Prozess

"Ich war's": Mordprozess gibt Einblick in Lebenswelt des 25-Jährigen Angeklagten

Frank Zimmermann

Der 25-Jährige, der im August 2016 mutmaßlich seine Mitbewohnerin mit einem Messer tötete, kommentierte seine Tat mit kleinen Zetteln. Am zweiten Verhandlungstag am Dienstag waren die Zettel Thema der Beweisaufnahme.

Zwei handschriftliche Notizen hatte Markus E.* auf seinem Schreibtisch im Zimmer in der Dreier-WG in der Lehener Bundschuhstraße hinterlassen, als die Polizei ihn am Abend des 10. August 2016 an der Wohnungstür festnahm. "Ich bin ein wirklich schlechter Mörder", stand auf dem einen Zettel. Und auf dem anderen: "Der Gürtel war nicht zum Erhängen geeignet." Am gestrigen zweiten Verhandlungstag am Landgericht waren die Zettel Thema der Beweisaufnahme. Der 25 Jahre alte E. ist angeklagt, seine Mitbewohnerin Susanne T.* ermordet zu haben. Dass er der Täter ist, daran ließ er nie einen Zweifel.


Aber was meinte der Englisch- und Philosophiestudent mit diesen Aussagen auf Zetteln? Steckte im "schlechten Mörder" Reue? Er habe damit gemeint, dass er sein Opfer nicht gleich nach dem ersten Stich in den Hals habe töten können, sagte er einem Ermittler. Minutenlang habe er neben ihr ausgeharrt in der Erwartung, dass sie "ausblute".

Der Student versuchte drei Mal sich umzubringen

Dann flüchtete sie. E. folgte ihr – und erstach sie im Treppenhaus, "weil die Wut noch da war".

Anschließend zog er sich in die Wohngemeinschaft zurück und versuchte nach eigener Aussage innerhalb kurzer Zeit drei Mal, sich umzubringen – unter anderem habe er sich mit einem Gürtel erhängen wollen. Doch der riss. Als die Polizei bei ihm klingelte und klopfte, machte er auf und ließ sich widerstandslos festnehmen mit den Worten "Ich war’s".

E. war für die Ermittler ein Rätsel. Er habe von seiner Tat wie von einem Klassenausflug erzählt – "ohne Regung, ohne Emotionen, unbeeindruckt", sagte ein Kommissar im Zeugenstand. Und ein junger Polizeiobermeister bestätigte, dass E. bei der Verhaftung weder wütend noch weinerlich gewesen sei, sondern "sehr ruhig, fast schon entspannt". Er habe distanziert, knapp, kühl, präzise geantwortet, sagte ein anderer Polizist.

Der Angeklagte spielte nächtelang Ballerspiele

Daneben gab es aber auch die hasserfüllte Seite von E., der an Depressionen litt und zeitweise in therapeutischer Behandlung war. Er war voller Hass und Verachtung. Nachts, beim endlosen Egoshooterspielen, schrie er aggressiv: "Ich töte dich." In einem Manifest bezeichnete er sich als Misanthrop. Wer an Gott glaube, gehöre erschossen. Seine Mitbewohnerin beschimpfte und verunglimpfte er, seiner Mutter mailte er, T. sei "widerlich religiös" und ihr Wunsch, Missionarin zu werden, ekelhaft. Er habe das Bedürfnis, sie umzubringen. Die Mutter beschwichtigte, riet, "sachlich und cool" zu bleiben und nahm die Hasstiraden nicht allzu ernst. Missionare leisteten viel Gutes, entgegnete sie: "Vielleicht erweist sie sich als angenehme Mitbewohnerin und sympathischer Mensch."



T. konnte wegen der PC-Ballerspiele nebenan nachts nicht schlafen; aus Angst schloss sie sich ein, wie sie einem syrischen Freund schilderte. Der berichtete dem Gericht, wie E. ihr schon am Tag ihres Einzugs wegen ihres christlichen Glaubens sagte: "Ich hasse dich." Er habe ihr deshalb mehrfach geraten auszuziehen, berichtete der 34 Jahre alte Student. T. habe das beherzigen wollen, aber gesagt, dass das angesichts der Wohnungsnot Zeit brauche. "Sie glaubte, dass die Engel Gottes ihr dabei helfen werden."

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