Im Sonnenobservatorium auf dem Schauinsland

Claudia Kornmeier

1943, mitten im Zweiten Weltkrieg, feierte das Observatorium auf dem Schauinsland Richtfest. Inzwischen wird es vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik betrieben. Wir haben uns das Ganze mal angeschaut.



T-Shirt-Wetter in der Freiburger Altstadt. Eineinhalb Meter Schnee auf dem Schauinsland. Während die einen auf dem Augustinerplatz in die Sonne blinzeln, stapfen andere durch Spuren ihrer Vorgänger im Tiefschnee zum Sonnenobservatorium auf dem Schauinsland. Dort war am vergangenen Samstag Tag der offenen Tür. Anlass war das Internationale Jahr der Astronomie. Die Vereinten Nationen haben das Jahr ausgerufen, um an den 400. Jahrestag der ersten Himmelsbeobachtungen durch ein Galileisches Fernrohr zu erinnern.




Im Stundentakt führte der Physiker Hubertus Wöhl, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Kiepenheuer-Instituts für Sonnenphysik zuständig ist, Kinder, Erwachsene und Großeltern durch das Sonnenobservatorium, welches das Kiepenheuer-Institut auf dem Schauinsland betreibt. Am Mittag hatte sich die Sonne hinter Wolken verzogen, so dass leider keine Beobachtungen möglich waren. Glück hatte dagegen, wer am Vormittag oder bei der letzten Führung um 15 Uhr dabei war.



1943 feierte das Observatorium auf dem Schauinsland Richtfest. Mitten im Zweiten Weltkrieg also. Es war Karl Otto Kiepenheuer, der hier begann die Sonne zu erforschen. Für das Militär war die Sonnenforschung wichtig, um Störungen im militärischen Funkverkehr vorhersagen zu können. Freiburg war zu diesem Zeitpunkt noch von Bombardements verschont geblieben, galt daher als sicher und hatte die nötigen Räumlichkeiten im Physikinstitut zu bieten. Seit 1930 verband die Schauinslandbahn Berg und Tal. Außerdem gab es an der Universität noch keinen Lehrstuhl für Astrophysik. Für Kiepenheuer bot sich in Freiburg also die Möglichkeit, einen Lehrstuhl zu gründen und eine günstige Infrastruktur.



Das Ergebnis nach dem Krieg: „Die wissenschaftlichen Fortschritte waren gering“, sagte Hubertus Wöhl. Seit Sputnik und dem Internet sei die Sonnenforschung für die militärische Kommunikation nicht mehr relevant. Kiepenheuer bekam keinen Lehrstuhl an der Freiburger Universität. Es blieb bei einem außeruniversitären Institut, das heute der Leibniz-Gesellschaft angehört. Finanziell ist das für die Mitarbeiter allerdings ein Vorteil.

1978 änderte das Institut seinen Namen. Bis dahin nach dem deutschen Optiker und Physiker Joseph von Fraunhofer benannt, wählte man nun den Namen Kiepenheuer, zu Ehren des Gründers und um Verwechslungen mit der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung zu vermeiden.

Seit 15 Jahren führt Hubertus Wöhl Besucher durch das Observatorium. Kiepenheuer hat er noch persönlich kennen gelernt. Der diesjährige Tag der offenen Tür am Astronomietag war für ihn der letzte. Nächstes Jahr ist er bereits in Pension.



Die Sternfreunde Breisgau, die ihre Vereinssternwarte auf dem Gelände des Kiepenheuer-Instituts auf dem Schauinsland haben, richteten am Samstag – wie jedes Jahr – die Abendveranstaltung aus. Martin Federspiel, der Vorsitzende der Sternfreunde, hielt einen Vortrag zum Thema „400 Jahre Himmelsbeobachtung mit dem Fernrohr“. Wer wollte, konnte anschließend mit Teleskopen den Himmel beobachten.

Bund und Länder finanzieren das Institut. Die Physiker des Instituts betreiben Grundlagenforschung. Ein „Produkt“, das Steuergelder refinanziert, komme dabei nicht heraus, sagte Hubertus Wöhl. Festangestellte Forscher seien aber angehalten, regelmäßig in einschlägigen Fachzeitschriften zu publizieren.

Das Observatorium auf dem Schauinsland dient heute nur noch der Ausbildung, dem Test von Geräten und vor allem Führungen für die Öffentlichkeit. Etwa 1000 Menschen besuchen jährlich das Observatorium. Zwischen Mai und Oktober finden einmal im Monat Führungen statt. Die eigentliche Forschung betreiben die Physiker des Instituts dagegen auf Teneriffa. „Die Sonnenbedingungen sind dort besser“, sagte Hubertus Wöhl.

Relevante Geräte für die moderne Kommunikation betreibt dagegen Vodafone auf dem Gelände. Das Unternehmen hat eine Ecke gemietet und dort einen Handymast installiert.

Mehr dazu:

  • Michael P. Seiler, Kommandosache „Sonnengott“ – Geschichte der deutschen Sonnenforschung im Dritten Reich und unter alliierter Besatzung