Im Land des Lächelns

Philipp Aubreville

"Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag" sagte einst der Stummfilmkomiker Charlie Chaplin. Eine ähnliche Einstellung haben die Mitglieder des Freiburger Lachclubs: Einmal in der Woche treffen sie und Interessierte sich zu Lachübungen. Philip lachte mit.

Es ist ein schöner Herbsttag im Juli, als ich mich auf den Weg ins Heiliggeistspital mache. "The rain falls hard" sangen mal die Smiths; Wie recht sie doch hatten. Doch gerade das britische Wetter ist die ideale Ausgangsposition für das, was ich vorhabe: Mich Aufheitern beim Freiburger Lachclub.


Meine Vorstellungen von im Kreis sitzenden Menschen, die sich gegenseitig Witze erzählen, erweist sich jedoch bald als falsch. Im Freiburger Lachclub, der in diesem Jahr sein fünfjähriges Jubiläum feiert, gibt es keine Antwort auf die Frage, was ein Parkplatz voller Mantas zu bedeuten hat. Stattdessen führt der Weg zum Gelächter über spezielle Lachyoga-Übungen.


Während ich mir noch ausmale, wie das Hüsteln in meiner imaginären Witzerunde nach einem Rohrkrepierer-Witz klingen würde, beginnt Lachtrainerin Bärbel Hinz-Käfer ihr einstündiges Programm. Klassische Atemübungen, wie man sie in den 90er Jahren im Frühstücksfernseh-Sport beobachten konnte, werden hierbei mit Lachlauten kombiniert. Diese wirken zunächst verkrampft, verselbstständigen sich allerdings recht schnell.

Dennoch ist es gar nicht so leicht, sich auf das Gelächter einzulassen. Schmunzeln muss ich eher bei der Vorstellung, jemand aus meinem Freundeskreis würde mich jetzt bei diesem Aktionismus beobachten. Immerhin laufe ich gerade klatschend durch den Raum und rufe: "Ho Ho Ho, Ha Ha Ha."

Flog da gerade einer übers Kuckucksnest?

Doch aus dem Schmunzeln wird ein Grinsen und das Grinsen wird breiter – auch wenn mir nicht klar ist, ob dies auf die Zwerchfell-Stimulation oder die Situationskomik zurückzuführen ist.

Absurd wirkt es nämlich schon, wenn man imaginäre Geschenk-Pakete annimmt und verteilt. Andererseits macht dieses Anregen der Phantasie einen wichtigen Teil des Lachtrainings aus: Denn wenn man seinem Gegenüber ein 20 Kilo-Päckchen im Pantomimen-Style überreicht, denkt man sicher nicht an die nächste Physik-Klausur.

"Wir haben des öfteren auch Studenten hier, die in ihren Prüfungsphasen einfach mal den Kopf frei haben möchten." erklärt Bärbel während ich mir vorstelle, wie sich ein Biologie-Student einen lateinischen Terminus für den "Lachlöwen" überlegt.

Bei dieser Übung begegnet man seinem Gegenüber mit einer Mischung aus Brüllen und Lachen. Überhaupt bildet neben den Phantasie-Spielchen mit imaginären Gegenständen der Wutabbau einen wichtigen Aspekt des Trainings. Wir brüllen uns an, wir stampfen auf den Boden und wir lachen über das schlechte Wetter, über das Knöllchen das sich Bärbel eingefangen hat.

An Stellen wie dieser wird es interaktiv: Während einige der rund 15 weiteren Teilnehmer Vorschläge machen, über was noch gelacht werden könnte, hole ich erst einmal tief Luft.
Das Dauerlachen ist nicht nur anstrengender als man denkt, sondern soll sogar therapeutische Wirkung entfalten. Immerhin gibt es mit der Gelotologie inzwischen sogar einen Zweig der Medizin, der sich mit den positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper und Seele beschäftigt.



Doch als ich das auf einem Faltblatt lese, ist das Lachtraining schon wieder vorbei. Diese Stunde war definitiv eine interessante Erfahrung. Doch auch wenn die Zwangsverpflichtung eines durchschnittlichen Aggro-Berlin-Kunden sicher ganz lustig wäre: Das Lachtraining ist wohl nur etwas für Leute, die über ihren Schatten springen und sich auf etwas unkonventionellere Dinge einzulassen. Dass ich das kann, hindert mich aber nicht daran, The Cure zu hören, als ich den Pfützen-übersäten Heimweg antrete.

Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. 



Mehr dazu:

Lachtrainerin Bärbel Hinz-Käfer: Website/li>
Was: Lach-Training
Wann: jeden Montag 19 bis 20 Uhr
Wo: Heiliggeist-Stift, Deutschordensstraße 4, 79104 Freiburg

Am 16. September feiert der Lachclub sein 5-jähriges Bestehen. Das Fest beginnt um 10 Uhr mit einem Brunch auf dem Jesuitenschloß.