Ich war bei den Horror Nights Traumatica im Europa-Park – und hatte echt Angst

Carla Bihl

Es nebelt und gruselt und erschreckt, wo man hinsieht: Einmal im Jahr veranstaltet der Europa-Park Rust das Grusel-Erlebnis-Event Horror Nights. fudder-Autorin Carla Bihl hat die Traumatica einen Abend besucht – und hatte echt Angst.

Ich spüre den imaginären grünen Glibber meine Schlafzimmerwände noch herunterlaufen, wenn ich an den Abend zurückdenke. Denn: Der Marilyn Manson der Herbstevents hat mal wieder Unterhaltung par excellence betrieben.


Einmal im Jahr verwandelt sich nämlich ein abgesperrter Bereich im Europa-Park Rust in einen wahrgewordenen Albtraum und wird zum Live-Erlebnis-Event. Ich habe einen Abend die Horror Nights Traumatica im Europa-Park besucht und mich auf dem abgedunkelten Parkgelände umgesehen – manchmal habe ich geschrien. Aber von vorne.

Es ist dunkel und kalt

19.30 Uhr. Es wird dunkel in einem der größten Freizeitparks Deutschlands. Ich stehe vor den Toren der Traumatica 2018. Der Platz ist mit Horrorfans und Unterhaltungslustigen gefüllt. Und als könnten die Europa-Park-Betreiber selbst das planen, ist es dunkel und kalt. Passt also perfekt zur Grundstimmung des Mottos.

Auf einem hohen Bogen erscheinen vier Gruselgestalten mit Feuerwerfern und eröffnen damit die Traumatica 2018. So schlimm wird's schon nicht werden, denke ich mir – ich, als bekennender Horrorfilmjunkie und Crime-Serien-Liebhaber.

Ein Kilo Kunsthaar und 95 Liter Filmblut

2007 gab's im Europa-Park zum ersten Mal die Horror Nights – damals noch unter der Leitung von Sänger Marc Terenzi.

Seither ist einiges passiert: Auf einer Fläche von beinahe 25.000 Quadratmetern geben 270 Akteure dem Wort Horrorjob eine neue Bedeutung.

Dazu gehören: Sieben Make-up Artists, insgesamt 1386 Stunden Maske, über 38 Kilo Schminke, 95 Liter Filmblut, 42 Liter Latex, 70 Silikonapplikationen, 32 Ganzkörperkreatur-Kostüme, ungefähr 480 Latex-Teile, 1 Kilo Kunsthaar und 15 Liter Spezialkleber – Wow!

Der Biker mag Pünktchen

Es ist mittlerweile so düster geworden, dass ich nicht mal mehr den Kram in meiner Tasche finde. Ist es neblig oder bilde ich mir das nur ein?

Vor mir baut sich ein stämmiger Typ mit langen zottligen Haaren auf. Sein Gesicht ist weiß, mit komischen ungesunden Flecken auf der Haut. Sein Bart ist ungepflegt, die Jeanskleidung verschlissen. Den Kopf hat er gesenkt, aber seine Augen starren mich direkt an. Die Schultern bewegt er langsam nach hinten, die Arme hat er zum Angriff bereit. Seine zurückgeschobenen Lippen legen die verfaulten Zähne frei: "Ich mag Pünktchen", sagt er mit irrer Stimme und tosendem Lachen – Ich trage heute einen Pullover mit großen schwarzen Punkten.

Fünf Gruppen kämpfen um die Macht

Wahrscheinlich ist er einer von "The Pack". Die Traumatica ist als Geschichte aufgebaut. Nach einer Apokalypse hat das Böse die Macht an sich gerissen und verbreitet Angst und Schrecken.

Deshalb kämpfen fünf rivalisierende Gruppen – eine davon ist "The Pack", eine skrupellose und wilde Bikergang – gegeneinander. Außerdem gibt's noch "The Fallen", also die Verrückten, die "Ghouls", die abscheulichen Geschöpfe aus dem Untergrund, die "Resistance", also die Cyborgs und Kampfmonster und die "Shadows", die Schattengestalten.

Ein Mann knutscht mit einem Schwein

Auf dem Gelände gibt es insgesamt fünf Häuser. Als erstes traue ich mich zu The Fallen. Das Gebäude der Gefallenen ist ein heruntergekommenes Haus. Ihr Verstand arbeitet nicht mehr richtig. Sie leben in der Dunkelheit und ernähren sich von Ungeziefer und Ratten.

Auf geht's für mich durch zwölf thematisierte Räume. Immer, wenn ich einen anderen Raum betrete, muss ich erst durch einen aus schwarzer Folie trennenden Vorhang hindurch. Ich weiß also nicht, was mich im nächsten Zimmer erwartet. Obligatorisch zucke ich beim Betreten in einen neuen Raum jedes Mal zusammen. Ich laufe an einem Stuhl mit einem Haufen buntem Plüsch und Teddybären vorbei. Aber der Berg ist eine irre Person und steht auf. Ich schreie auf, fahre zusammen – und frage mich, wie die Leute vor mir so cool bleiben können.

Weiter geht's nach draußen. Ein Kinderbett steht herum. Aus dem Sandkasten ragt eine Hand. Eine kaputte Puppe liegt auf dem Boden. Eine verstörte Frau mit langen dunklen Haaren und Baby auf dem Arm läuft herum. Also schnell wieder rein.

Ich komme in eine Art Küche. Auf einer Ablagefläche liegt ein abgetrennter Schweinskopf – und ein Mann, der sich über ihn beugt und mit ihm rumknutscht. Als ich und meine Gruppe stehen bleiben, schaut er auf, und rennt mit ganz kleinen Schritten und mit komischen Zuckungen auf einen Mann los.

Humpelnde Männchen im Quarantäne-Anzug

Als ich nach draußen komme, läuft mir der Biker von vorhin wieder über den Weg: "Da ist Pünktchen, halloooo Pünktchen" – Und obwohl ich weiß, dass die Schauspieler einen nicht anfassen dürfen, schaue ich, dass ich schnell weg komme.

Als nächstes geht's für mich in die Bunkereinrichtung der Resistance. Darin werden ehemalige Soldaten zu Cyborgs aufgerüstet. Es begegnen mir humpelnde Wesen in Quarantäne-Anzug. Ich komme in Labore mit Leichenteilen. Eine Frau im weißen Kittel schreit uns panisch an: "Lauft weiter, schnell geht weiter." Das tue ich dann auch – und zwar in die Bikerbar.

Die Stripperin peitscht den Biker aus

Für mich geht's jetzt also in das Haus der führenden Gruppierung, der Biker-Gang. In 150 Metern begegnen mir abgeranzte Biker, betrunkene Ekelpakete und ein Typ, der an der Stange tanzt und von einer Stripperin ausgepeitscht wird.

Plötzlich brüllt mich ein bis an die Decke ragender Wolf an und bewegt seine Arme wild umher. Ich drücke mich an die Wand. Und wieder entflieht mir ein Schrei. "Schnell geht weiter, rennt" höre ich nochmals aus einer Ecke. Dann bin ich wieder draußen.

Stuntfrau prügelt sich mit Biker-Proleten

Genug Gänsehautfeeling, denke ich mir. Noch ein letztes Mal bahne ich mir den Weg durch Verrückte, vampirische Schattenmenschen und eklige Biker in Richtung Eis-Arena. "Rebellion" heißt die Show. Es klingt schon fast wie ein Clickbait-Titel auf Youtube: Stuntfrau prügelt sich mit Biker-Proleten – aber hier passiert das wirklich.

Nachdem über eine halbe Stunde, die verschiedenen Gangs zeigen, was sie auf dem Eis drauf haben kommt finally Myra Moon Mistress – verkörpert durch Stuntfrau Miriam Höller. Sie ist sozusagen der Endgegner im ganzen Traumatica-Universum – und hat ein Feuerschwert, mit dem sie die gesamte Existenz auslöschen kann. Im Käfig liefern sich die beiden düsteren Gestalten ein letztes Gefecht.

Heiße Schokolade und Findet Nemo

Nach der Eisshow komme ich wieder ein bisschen klar. Jetzt heißt es für mich erst mal Heiße Schokolade und Findet Nemo! Die Horror Nights werde ich wieder besuchen – aber nächstes Mal mit besseren Nerven.

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Was: Horror Nights Traumatica im Europa-Park

Wann: Noch bis zum 3. November immer freitags und samstags sowie am 2., 14. und 21. Oktober und vom 25. Oktober bis 23. November täglich, ab 19.30 Uhr

Wo: Europa-Park Rust

Tickets: Nur im Vorverkauf. Alle Preise unter www.traumatica.com

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