Idee und Wirklichkeit: So war's beim Macherthon im Grünhof

Konstantin Görlich

Knapp 40 junge Menschen haben am vergangenen Wochenende im Grünhof konzeptet, gebastelt und gehandwerkt. Zusammengefunden hatten sie sich zum Macherthon, einem 42-Stunden langen DIY-Event, bei dem sich Teams mit unterschiedlichen Fähigkeiten bilden, um lang gehegte Ideen zu verwirklich, für die sonst irgendwie nie Zeit oder Ressourcen da waren. Wie's war:



42 Stunden lang mit Menschen, die man vorher nicht kennt, Ideen verwirklichen, die man bisher nie hingekreigt hat - das klingt chaotisch. War es auch - zumindest in der Teamfindungsphase nach der Ideenvorstellung am Freitag. Das war allerdings auch Absicht. Es stellte sich sofort heraus: Die spätere Teamgröße und -vielfalt hatte rein gar nichts mit der ursprünglichen Applausintensität bei der Vorstellung der Idee zu tun.


Die meisten Teilnehmer wollten mal was anderes tun, als Dinge, die man für gewöhnlich an einem Schreibtisch und mit einer Tastatur erledigt. So war dann auch die Kreissäge eines der beliebtesten der unzähligen Geräte, die zur Verfügung gestellt wurden. Die Emsigkeit, mit der gewerkelt wurde, läßt sich auch daran ablesen, wie wenig Verkehr auf der Twitterwall zu lesen war: es kamen insgesamt nur rund zwei Dutzend #Macherthon-Tweets zusammen.

Was wurde gemacht?

Alles. Vieles. Buntes. Großes. Nützliches. Kleines. Leuchtendes. Lautes. Gemütliches. Schönes.

Das OpenSource-Hardwareprojekt „CrowdRadio“ stellte am Sonntag einen funktionierenden Prototypen ihres Musikplayers auf die Bühne, der mit einem Minicomputer RaspberryPi ganz auf freie Hard- und Software setzt. Daneben lud ein überaus gemütlicher Sessel aus Stapelpaletten zum verweilen ein.

Was zunächst nach einem Kunstwerk aus Klebeband aussah entpuppte sich als tragbares Fließwasserkraftwerk für Outdoorzwecke. Ein breites Spektrum? Allerdings, und jetzt könnte man noch die Kunst- und Schmuckstücke erwähnen, die gestaltet wurden, den stilvollen Kronleuchter aus Altglas, die durch ihre Einfachheit wunderschöne selbstleuchtende Glühbirne, die neuen Spiele, die entwickelt und ausprobiert wurden, und und und.

Die Magie des Wochenendes zeigte sich aber nicht nur in den verwirklichten Ideen, sondern vor allem in der Teamdynamik und -geschwindigkeit. Beispiel gefällig? Nach dem ersten Test eines Detektivspiels für 12 Personen, das im Dunkeln gespielt wird, stellte das Team fest: Das ist gar nicht so einfach zu erklären, wir brauchen eine Anleitung. Einer der Teilnehmer: „Schreib ich euch.“ – und fertig.

Ein anderes Spiel, das allerdings keine große Einleitung benötigt, ist „Flowball“, dessen Geheimnis darin liegt, den leuchtenden Ball nicht zu stoppen, sondern in einer stets fließenden Bewegung zu spielen. Genau genommen muß man es einfach sehen.



Ganz genau genommen muß man es selbst spielen: Immer Freitags um 18 Uhr im Stadtgarten.



Sich einfach ergänzen mit Fertigkeiten, die nicht jeder hat, und auf das zu vertrauen, was man kann, das ist die Erkenntnis, die alle mitgenommen haben dürften. Zusammen mit beeindruckenden Beobachtungen. Ebenso belagert wie der Holzbearbeitungsbereich waren nämlich die 3D-Drucker von Solify aus Umkirch.

Es ist eine befreiende Erfahrung, selbst ein druckfertiges 3D-Modell am Computer zu entwerfen und es wenig später im 3D-Drucker entstehen zu sehen und dann in den Händen zu halten. Besonders dann, wenn einem klar wird, dass der die Bauteile des Druckers von einem anderen 3D-Drucker gedruckt wurden.

Und was bringt das jetzt?

Wie es jetzt weitergeht, entscheiden die Teams. Ausgangsmaterial gibt es mit den diversen Prototypen jetzt ja genug. In Impulsvorträgen wurden die Teilnehmer fit(ter) gemacht im Bereich Existenzgründung, denn schließlich ist der Grünhof ja auch ein Raum für Start-Up-Kultur. Ganz zu schweigen von der Facebooknachricht, die die Teilnehmer am Montag wohl am häufigsten lasen: Sie endet mit "...ist jetzt mit Dir befreundet."

Zeitumstellungsbedingt waren es letztendlich dann doch nur 41 Stunden Macherthon anstatt 42. Eine Stunde mehr hätte aber auch nichts daran geändert, daß einzelne Prototypen zum ersten mal in der Abschlußpräsentation eingeschaltet wurden. Kreatives Chaos eben.



Mehr dazu:

  [Bild 1: Daniel Theuerkaufer, Rest: Konstantin Görlich.]