Im Auftrag des Don Corleone

Fabian

"Ich werde dir ein Angebot machen, das du unmöglich ausschlagen kannst" - Dieser Satz machte Filmgeschichte. "Der Pate" (Godfather) gibt es neuerdings nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Spielen. Hobbyzocker und "Patefan" Daniel ist für uns "auf die Matratzen gegangen" und hat das Spiel getestet: Kann das Game mit dem Film mithalten?



Sonntag. Das Wetter ist ansprechend, Hausarbeiten wären zu schreiben, Bücher zu lesen, aber mich zieht es an den PC, der mir wiederholt ein Angebot macht, das ich nur selten ausschlagen konnte: Der Pate ? Das Computerspiel. Schnell ist der Rollladen heruntergezogen, die Zimmertüre geschlossen und die Anlage etwas aufgedreht. Schon der Vorspann mit der Orginalmusik des Films lässt mich den Alltag vergessen und in die düstere Welt der 1940er eintreten:


Und sofort bin ich mitten im Geschehen: Gleich zu Beginn wird mein Vater, der im Dienste der Corleone-Familie steht, von den Schergen von Don Barzini ermordet und nun kümmert sich der gütige Don Corleone um mein Wohl und das Wohl meiner Familie. Neun Jahre später bei der im Film ebenfalls vorkommenden Hochzeit von Conny Corleone (Don Corleones Tochter) ersucht meine Mutter "den Paten" um Hilfe, weil ihr missratener Sohn (ich) in schlechter Gesellschaft agiert. Der Pate schickt Luca Brasi, um sich um mich zu kümmern. In eine Schlägerei verwickelt findet er mich und nimmt mich in die Familie Corleone auf.

Schnell lerne ich, wie man sich richtig prügelt, wie man schießt und am wichtigsten: Wie man verschiedenste Ladenbesitzer davon überzeugt, dass die Familie Corleone besser auf ihr Hab und Gut aufpasst und wie man Besitzer illegaler Geschäfte, wie Falschgelddrucker, illegale Casinos, Schmuggler, ? ein finanzielles Angebot unterbreitet, das diese ? wie so oft gehört ? nicht ausschlagen können. Hierbei ist vor allem viel Gewalt und Munition von Nöten, denn die Bewacher der anderen Familien sind über meine Expansionsversuche nicht gerade erfreut und schießen spätestens, sobald ich mein Angebot dem Besitzer unterbreitet habe. Insofern lerne ich schnell, dass ich mir den Weg erst einmal freischießen muss, bevor ich nachher in einem kleinen Raum von fünf bis zehn Bewachern überrascht werde.



Der eigentliche Reiz des Spiels liegt aber in den Missionen, in denen ich die Story des ersten Patenfilms nachspiele. Da ich im Film natürlich leider nicht vorkam, galt es für die Hersteller einen Weg zu finden, die Filmstory unverändert zu lassen, mir aber Aufgaben zukommen zu lassen, die in der Story verwurzelt sind. So tauche ich im Spiel mehrfach als im Film unerwähnter Handlanger der Corleone Familie auf.

Missionen erhalte ich, indem ich mit diversen (zumeist im Film auch vorhandenen) Personen rede, diese schicken mich dann zu den entsprechenden Orten. Nach dem ganzen Training und den Grundlagen darf ich dann endlich die erste “richtige” Mission spielen: Luca Brasi nimmt mich mit auf seinen Weg zu Solozzo. Ich als storyfester Patefan weiß schon, dass dies Lucas letzter Auftritt sein wird und bin entsprechend gespannt, wie ich den Solozzo Schergen entkommen werde, doch es kommt ganz anders.

Luca lässt mich wohlweißlich draußen vor einem Fenster das Treffen beobachten und ich sehe mir den unausweichlichen computeranimierten Filmclip an: Luca Brasi wird vor meinen Augen ermordet. Dummerweise werde ich beim Zusehen auch noch erwischt. Nun heißt es das Gelernte (vor allem das Schießen) sinnvoll einzusetzen und sämtliche Schergen umzubringen.

Das gewöhnungsbedürftige Auto-Aim macht mir hier anfangs noch einige Striche durch die Rechnung (Nein, ich will nicht auf den zielen, der hinter der Kiste sitzt, sondern auf den, der gerade auf mich zu rennt!), aber auch daran gewöhne ich mich. Nach sauberer Erledigung auch der letzten Gegner heißt es schnell ins Auto und heim ins Safehouse fahren. Hier ist der einzige Ort zum speichern, wobei im Todesfall bei Missionen zum letzten Checkpunkt gesprungen werden kann.

Die Fahrt im Auto dorthin wird aber interessanter als erwartet, die Polizei ? wenig erfreut über meine Selbstjustiz ? verfolgt mich mit zwei bis drei Wagen und versucht mich durch Rammen aufzuhalten. Hierbei fällt schnell auf, dass auch die Steuerung der Autos sehr gewöhnungsbedürftig ist und leider mit den physikalischen Bewegungen von echten Autos teilweise nur wenig gemein hat.



Meine eingeübten Need for Speed und GTA-Moves müssen wohl ausfallen, denn das Auto reagiert sehr eigenwillig. Überhaupt scheinen die Entwickler des Spiels wenig in die Erscheinung der Autos gesteckt zu haben, denn mit gerade mal fünfverschiedenen Autotypen (hierbei zähle ich schon die zwei LKW Typen dazu) bleibt es weit hinter der Konkurrenz (Mafia, GTA) zurück. Noch auffälliger wird das ganze durch scheinbar endlose Verbindungsstrecken zwischen den einzelnen New Yorker Stadtteilen. Den Zweck dieser übertrieben langen Verbindungen kann ich mir nur durch den Versuch, die Karte möglichst groß erscheinen zu lassen, erklären. Aber spätestens wenn ich einmal von einem Eck in das andere fahren muss, ist Schluss mit jeglicher Nachsicht im Punkto Kartengröße. Einzig die passende Musik beim Autofahren tröstet über lange Fahrzeiten hinweg.

Zum Glück geht jede Fahrt einmal zu Ende und nachdem die netten Herren der Polizei alles außer mich gerammt haben, kann ich entspannt in mein Safehouse. Hier gibt es erstmal einen Schluck aus der X-Flasche (Alkohol ist also doch gesund?) und schon ist mein Gesundheitszustand wieder im grünen Bereich. Kaum gespeichert klingelt schon das Telefon und meine nächste Mission wartet. Bevor ich mich aber mit Monk treffe, muss ich noch eben ein bisschen Munition und eventuell neue Waffe vom Schwarzmarkt holen. Die Kollegen in den Hinterhöfen verkaufen nicht nur Dynamit sondern für das entsprechende Kleingeld ist auch mal eine upgegradete (verschnörkelt und schlagkräftiger) Pistole drin.



Dafür habe ich natürlich noch zu wenig Geld, also nur Munition und los geht’s zum Friseur nebenan, den ich erst vorher von den Vorteilen der Familie Corleone überzeugt habe. Hier erzähle ich erstmal Monk vom tragischen Ableben von Luca Brasi, während vor dem Geschäft Don Corleone gerade Früchte einkauft. Bei eingefleischten Pate-Fans klingelt es hier genauso wie bei mir: So fit wird der gute Don gleich nicht mehr sein?. Und schon ist es passiert - Aus dem Nichts tauchen zwei bewaffnete Handlanger auf und verballern ihre Munition auf den armen Don, der zusammensackt. Seinem Sohn Freddie - gewohnt Schusssicher ? fällt erst einmal seine Pistole zu Boden und schon darf ich in das Spielgeschehen eingreifen.

Ich zücke meine Pistole und höre noch Monk hinterher rufen, dass seine Schwester noch draußen ist und ich sie retten soll (scheint als ob auch ein Pate PC-Spiel nicht ohne Liebesgeschichte auskommt). Nach kurzem Aufräumen meinerseits ist die Dame gerettet und ich darf Freddie helfen den Don ins Krankenhaus zu fahren, bevor dieser stirbt. Nachdem mich auf dem Weg dorthin alles verfolgt und auf das Auto schießt, was ein Gaspedal oder eine Waffe hat, bin ich doch sehr zufrieden mit mir und das scheint auch die Familie Corleone so zu sehen und “befördert” mich vom Outsider zum Associate, was mir mehr Geld und mehr Respekt auf der Strasse einbringt.

Wie gesehen basiert das Spiel nur auf dem 1. Teil der Pate Trilogie, somit ist auch die Ernennung von Michael Corleone zum Don das eigentliche Ende des Spiels. Ab hier geht es nur noch darum die gegnerischen Familienvillen in die Luft zu jagen, um selbst Don zu werden und danach um die “Weltherrschaft”, das heißt alle Geschäfte einzunehmen und somit Don von New York zu werden.

Insgesamt überzeugt das Spiel durch die Stimmung, die es verbreitet und trifft im Zuge der Erfolgsgeschichten von GTA sicher den Nerv der Käufer. Die Story bringt größtenteils nichts Neues ? ein paar Missionen außerhalb der Filmgeschichte, sowie die "Killmissionen" ? aber was will man auch bei einem Klassiker, wie dem Paten an der Story ändern? Schließlich ist der Pate ja Anreiz und Programm. Einziges Manko ist, wie erwähnt die Umsetzung der Autos und die langen Fahrstrecken.

Alles in allem für einen Patefan, der vielleicht sogar noch gerne GTA oder Mafia gespielt hat, ist dieses Spiel ein Muss.



Mehr dazu:


  • Releasedate: 23. März 2006
  • Genre: Action/Adventure
  • Studio: EA Redwood Shores
  • Unrealistische Systemanforderungen vom Hersteller: mind. Pentium III 1,2 Ghz, DirectX 9.0c-kompatibel, Betriebssystem: Windows 2000/XP, RAM: mind. 256 MB, HD-Platz: mind. 4500 MB, Grafikkarte: mind. 16 MB Mit MB RAM, Soundkarte: DirectX 9.0c-kompatibel
    --> Empfehlendswert: 2,5 Ghz, 1024 MB RAM und gute Grafikkarte
  • Altersfreigabe: Freigegeben ab 18 Jahren