Im Schlaflabor: Chhhh....tsssss...Chhhhh...tssssss....

Anselm Müller

Schnarchen ist eine Eigenheit, die vielen Menschen und ihren Partnern das Leben schwer macht. Anselms Schnarchen ist kein lustiges Pumucklschnarchen mehr, sondern eine Krankheit namens Schlafapnoe. Er berichtet, wie er mit der Diagnose konfrontiert wurde und warum er seitdem mit einer Maschine ins Bett geht.



Atemberaubend

Vor acht Jahren zeltete ich mit einem Kumpel in der Schweiz. Jeden Morgen sagte er: „Du schnarchst so laut, das hält kein Mensch aus.“ Eines Morgens war seine Isomatte leer. Ich erfuhr, dass er es in der Nacht nicht mehr ausgehalten hatte und ausgezogen war. Damals nahm ich das Ganze noch mit Humor: „Also ich habe mich nicht schnarchen gehört!“ Dann allerdings machte mich das Urteil des Freundes stutzig: „Manchmal hörst du auf zu atmen und beginnst damit erst wieder nach geraumer Zeit.“

Zwölffach verdrahtet

In den vergangenen zwei Jahren wurde mein Schlaf immer schlechter. Ich schlief meist lang, über neun Stunden, war aber trotzdem müde. Irgendwann suchte ich einen Internisten auf. Als ich ihm meine Beschwerden schilderte, gab er mir ein Gerät mit nach Hause. Ich sollte es eine Nacht lang benutzen, um meinen Schlaf aufzuzeichnen.

Der Befund: eine leichtgradige, obstruktive Schlafapnoe. „Man muss nichts tun, das ist im Normalbereich“, sagte mir der Arzt. Aber es wurde nicht besser. Ich bekam vier Termine fürs Schlaflabor. Zwei ohne Gerät und zwei mit.



Rasur, Essenseinnahme um 18 Uhr, keine Gesichtscreme: Diese drei Kriterien muss ein Patient erfüllen, wenn er sich über Nacht in das Schlaflabor im Diakoniekrankenhaus begeben will. Im Labor wird man mit acht kleinen Sensoren am Kopf verdrahtet, dazu kommen zwei Sensoren an den Oberkörper und zwei an die Unterschenkel. Wenn man sich da nicht rasiert, bekommt man zwei Quadrate sauber auf die Schienbeine rasiert. Die Beinsensoren sollen übrigens das Zappeln der Beine aufzeichnen.

Nächtliche Aktivitäten

Die Räume des Schlaflabors sind recht spartanisch eingerichtet: Bett, Schrank, Tisch ein Stuhl sowie eine Überwachungskamera. Fernsehen Fehlanzeige. Dafür gibt es Dusche und WC für jeden einzelnen. Die Sensoren werden mit einer Haftpaste angebracht. Die klebt zwar super, aber der Patient hat am nächsten Morgen verklumpte Haare.

Nachdem die Schlafforscher mich am ganzen Körper verdrahtet haben, findet ein letzter Check der Sensoren statt.



Die Anweisungen über Lautsprecher lauten: Kopf nach links und rechts drehen, Zähne knirschen, laut schnarchen, Zehen anziehen und nach links und rechts drehen. Meine nächtlichen Aktivitäten zeichnet eine Kamera auf. Durch eine Sprechanlage kann ich bei Bedarf das Personal ansprechen. Wenn man, wie ich teilweise auch, eine Maske auf hat, gestaltet sich das allerdings schwieriger.

Meine Bettmaschine

Die Untersuchungen ergaben, dass ich ein sehr niedriges Niveau an REM (Rapid Eye Movement)- Schlafphasen habe. Das ist schlecht. Auch mein erholsamer Schlaf ist im unteren Bereich anzusiedeln. Insgesamt besteht mein nächtlicher Schlaf aus durchschnittlich zehn Prozent Schnarchen.

Durch die Verwendung der Maske sind diese Werte besser geworden. Wieviel besser? Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Ich fühle mich jetzt aber mit weniger Schlaf viel erholter.



Das ist sie. Meine neue nächtliche Gefährtin. Von außen sieht sie recht unscheinbar aus. Sie ermöglicht mir jedoch einen besseren Schlaf durch Sauerstoffzufuhr. Dabei ist sie ziemlich leise. Jedenfalls viel leiser als mein Schnarchen, wie mir bestätigt wurde.

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