichtigung erzählt Esther, dass sie aus Offenburg kommt, BWL studiert hat und hauptberuflich im Büro eines Freiburger Industrieunternehmens tätig ist. „Meine Kollegen wissen alle, dass ich nebenher einen Swingerclub betreibe“, sagt sie. Mit dem diskreten Charme einer Immobilienmaklerin zeigt sie uns das weitere Inventar: Wave Room mit Wasserbett, Pornokino, Speisezimmer, Sauna, Empore, Manegenzimmer. Der SM-Raum ist momentan noch Baustelle. Würde vielleicht auch so passen, mit den ganzen Gerätschaften, die da rumstehen.

Überall hat Esther Kissen drapiert, die Bezüge schwarz-weiß getigert und selbst genäht. „An guten Tagen haben wir zwischen 40 und 50 Leute hier drin“, sagt sie. Zuerst sei an der Bar full house, dann würde sie sich schlagartig leeren, nach einer gewissen Zeit kämen dann alle wieder. Wie ein Wespenschwarm. Aber wer ist da der Zwetschgenkuchen?



Das ist wohl Geschmackssache. Wichtig sei allein die Swinger-Regel: „Ein Nein ist ein Nein.“ Sprich: Mitmachen kann man grundsätzlich schon. Man darf eine Frau berühren, auch, wenn sie schon bei der Sache ist; aber wenn sie die Hand wegdrückt, sollte man sich an dieses Signal halten. Sonst fliegt man raus.

Reinkommen sollen generell eher die Jüngeren. Esther hat im Februar eröffnet. Das Durchschnittsalter des Publikums liegt zwischen 40 und 60 und kommt von weiter her, also aus Frankreich, der Schweiz oder von jenseits des Schwarzwalds. Aber auch Gundelfinger Stammpublikum, das mit dem Fahrrad anreise, sei dabei. „Mit dem Summer Break wollen wir jüngere Leute einladen. Es soll in erster Linie um die Party an sich gehen, mit dem Swingen als Nebeneffekt.“

Wir verlassen Esther. Sie muss noch einiges vorbereiten für den Summer Break. Animatöse Musik, U-Boot-Shots, Blumenketten und vor allem: ganz viele, frische Bettlaken.

[Fotos: Weigend, Manege Club]

Mehr dazu:

Website: Manege Club

Was: Summer Break Party Wann: Samstag, 12. September 2009, 21 Uhr Wo: Manege Club, Industriestr. 15, 79194 Gundelfingen Eintritt: siehe Preisliste