Im Rieselfeld auf Bäumen schlafen

Adrian Hoffmann

Ja, das geht. Der Freiburger Waldseilgarten bietet eine Baumübernachtung auf amerikanischen Roteichen an - für eine Gruppe von vier bis acht Personen, Termin: Samstag, 30. September, 10 Uhr, bis Sonntag, 1. Oktober, 12 Uhr. Was das soll? Sportpädagoge Torsten Riedling im Interview:

     

   

Warum bitte übernachtet man auf einem Baum im Rieselfeld?

Torsten Riedling: Es gibt da sicherlich unterschiedliche Ambitionen. Um etwas Außergewöhnliches zu machen, in jedem Fall. Es ist auch der Reiz an der Höhe. Wenn Leute schon geklettert sind, haben sie vielleicht schon mal darüber nachgedacht, eine längere Zeit da oben zu verbringen.

Und wie läuft so eine Baumübernachtung ab?

Torsten: Wir treffen uns am frühen Mittag, um uns kennenzulernen, zusammen zu grillen, und danach machen wir uns auf den Weg nach oben. Das sind 18 Meter. Wir steigen an einem Seil auf, an dem Steigklemmen angebracht sind. Mit den Füßen steigt man in die Trittleitern, die an den Steigklemmen befestigt sind. An den Steigklemmen sind Griffe, mit denen man sie nach oben schieben kann. Die Steigklemmen rutschen nur nach oben, nach unten verklemmen sie sich. Wenn man nun abwechselnd die Steigklemmen nach oben schiebt, kann man langsam am Seil aufsteigen.

Das hört sich anstrengend an.

Torsten: Kann es durchaus sein, ja. Aber man ist auf jeden Fall an einem Gurt gesichert, selbst oben, die ganze Nacht über.

Ist diese Gurtsicherung nicht unbequem?

Torsten: Nein, nein. Die Gurte liegen sehr locker am Körper.

Wie lange dauert es, bis man oben am Baum ankommt?

Torsten (lacht): Das ist sehr unterschiedlich. Es kann schon mal eine halbe Stunde dauern.

Und dann hängt man sich Faultier-like auf irgendein dickes Geäst, oder wie?

Torsten: Nein, nein. Wir haben kleine Plattformen, 2,20 Meter lang, für eine Person 70 Zentimeter breit, für zwei Personen 1,40 Meter breit.



Kann es sein, dass man runterfällt, wenn man unvorsichtig ist?

Torsten: Eigentlich nicht. Die Gurte sind dafür wiederum eng genug angezogen.

Jetzt nochmal: Und warum schlaft ihr nicht einfach auf dem Boden?

Torsten: Es ist einfach ganz anders. Wenn ich morgens aufwache und die Augen aufmache und über die Kante schaue, dann komme ich mir vor wie in einer anderen Welt.

Und dann frühstückt ihr da oben, richtig?

Torsten: Ja, wollen wir schon so machen. Wir haben vor, jemanden vorher den Auftrag zu geben, uns zu beliefern. Catering-Service quasi. Wir ziehen dann Croissants und Kaffee am Seil nach oben.

Ist dieses Angebot auch familientauglich?

Torsten: Also 15-jähriger Kinder können schon mitmachen, aber für kleine Kinder halte ich das nicht für geeignet.

Was macht man, wenn man plötzlich pinkeln muss?

Torsten: Also zunächst geht jeder vor dem Aufstieg noch einmal auf die Toilette. Von der Plattform pinkeln, das werden wir wohl eher nicht, die Leute kennen sich nicht, das empfinde ich als zu intim. Außerdem ist ja unser Waldseilgarten unten dran.

Was nimmt man alles mit hoch?

Torsten: Schlafsack, Isomatte, das Übliche.

Ist eine Baumübernachtung nicht etwas kalt Ende September?

Torsten: Nee, wenn man einen guten Schlafsack hat, kann man selbst im Winter auf dem Baum übernachten.

Kann man da als Anfänger gleich einschlafen, oben auf dem Baum oder schaut man sich die ganze Zeit die Sterne an?

Torsten: Es kann schon sein, dass es länger dauert als sonst, ist ja ein ungewohntes Gefühl. Aber unbequem ist es nicht, wie auf jeder anderen Isomatte auch, besonders bequem ist eine aufblasbare Isomatte. Den Sternenhimmel wird man gar nicht ganz sehen, der Wipfel ist über einem.



Wie lange bietet ihr schon Baumübernachtungen an?

Torsten: Wir machen das jetzt als Gruppenveranstaltung zum ersten Mal. Angemeldet hat sich bisher noch niemand, aber es ist ja auch noch nicht bekannt.

War das eure Idee?

Torsten: Ja, das haben wir schon öfter gemacht. Allerdings nie mit Gruppen. Aber wir sind wahrscheinlich nicht die einzigen Anbieter - vielleicht für Freiburg, aber das kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Mehr dazu:

Was: Baumübernachtung
strong>Wann: Samstag, 30. September, 10 Uhr bis Sonntag, 1. Oktober, 12 Uhr
Wo: Waldseilgarten Rieselfeld, Bertha-von-Suttner-Straße 9, 79111 Freiburg
Kosten: 109 Euro pro Person

Web: Waldseilgarten