Ich steh' dazu: Ich stricke Socken

Eva Hartmann

Obwohl Strickcafés auch in Deutschland immer beliebter werden, ist Sockenstricken weitläufig immer noch als Omahobby verpönt. Eva, 27, schreibt im Folgenden, warum ihre Stricksucht so uncool gar nicht sein kann.



Dauerkalte Winterfüße haben mich zu meinem Hobby gebracht. Gekaufte Socken haben bei mir nie so richtig Wärme gegeben – und trotzdem Schweißfüße verursacht. Außerdem fand ich sie meist nicht besonders schön. Die Mutter einer Freundin schenkte mir irgendwann ein Paar handgestrickte Wollsocken, die ich heiß und innig liebte: Sie waren lila, ganz warm und kuschelig. Ich trug sie, bis nur noch löchrige Filzfetzen übrig waren. Welch schmerzhafter Verlust!


Da es in meiner Familie leider keine strickwütige Oma gab, beschloss ich, die Nadeln selbst in die Hand zu nehmen. Grobe Grundkenntnisse hatte ich bereits, aber Sockenstricken kam mir irre kompliziert vor – alleine schon, weil man dazu fünf Nadeln braucht. Mit einer Anleitung aus dem Internet übte ich stundenlang. Für mein erstes Paar brauchte ich ewig. Eine strickerfahrene Freundin wurde per E-Mail mit Fotos über meine Anfängerprobleme informiert und gab Tipps. Mittlerweile stricke ich fast ganz ohne Hinsehen.



Anfangs kam ich mir dabei seltsam vor. Sockenstricken gilt ja als eher uncooles Oma-Hobby. Ich traute mich nicht sofort, in der Bahn oder im Wartezimmer zu stricken. Heute tue ich es fast immer und überall. Meist bunte Socken, weil Sockenwolle oft selbstmusternde Wolle ist: Man strickt einfach und das Muster kommt ganz von selbst. Ich bin längst süchtig.

Manchmal werde ich von jungen Mädchen belächelt oder ältere Damen sprechen mich freundlich-verwundert an. Viele meiner Freunde und Familienmitglieder wünschen sich explizit Wollsocken zu Weihnachten und Geburtstag – so uncool können die also gar nicht sein.

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