Ignite im Crash: coitus interruptus

David Weigend

Von Hundert auf Null, so könnte man die Situation beschreiben, die gestern um 23.45 Uhr im Crash über die Bühne gegangen ist. Mitten ins Fortissimo der Hardcoreband Ignite platzte ein Stromausfall. Nichts ging mehr. Alles weitere hier.



Ignite sind in der Freiburger Bahnhofsgegend keine Unbekannten. Die fünf kalifornischen Dezibelknacker gastierten bereits 1994 im Crash, damals mit den Punkbrüdern Slapshot. Diesmal reisen sie mit doppeltem Support an, in Form von Death By Stereo und BurnThe8Track. Aber kommen wir gleich in medias res.




Ignite treten um 23.10 Uhr auf die Bühne und machen unmissverständlich klar, dass sie immer noch zu den besseren Vertretern für Hardcorepunk-Staubsauger gehören. Ihre Vorstellung erfolgt höflich, aber bestimmt. Im Aggropegel siedeln sie sich mittig an, zwischen dem aufgerissenen Schorf von Madball und dem fröhlichen Singalong-Punk der neueren Pennywise.



Mit "Call on my Brothers" liefert man gleich zu Beginn einen der hitzigeren Schlachtrufe aus Orange County. Schlagzeuger Craig Anderson spielt sein Instrument wie ne Achtzigerle, die auf 160 frisiert wurde und mit Vollgas über den Schwabentorring brettert. Crowdsurfer boxen selbst noch auf der Welle der tragenden Hände wild in der Luft herum.

Dazu Ansagen von Sänger Zoli Teglas über den Amokläufer von Virginia ("totally nuts") sowie Angebote, betrunkene Fans eigenhändig heim zu fahren. Man braucht Muckis, um im Moshpit nicht umgefegt zu werden.



Um 23.45 Uhr dann das Highspeed-Cover von U2's "Sunday Bloody Sunday", wie man es auch auf dem aktuellen Longplayer "Our Darkest Days" wieder findet. Mitten im deftig geshouteten Refrain "To-Niiiiiiiight...." gehen die Lichter aus.

Mucke weg, Stromausfall. Nichts geht mehr. Der Mann mit dem eleganten Schnauz am Mischpult reagiert lässig, leckt sich erstmal nen Longpape. Die Band verteilt Wasser in den vorderen Reihen. So far, so good.



Nach gut zehn Minuten ist der Saft wieder da. Erleichterung, man freut sich auf einen feinen Nachschlag mit alten Gassenhauern. Dann aber die Enttäuschung. Ignite knallen zwei Songs runter und das wars. Keine Zugabe, nichts. Spielzeit 50 Minuten, Minus Stromausfall knapp vierzig. Eindeutig zu wenig, schwache Einstellung. Schade.

Die Fans verlassen den Club mit der ihnen eigenen Körperbewegung: Nacken lockern, Schulter einrenken.