Wetterextreme

Im Jahrhundertsommer 2003 war Freiburg die deutsche Hitze-Hauptstadt

Uwe Mauch & Simone Lutz

42,6 Grad in Lingen – ausgerechnet das als nordisch geltende Emsland hat den deutschen Temperatur-Rekord geknackt. Dass Freiburg bundesweiter Hitze-Spitzenreiter war, liegt schon länger zurück.

Am Mittwoch 40,5 Grad im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen, am Donnerstag 42,6 Grad im niedersächsischen Lingen. In Freiburg zeigte die meteorologische Stadtstation der Freiburger Uni am Donnerstag um 17 Uhr 37,7 Grad Lufttemperatur an. Einst war auch Freiburg Hitzerekordhalter – im Jahrhundertsommer 2003.


Der August damals war extrem heiß, sonnig und trocken; Mitteltemperatur: 25,5 Grad, deutlich mehr als üblich. Am 13. August war es soweit: ein Maximum von 40,2 Grad – damit stellte Freiburg den deutschen Hitzerekord ein und teilte sich den inoffiziellen Titel "heißeste Stadt der Republik" mit Karlsruhe und Gärmersdorf in der Oberpfalz. Wobei der Rekord aus dem Breisgau mit Vorsicht zu genießen ist: Die damalige Wetterstation an der Stefan-Meier-Straße entsprach nicht internationalen Richtlinien.

Wetteraufzeichnungen gibt es in Freiburg seit 150 Jahren. Heiß war’s auch schon am 17. Juli 1918 mit 39,4 Grad. Charakteristisch für Südbaden sei, so Meteorologe Alexander Hildebrand vor kurzem im BZ-Interview, dass hier das schöne Wetter zuerst ankommt. Hitze entsteht oft im Süden und Südwesten Europas, zieht über die Burgundische Pforte nach Deutschland und trifft zuerst auf die Region zwischen Lörrach und Offenburg.

Der Ort der Messungen ist entscheidend

Wichtig für die Hitzemessungen ist allerdings auch, wo sie stattfinden, ob zwischen aufgeheizten Gebäuden oder auf freier Fläche. Ende 2006 zog die Messstation vom Institutsviertel um auf den Flugplatz und wurde bei dieser Gelegenheit automatisiert. An diesem Standort ist es leicht kühler als in der Innenstadt. Von dieser Station bezieht der Deutsche Wetterdienst (DWD) seine Freiburg-Daten. Und deshalb wird die Stadt wohl nie mehr deutscher Hitze-Rekordhalter werden. Lange Jahre gab es auch eine Wetterstation im Stadtteil St. Georgen, die bis Ende 2011 ehrenamtlich betrieben wurde und dem DWD Daten zulieferte.

Am alten Standort Stefan-Meier-Straße eröffnete der Wetterdienst im September 2018 eine zusätzliche Stadtklima-Station. Sie ist eine von zehn in ganz Deutschland, die verlässliche Daten zum Klimawandel liefern soll. In Freiburg, weiß Andreas Matzarakis, Professor vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des DWD Freiburg, hat die Zahl der heißen Tage mit über 30 Grad zwischen 1949 und 2006 von 7 auf 20 zugenommen. Es gibt also immer mehr heiße Tage.

Mit allen Folgen: Am Donnerstag zum Beispiel meldete die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg um 15 Uhr einen Ozonwert von 219 Mikrogramm pro Kubikmeter – der dritthöchste Wert im Land. Bei 240 Mikrogramm wird Ozonalarm ausgelöst.