Im Freiburger Migros-Markt hat der Ausverkauf begonnen - mit bis zu 70 Prozent Rabatt

Yvonne Weik

Die Nuss-Stengeli sind schon ausverkauft, die Käsetheke ist fast leer und auch der Tiefkühlfisch nimmt rasant ab: Im Freiburger Migros-Markt hat der Ausverkauf begonnen, Ende des Monats ist Schluss.



Die Freiburger können bis Ende September Abschied von dem beliebten Migros-Markt an der Kaiser-Joseph-Straße nehmen – und bei 30 Prozent Rabatt nochmal ihre Einkaufskörbe füllen.


Brigitte Egi hat den Einkaufswagen voll gepackt: "Das sind schon einige Kilo", sagt sie und zeigt auf die großen Packungen. Spaghetti, Hörnle, Spirelli – die Freiburgerin ist wegen der Nudeln gekommen. "Die sind gut, aus Hartweizengrieß", erklärt sie. Nur die Suppennudeln, die seien leider schon alle weg. Dabei wollte sie doch ihrer Schwester welche mitbringen, auch für die Freundin aus Waldshut hat sie mit eingekauft. Eine Sorge hat Brigitte Egi noch: "Das Heimschleppen wird was, zum Glück bin ich mit der Bahn da."

Es ist Mittagspausenzeit am Dienstag. Wie üblich schwirren viele Menschen zwischen den Migros-Regalen herum. Doch anders als sonst sind viele Rentner darunter, einige Studenten und auch ein paar Schüler. Die Rabattaktion – 30 Prozent auf Lebensmittel, 50 bis 70 Prozent auf alles, was nicht essbar ist – lockt die meisten von ihnen an. Auch die Studentinnen Amelie Albiez und Anneliese Kintscher machen darum einen Großeinkauf. Gewürze, Tee, Reis – alles rein in den Wagen. "Sogar das Katzenfutter ist reduziert", freut sich Amelie Albiez. Immer mal wieder seien sie zum Migros-Markt gekommen, vor allem wegen der Rivella und der Schokolade. Heute landet allerdings kein Süßkram in ihrem Wagen. "Vielleicht schenkt mir ja meine Oma was", hofft Amelie Albiez und lacht.

Ein paar Regale weiter sucht ein Großelternpaar nach Nuss-Stengeli. "Nicht für uns, für unsere Enkel!" "Die sind leider schon weg", erklärt ihnen ein Mitarbeiter. Das Lager sei leer, alle Waren in den Regalen, aufgefüllt werde nichts mehr. Auch wenn am Montag viele Kunden den Migros-Markt stürmten, ist noch genug fürs Abschieds-Shopping da: Nudelberge, Kaffeetürme, Rösti-Fünfer-Packungen. Eine Kundin lädt gleich drei in den orangenen Korb: "Die sind ja haltbar bis 2015."

Die Rösti sind Anton Hübner und Leon Endlos egal. Die Schüler haben es auf etwas anderes abgesehen: Schokolade. Rund fünf Euro für zehn Tafel Schweizer Schoki, da könne man wirklich nichts sagen. "Vor allem ist es die leckere Rote", erklärt Anton Hübner. Leon Endlos hat sich eine edle Pralinenpackung geholt. Er will sie zuhause teilen – mit seiner Schwester. Schade finden es beide, dass der Laden verschwindet, auch wenn ihnen vieles zu teuer war. "Aber hier war immer alles so schön", sagt Anton Hübner. Eine Frage haben sie allerdings: Was passiert mit den Mitarbeitern?

Mitte Juni kündigte das Schweizer Unternehmen Migros (Abkürzung für Migrosgenossenschaft) an, seine vier Märkte in Deutschland zu schließen – nach elf Jahren auch die in Freiburg im Untergeschoss der Karstadt-Filiale. Die 99 Beschäftigten des Marktes sollen übernommen werden – von Rewe. Die Einzelhandelskette plant, ab 1. Oktober die Kellerräume von Karstadt zu übernehmen – angeblich mit einem neuen Konzept, bei dem auch einige Schweizer Produkte in den Regalen landen sollen.

Olaf Kather, Filialgeschäftsführer von Karstadt, wollte am Dienstag dazu keine Auskunft geben: "Wir rechnen damit, dass die Verträge mit dem Nachfolger der Migros in den nächsten zwei Tagen unterschrieben werden."

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[Foto: Ingo Schneider]