Amtsgericht Freiburg

Illegaler Böller kostet Rheinfelder St.-Pauli-Fan 2700 Euro

Peter Sliwka

Ein St.-Pauli-Fan aus Rheinfelden nimmt einen illegalen Böller mit ins SC-Stadion. Das Amtsgericht Freiburg hat ihn dafür verurteilt. Ob es zu einem Stadionverbot kommt, ist noch offen.

Um Haaresbreite ist ein Rheinfelder Fußballanhänger des Fußballzweitligisten St. Pauli am Mittwoch einem sechsmonatigen Stadionverbot für Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga und des DFB-Pokals entgangen. Der junge Mann hatte mit seinem Verteidiger Patrick Steiger Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt, in dem er zunächst wegen des unerlaubten Besitzes eines illegalen Polenböllers nach einem Fußballspiel in Freiburg zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einem halbjährigen Stadionverbot verurteilt worden war.


Illegalen Böller in der Tasche

Mit einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten wäre der bislang nicht vorbestrafte Rheinfelder rechtlich vorbestraft gewesen. Deshalb hatte er gegen den vom Amtsgericht Freiburg erlassen Strafbefehl Einspruch eingelegt. An der Tatsache, dass er nach dem Zweitligaspiel des SC-Freiburg gegen St. Pauli am 10. April 2016 in Freiburg einen in Deutschland nicht zugelassenen Böller in der Tasche hatte, war nicht zu rütteln.

Deshalb beschränkte er zu Beginn der Verhandlung seinen Einspruch auf die Rechtsfolgen und hatte damit Erfolg. Denn am Ende verhängte Strafrichterin Lempfert wegen des erwiesenen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30. Das Gesetz sieht Strafen bis zu drei Jahren vor.

Geldstrafe in der Schweiz

Das Problem war, dass der St.-Pauli-Fan bereits 2015 bei der Einreise in die Schweiz kontrolliert und in seinem Auto nicht nur Pfefferspray, sondern auch drei illegale Knallkörper entdeckt worden waren. Die Schweizer verhängten eine Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 30 Schweizer Franken, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Zahlen musste der Angeklagte eine Geldbuße von 400 Franken.

War das nun eine einschlägige Vorstrafe, wie es Staatsanwalt Florian Rink wertete? Der Angeklagte erklärte, dass Freunde diese Böller tags zuvor im Kofferraum seines Autos versteckt haben mussten. Er hätte davon nichts gewusst. Kontrolliert worden sei er bei der Einreise in Basel, als er seinen Neffen besuchen wollte.

Wer hatte die Böller gezündet?

Diese Angaben konnten dem 29-Jährigen jetzt nicht widerlegt werden, auch wenn das Schweizer Urteil rechtskräftig ist. Der Staatsanwalt reduzierte zu Gunsten des Angeklagten die im Strafbefehl verhängten sechs Monate auf drei Monate mit Bewährung. Allerdings mit der Auflage eines sechsmonatigen Stadionverbots.

Verteidiger Steiger hingegen hielt eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 30 Euro für angemessen, da sein Mandant im Gegensatz zu anderen St.-Pauli-Fans in Freiburg seinen Böller nicht gezündet hatte. Damals waren zwei Böller gezündet und nach dem Spiel vor dem Stadion unter SC-Freiburg Fans geworfen worden. Ein Fan erlitt ein Knalltrauma. Wer diese beiden Böller geworfen hatte, konnte nicht ermittelt werden.

Ermahnende Worte der Richterin

Strafrichterin Lempfert hat sich in ihrem Urteil dem Strafvorschlag des Verteidigers angeschlossen. Sie erinnerte den Fußballfan ausdrücklich daran, dass illegale Böller sehr gefährlich seien. Da er in Deutschland nicht vorbestraft sei, habe sie keine dreimonatige Bewährungsstrafe verhängen wollen, sondern die mildere Form einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen gewählt. Sollte der Angeklagte allerdings noch einmal mit illegalen Böllern erwischt werden, werde dies dann mit einer Haftstrafe zu ahnden sein.

Offen ist derzeit, ob der SC-Freiburg ein zivilrechtliches Stadionverbot gegen den Rheinfelder aussprechen wird. Die Androhung mit der Aufforderung zur Stellungnahme hat er dem 29-Jährigen bereits geschickt.

Mehr zum Thema: