"Idiotismus? Nein danke!" - Antwort eines Lesers auf den Aufkleber der Jungen Grünen

Sven Bauer

"Patriotismus? Nein Danke!" sagten die Jungen Grünen im fudder-Interview. Sven Bauer hat das gelesen und einen Gegentext geschrieben. Seine Botschaft: "Idiotismus? Nein Danke!". Und: Wir können ruhig stolz auf Deutschland sein.



Der folgende Text ist eine Antwort auf das Interview "Patriotimus? Nein danke! - Warum die Jungen Grünen keinen Bock auf Deutschlandfahnen haben", das fudder-Redakteur Marius Buhl mit dem Sprecher der Jungen Grünen Deutschland, Felix Banaszak, führte.


„Patriotismus? Nein Danke!“ lautet die Botschaft auf dem Sticker, mit dem die „Jungen Grünen“ gegen den Wahn der schwarz-rot-gold gekleideten Fans des deutschen Fußball-Nationalteams vorgehen.
Erschüttert ob meiner selbst, der ich bisher bei allen Fußballspielen des DFB-Teams seit 1972 der deutschen Mannschaft die Daumen gedrückt habe, bin ich dankbar, dass ich von den „Jungen Grünen“ auf die in mir offensichtlich verblasste Erinnerung an die ewige deutsche Schuld aufmerksam gemacht wurde.

Nein! Man kann wirklich nicht stolz darauf sein, in einem Land zu leben, in dem seit nunmehr 65 Jahren ein stabiles und vergleichsweise ehrliches demokratisches System herrscht, in dem so schreckliche Erfindungen wie zum Beispiel das Faxgerät, der Scanner, das MP3 Format oder gar mikroprozessorgesteuerte Knieprothesen gemacht wurden. Diese Schande kann auch durch solch bahnbrechend weltverbessernde Maßnahmen wie Dosenpfand, Feinstaubplakette und das „Erneuerbare Energien Gesetz“ unmöglich ausgeglichen werden.

Voller Scham beschließe ich, die restlichen Spiele der WM politisch korrekt und neutral zu beobachten und beginne voller Elan mit der Kleidungsauswahl für das „Public Viewing“. Zunächst wähle ich das neutrale Weiß. Doch halt! War das nicht die Farbe der deutschen Kaiserfahne? Erschreckt gleitet mir das Hemd aus den Händen.

Was nun? Die anderen Farben sind den Trikotfarben anderer Teams vorbehalten. Gelb für Brasilien, Rot für Belgien, Blau für Frankreich, Grün für Algerien. Letztere sind zwar schon ausgeschieden, aber gegen Deutschland. Das wäre sicher politisch unkorrekt.

Also bleibe ich am besten zu Hause, setze mich unbekleidet vor der Fernseher, schalte den neutralen eidgenössischen Kommentar ein und mische mir ein politisch korrektes Getränk, das je zur Hälfte aus deutschem und brasilianischem Tafelwasser besteht.

Während ich nun meiner deutschen Geburtssünde hadernd nach dem politisch korrekten Trinkbecher von den letzten Schweizer Highland Games suche, wird mir das Ganze aber schließlich doch zu bunt.

Ich ändere den Aufdruck des Stickers mental in „Idiotismus? Nein Danke!“, gedenke kurz in Wehmut den „Alten Grünen“ mit denen ich dereinst bei Wyhl im Wald saß und was aus eigentlich guten Wurzeln doch so alles sprießen kann,  fahre mit meinem politisch unkorrekten Fahrrad (gelber Rahmen, schwarze Reifen und rotes Rücklicht) zum „Public  Viewing“ und schreie ganz laut: „Deutschland, Deutschland!“

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