Im Karma startet die Partyreihe "House of Wolfes" mit Benjamin Wolfers

Bernhard Amelung

Der Reiz elektronischer Clubmusik liegt für Benjamin Wolfers in ihrer Körperlichkeit. Der Neu-Freiburger startet am Freitag seine Partyreihe "House of Wolfes" im Karma. Auf fudder spricht er über seine Zeit in London und die Probleme einer DJ-Karriere.

Die Kickdrums geben das Tempo vor. Die Basslines sorgen für ein Gefühl von Körperlichkeit und Wärme. Im Zusammenspiel bilden sie den Groove von House-Musik. Für Benjamin Wolfers, Produzent und Discjockey, ist ein House-Track dann gut, wenn der Bass deutlich rüberkommt. "Ich muss den Bass am ganzen Körper spüren. Trotzdem darf er nicht schreddern", sagt er.


Der 21 Jahre alte Hamburger, Wahl-Freiburger seit Oktober 2016, sitzt im Café Capri in der Gerberau. Es gibt in Freiburg keinen besseren Ort für ein Gespräch über Musik. Giorgio Soavi, der das Café seit 1983 mit seinem Bruder Umberto führt, ist ein Liebhaber von klassischer Musik und Jazz. Hunderte Schallplatten und CDs stehen in einem wandhohen Regal neben Konzertmitschnitten, aufgenommen auf Kassette.

Auch Benjamin Wolfers ist Musikliebhaber. Fast täglich bekommt oder kauft er neue Musik. House, Techno, elektronische Tanzmusik eben, wenn auch weitgehend in digitalem Format. "Der Ordnerbaum auf meiner Festplatte ist groß", sagt er und lacht. Seine Liebe zu dieser Musik geht so weit, dass er nach dem Abitur am Luisen-Gymnasium im Hamburger Stadtteil Bergedorf nach Spanien zieht und dort für ein halbes Jahr als Discjockey in einer Bar arbeitet.

In London lernt Benjamin Wolfers Komposition

Im Anschluss an diese Zeit zieht er nach London und schreibt sich an der Point Blank Music School ein. 1994 von Rob Cowan, einem englischen Produzenten und Musiker gegründet, bietet diese Schule Bachelor- und Masterkurse für Sounddesign, Tongestaltung, Komposition und Produktion an. Auch die Kunst des Auflegens können die Schülerinnen und Schüler dort lernen.

Die Point Blank Music School unterhält seit 2015 eine Zweigstelle in Los Angeles mit einem Schwerpunkt für Filmmusik. Seit Sommer dieses Jahres ist sie in Mumbai und auf Ibiza vertreten. Zu Gastdozenten gehören neben Sängerin Neneh Cherry und Stevie Wonders Manager Keith Harris auch Pete Tong, Carl Cox und Armin van Buuren. Diese gehören zu den weltweit bekanntesten Discjockeys mit eigenen Partys auf Ibiza. Die Baleareninsel beheimatet mit dem Amnesia nicht nur einen der ältesten Clubs überhaupt. Sie gilt als Katalysator für eine Karriere in der elektronischen Musik. Wer es auf Ibiza schafft, schafft es überall. So könnte man die Point Blank Music School als Katalysator-Vorstufe bezeichnen.

Wolfers belegt in London Kurse in Komposition. Er lernt, wie er eine musikalische Idee effizient umsetzen, aus einzelnen Loops einen House-Track labelfertig arrangieren kann. Dazu erwirbt er Kenntnisse im Mastering. "Ein gutes Mastering kann einen Track auf das nächste musikalische Level heben", sagt er.

Seine ersten Songskizzen schreibt er bereits als Teenager. Zu Beginn noch mit der Software Garage Band, heute vor allem mit Logic. Für einen Track braucht er durchschnittlich zwei Tage. Die Zeit in London hat ihn als Produzenten weit nach vorne gebracht. "Manchmal kann es aber auch vier Monate dauern, bis ich mit einem Stück zufrieden bin", sagt er und lacht. Einige seiner Stücke bauen auf alten Ideen auf. Songskizzen, die er abspeichert und nach einer Zeit weiter bearbeitet. Es sei bei Musik aber nicht wie mit Rotwein, der von einer längeren Lagerung profitieren könne.

Auf dem ADE in Amsterdam bewirbt er sich bei Plattenlabel

Oft beginnt er seine Stücke mit einer kurzen Tonfolge oder einer Melodie. Da schlägt durch, dass er als Kind und Teenager Klavier- und Cellounterricht genossen hat. "Ich kann aber nicht sagen, dass mich die klassische Musik für meinen Sound beeinflusst". Vielmehr bezeichnet er Produzenten wie Droeloe, Kölsch und Hans Zimmer als prägend. "Seine Soundscapes sind großartig." Noch als Abiturient in Hamburg schreibt er für das Schülerorchester seines Gymnasiums ein Orchesterstück.

Seine fertigen Arbeiten schickt er an Plattenlabel oder stellt sie deren Manager persönlich vor. So zum Beispiel im Oktober dieses Jahres auf dem Amsterdam Dance Event, inzwischen der wichtigsten Konferenz für elektronische Musik. "Ich habe an drei Demodrops teilgenommen", erzählt er. Diese Veranstaltungen sind vergleichbar mit einem Agenturpitch. Der Künstler präsentiert seine Musikwerke einer Jury, die sie bewertet. Hierbei konkurriert der Künstler mit anderen Bewerbern um ein mögliches Signing, einem Vertragsschluss mit dem Plattenlabel. Für Wolfers läuft es gut in Amsterdam. Mit zwei Plattenlabels steht er seither in Kontakt.

In der Szene braucht es Ehrgeiz und Hartnäckigkeit

Ehrgeiz und Hartnäckigkeit gehören laut Wolfers dazu, um in der Szene der elektronischen Musik Fuß zu fassen. "Allein mit Begabung und Glück kommt man nicht weit. Wer chillt, versäumt die Chance, einen guten Track zu produzieren", sagt er. Auflegen und Produzieren sieht er jedoch nicht als Konkurrenzkampf. "Ich habe gemerkt, dass man mehr schaffen kann, wenn man zusammenarbeitet und sich gegenseitig unterstützt. Das geht vom Weiterempfehlen der Musik anderer bis zum gemeinsamen Produzieren."

Viel freie Zeit bleibt da nicht. Wolfers ist seit Oktober 2016 am University College in Freiburg im Bacherlor-Studiengang "Liberal Arts and Science" eingeschrieben. Er treibt ein wenig Sport und geht gerne feiern, will selbst auch das Gefühl von Körperlichkeit und Wärme spüren, das er anderen mit seinen Stücken und DJ-Sets vermitteln möchte.

Das will er ab diesen Freitag auch als Discjockey in Freiburg. Im Buddha Club des Karma soll er regelmäßig als Benny Wolfes unter dem Label "House of Wolfes" auflegen. "Mein Pseudonym ist schnell erklärt. Die Engländer haben sich bei meinem Nachnamen mit der Aussprache des ’R’ schwer getan." Er ahmt einen britischen Akzent nach und lacht. Außerdem könne man mit einem Wolf als Logo viel anfangen. Zum Beispiel T-Shirts bedrucken. "Das machen viele andere Discjockeys auch", sagt er.

Vor seiner ersten Party in Freiburg zeigt er sich zuversichtlich. "Ich konnte über den Sommer ein paar Mal an der Seite von Karma-Resident DJ Sign auflegen." Außerdem spielte er im April dieses Jahres im Londonder Club Ministry of Sound, der Blaupause eines Clubs für elektronische Musik. Dort bestreiten Studierende der Point Blank Music School regelmäßig Clubnächte am Mischpult. Gut möglich, dass Wolfers dort irgendwann einmal das "Ministry of Wolfes" ausrufen wird. Die Leidenschaft und den Ehrgeiz dazu hat er.


  • Was: House of Wolfes w/ Benny Wolfes
  • Wann: Freitag, 24. November 2017, 23 Uhr

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