Ich steh’ dazu: Ich mache ein Ehrenamt

Martin Jost

Ann-Christin ist 23 und für Menschen da, deren Leben gerade aus den Fugen geraten ist. Für ohne Geld. Warum macht man denn sowas?



"Mein Haupt-Ehrenamt ist zur Zeit der Notfallnachsorgedienst (NND) im Roten Kreuz. Gemeinsam mit Kollegen stehe ich Menschen in schwierigen Situationen zur Seite – zum Beispiel, wenn gerade ein Angehöriger verstorben ist und die Hinterbliebenen nicht allein sein wollen. Wir hören zu und nehmen Anteil, aber wir können nur kurzfristig nach dem Ereignis eine Lücke füllen.


Ich mache die Arbeit, weil ich meine Ressourcen zur Verfügung stellen möchte. Außerdem macht es Spaß, mich herauszufordern und an Grenzen zu bringen. Ich lerne hinzu. Aber ich suche mir meine Ehrenämter nicht um meinen Lebenslauf zu optimieren, sondern eher haben meine Ehrenämter gesteuert, dass ich mich beruflich in die soziale Arbeit begebe. Ich trete bald eine Stelle als Teenie-Referentin in einer Baptistengemeinde an und mache daneben einen Master namens „Empowerment Studies“.

In meiner Klasse hatte ich den vollsten Terminkalender. Ich habe in meiner Heimatgemeinde Kuhle-Witzhelden die Organisation der Jungschar übernommen und seitdem immer irgendwo Sommerlager, Zeltfreizeiten oder Abenteuerausflüge organisiert. In dieser Funktion habe ich auch das erste Mal den Bedarf für etwas wie den NND erlebt: Bei einem Gruppenfoto auf einem Holzschiff, das wir gebaut hatten, stürzte die Konstruktion zusammen. Das hätte in einer Katastrophe enden können. Ich war selbst betroffen, weil meine Geschwister zu den Leichtverletzten gehörten, ich musste mich aber auch um die Jugendlichen kümmern, die unter Schock standen und gleichzeitig meine Mitarbeiter anleiten. Da hätte ich mir ein externes Team wie den NND gewünscht, der für die Betroffenen da ist."

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  [Protokoll: Martin Jost. Disclosure: fudder-Autor Martin ist Ann-Christins Kollege im Notfallnachsorgedienst.]