Ich steh’ dazu: Ich tanze in einer Garde

Leona Strohm

fudder-Mitarbeiterin Leona Strohm war eigentlich nie Fan von Fasching oder Fasnet. Bis sie vor einem halben Jahr in eine Garde eintrat. Heute steht sie dazu, das Tanzmariechen vom Dienst zu sein.

Der Februar neigt sich dem Ende zu und das einzige, was noch auf die Karnevalsumzüge hindeutet, sind die durchweichten Konfettischnipsel in den Bordsteinkanten und die Züge, in denen man wieder einen Sitzplatz findet. Die Zeit ist vorbei, in denen Menschen in Ganzkörperkostümen durch die Gegend laufen oder sich Jugendliche in den Rottönen ihres Lippenstiftes überbieten wollen.


Ich begegne dem Ende der Fasnet mit einem weinenden und lachenden Auge – denn eigentlich bin ich kein Fasnetfan, laufe aber trotzdem bei vielen Umzügen mit. Denn ich bin Mitglied der Herbolzheimer Tanzgarde. Ja genau: Ich tanze in einer Garde – und ich stehe dazu. Aber was ist Gardetanzen eigentlich genau?

Das Tanzmariechen vom Dienst

Es gibt nur wenig Leute, die mit diesem Begriff etwas anfangen können. Dabei ist es ganz einfach: Die Hände in die Seite und beim Springen das Bein nach oben. Ich bin sozusagen das Tanzmariechen vom Dienst. Das Gardetanzen ist auf die Girltruppen der Revuetheater der 1920er und 1930er Jahre zurückzuführen, später haben Karnevalvereine und Fasnetzünfte die Idee aufgegriffen.

19 Jahre lang habe ich es erfolgreich geschafft, meine Augen vor der Narrenzeit zu verschließen. Doch dann kam das Gardetanzen. Der Reiz besteht für mich im Tanz, im Outfit und in der Besonderheit. Schließlich ist diese Sportart nicht alltäglich und schafft damit etwas Einzigartiges, das man mit der ganzen Trainingsgruppe teilen kann. Besonders meine Freunde und Familie sind verwundert, dass ich seit September in einer Tanzgarde mittanze, deren Hauptaufgabe darin besteht, genau in der Fasnetzeit Präsenz zu zeigen.
"Ich kann mich nicht beschweren: Jetzt gehöre ich selbst dazu."

Früher mochte ich Fasnet nicht, heute blicke ich sogar mit einem leichten Ekel auf diese Zeit. Denn letztlich bestehen diese Veranstaltungen doch nur aus einem gemeinsamen legalen Alkoholtrinken, oder? Von außen betrachtet habe ich es zumindest so gesehen und nun bin ich mittendrin. Meine Vorurteile haben sich tatsächlich bestätigt, doch kann ich mich nicht mehr beschweren, wenn ich doch selber zur Karnevalsgesellschaft gehöre.

Nein, ich werde jetzt sogar mit noch mehr Vorurteilen konfrontiert: Grüne Uniform, Diadem auf dem Kopf, dazu weiße Röcke, die kurz über den Knie enden und ebenfalls weiße Stiefel, die das Outfit komplett machen. Wer würde uns da nicht als sexy bezeichnen. Doch muss das sein? Es mag ja anfangs noch fördernd für das Selbstbewusstsein sein, aber je öfter man auf sein Outfit reduziert wird, desto anstrengender wird es.

Fasnet kann auch aufregend sein

Nach gut einem halben Jahr Training bin ich mir sicher, dass ich mich trotz vehementer Fastnachtsablehnung richtig entschieden habe. Wie jede Trainingsmannschaft wächst man zusammen und wenn man an kalten Dezembertagen auf dem Weihnachtsmarkt steht, um die Kostüme finanzieren zu können, dann kann man auch nicht anders.
Letztlich muss ich mir eingestehen, dass die Fastnachtszeit durchaus aufregend sein kann und unglaublich Spaß machen kann, wenn man nicht am Rand des Umzuges steht, sondern selber mitlaufen kann.

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