If I die: Wenn du stirbst veröffentlicht diese Facebook-App deine letzten Worte

Martin Jost

Der Tod ist traditionell ein kompliziertes Thema. Endgültig durcheinander kommt alles durch unser zweites Leben in der digitalen Sphäre. Wenn unser Herz aufhört zu schlagen, wird unser Facebook-Profil noch lange nicht kalt. Dem eigenen Ende einen runden Abschluss geben, und zwar im Voraus, das verspricht die Facebook-App "If I Die" – letzte Worte für den großen Logout:



Wenn wir sterben, leben wir im Internet erst mal weiter. Jedenfalls bleiben wir auf unseren Profilen in sozialen Netzwerken scheinbar fröhlich und erreichbar. Es ist Sache der Angehörigen, gegebenenfalls die Facebook-Pinnwand in eine Klagemauer umzuwandeln. Aber wir selbst können uns nicht mehr äußern. Außer, wir haben vorgesorgt.


„If I Die“ ist eine Facebook-App, bei der man eine Videobotschaft hinterlegen kann, die erst nach dem Tod auf Facebook veröffentlicht wird. Dafür müssen mindestens drei vom Nutzer bestimmte Treuhänder („Trustees“) bestätigen, dass er tot ist.

if i die - facebook app - your message after you die Quelle: YouTube


Das Promotion-Video von „If I Die“ schlägt einen lieben Abschiedsgruß vor oder dass man seinen Lieblingswitz erzählt oder ein lange gehütetes Geheimnis lüftet. Oder dass man eine alte Rechnung begleicht (Animation: Stinkefinger). Oder man soll seinen Zuschauern einen wertvollen Rat erteilen (Animation: eine Flasche Sonnenmilch).

Der Look des Todes ist für die Macher von „If I Die“ – eine israelische Firma namens Willook – eher bunt. Kein Trauerrand, sondern Comic-Animationen und dudelige Glitzermusik. Ob das Ganze ein Scherz sei? „Wenn der Tod für dich ein Witz ist, dann ja“, heißt es auf Englisch in den FAQ. „Aber die Angelegenheit könnte nicht ernster sein. Wir benutzen Humor, weil wir wissen, wie schwer es sein kann, über seinen eigenen Tod zu sprechen.“

Warten auf den ersten toten User

Neben einer öffentlichen Videobotschaft erlaubt „If I Die“ inzwischen auch private Video-Nachrichten, die jeweils nur an einen Facebookfreund zugestellt werden. Eine solche persönliche Nachricht ist im Einführungsangebot gratis. Fünf Stück zu je 30 Minuten kosten 20 Dollar („Premium“), unbegrenzt viele private Nachrichten und die Überprüfung der echten Sterbedokumente gibt es im „Eternal“-Paket für 99 Dollar.

Der ursprüngliche Gedanke hinter „If I Die“ waren aber nicht die lieben Worte für Partner und Familie, sondern die große „Ich bin tot“-Videobotschaft, die öffentlich auf dem Facebook-Profil angezeigt wird. Sind die Zielgruppe der App demnach klemmige Aufschieber, die ihr Leben lang niemandem ins Gesicht sagen, was sie denken, sowie Rampensäue mit Profilneurose?



An letztere richtet sich der „If I Die“-Wettbewerb mit dem Motto „If I Die First“. Der Gewinner – das ist der Nutzer der App, der sich registriert und das Vergnügen hat, als erster zu verscheiden – gewinnt, dass seine letzte Videobotschaft weltweit verbreitet wird. Endlich berühmt! „If I Die“ verspricht, das Siegervideo in seiner Werbekampagne auf mashable.com und „in vielen TV-Networks“ zu verbreiten. Mehr als 106.000 Bewerber gibt es laut der App schon. Bei einer Viertelmillion verblichenen Facebooknutzern pro Monat (so zählen es die kleinen Grabsteine in der App; mutmaßlich sind das in den Gedenkstatus versetzte Profile) schätzt „If I Die“, dass der Gewinner in gut vier Monaten feststeht.

Es empfiehlt sich, dieses eine Mal im Leben die AGB durchzulesen. Abgesehen davon, dass sich Willook das Recht vorbehält, die letzte Botschaft des Siegers mit beliebiger Musik zu unterlegen, disqualifiziert sich, wer aus Ruhmsucht mit Absicht stirbt.

Wir müssen alle irgendwann offline gehen

Hast du dir schon Gedanken gemacht, was mit deiner Timeline passieren soll, wenn du von uns gehst? Wir werden wahrscheinlich nicht auf „If I Die“ setzen. Erstens haben wir vor, überhaupt nicht zu sterben (wir sind einfach nicht der endgültige Typ). Da kommt uns die Namensgebung der App schon sehr entgegen: „If“ – also „falls“ versus „wenn“. Und zweitens sind wir einfach nicht so ein Großmaul.

Wir könnten uns trotzdem vorstellen, Nutzer von „If I Die“ zu werden, und zwar als Treuhänder. Was für eine optimistische Aussicht, alle anderen zu überleben! Und was für eine Ehre, wenn uns jemand zum Vollstrecker seines letzten Willens machen würde. Deine Anfrage richtest du bitte vertrauensvoll an fudder-Autor Martin Jost auf Facebook.

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