Ich steh dazu: Ich mag keine Kinder

Bianca Fritz

Julia*, 24, hegt eine Antipathie gegen Kinder. Und mit Eltern hat sie Mitleid. Warum, erklärt sie im folgenden.

"Wenn bei uns in der Vorlesung ein Kind gezeigt wird, spürt man Muttergefühle überschwappen. ‚Ach wie süß’, seufzen meine Mitstudentinnen. Ich kann das nicht nachvollziehen. So geht es mir nur bei Hunden. Kinder aber sind laut. Besonders die im Zug.


Ich bin lange zwischen Freiburg und Basel gependelt und habe mir einen Schlitzaugen-Drohblick angeeignet. Den wende ich immer an, wenn Schulkinder einsteigen. Die laufen dann schnell weiter. Eltern mit kleinen Kindern aber scheinen dagegen immun. Sie setzen sich neben mich und stören mich beim Lernen. So was ärgert mich. Manchmal tun mir Eltern aber auch leid.

Im Supermarkt zum Beispiel, wenn die Kinder quengeln, weil sie etwas haben möchten. Ich war als Kind genauso. Meine Eltern konnten gar nicht richtig reagieren. Ignorieren, anschreien, nachgeben – alles hatte negative Folgen. Also helfe ich den Eltern mit einem anderen Blick: Ich reiße die Augen weit auf und blicke die Kinder mahnend von oben an. Da kriegen sie Angst vor der großen fremden Frau und sind still. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Schließlich sind Kinder auch gemein. Nirgends wird so viel gemobbt wie in Grundschulen.

Wenn ich im Freundeskreis erzähle, dass ich kein Fan von Kindern bin, begegnen mir entweder erleichterte Gesichter von Menschen, denen es ähnlich geht. Oder es tritt peinlich berührtes Schweigen ein. Auch der Satz ‚Das kommt noch!’ fällt oft. Ehrlich gesagt, hoffe ich das. Denn irgendwann will auch ich Kinder bekommen. Schließlich muss doch was dran sein am großen Gefühl. Ich habe Angst, das zu verpassen. Und schade um meine Gene wäre es auch."

*Name von der Redaktion geändert