Im Innerfields-Graffito ist ein Lizenzfoto aus dem Internet

Konstantin Görlich

Im Juli hat das Berliner Streetart-Kollektiv Innerfields ein ganzes Haus in Freiburg gestaltet. Ein gelangweiltes Kind blickt auf Geschenke. Allerdings gibt’s das Motiv als Foto für ein paar Cent – im Internet.

Über ihr Motiv, das Zehntausende tagtäglich von der B31 aus sehen, sagten die Künstler im Interview mit fudder.de: "Der Junge im Hintergrund ist aus der Idee heraus entstanden, da er sich gut in das Bild einfügt und es sinnvoll ergänzt."


Das stimmt so nicht ganz: Den Jungen im Hintergrund gibt’s als Foto für ein paar Cent bei fotolia.com oder anderen Stockfoto-Diensten. Das Bild wird international seit Jahren verwendet. Zum Beispiel hier. Oder hier. Und hier auch. Sogar Farben und Faltenwurf des geringelten Pullovers stimmen.

Ein dumpfes Plagiat? "Ohne die Bildersuche im Internet wären wir nie auf die Idee gekommen", sagt Jakob Bardou von den Innerfields heute. Ursprünglich sei es nur um Geschenke gegangen, aber dann tauchten Bilder von gelangweilten Kindern auf – so sei die gesamte Idee letztendlich entstanden. "Und dieser Junge hatte einfach den besten Ausdruck." Bezahlt hätten die Innerfields für das Foto allerdings nicht. "Die Vorschau hat uns gereicht."

Motive aus dem Netz aufzunehmen und neu zu interpretieren sei ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Es sei hier darum gegangen, den Ausdruck des Bildes wiederzugeben, und nicht darum, möglichst nah am Original zu bleiben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Streetart in Freiburg von Netzfotos inspiriert wurde. Vor einem Jahr stellte sich heraus, dass ein Mural der italienischen Street-Art-Künstlerin Alice Pasquini ein Vorbild im Internet hat. Und dass es in dieser Kunstform gang und gäbe ist, Aufgefundenes zu zitieren. Streetart lebe davon, vorhandenes Material in einen neuen Kontext zu stellen, sagte Remi Jaccard, Street-Art-Experte und stellvertretender Leiter des Zürcher Strauhof-Museums.