Ich steh' dazu: Ich leide an Aufschieberitis

Jovana Milosavljevic

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen? Unsere Autorin ist zwar Meisterin im Anlegen von To-Do-Listen – nur das mit dem Abhaken läuft nicht so. Ein Plädoyer gegen die Trödelsucht.

Die Wäsche ist noch immer in der Trommel, das Geschirr noch immer in der Spüle, und der Schreibtisch ist gefüllt mit Briefen, Zetteln und ganz wichtig: To-Do-Listen. Ich bin Meisterin im Anlegen von To-Do-Listen. Ellenlang und exakt sehen diese bei mir aus. Gäbe es eine Auszeichnung dafür, hätte ich sie ganz bestimmt. Nur das mit dem Abhaken läuft nicht: Die Liste wird einfach nicht kürzer – im Gegenteil.


Der Wille ist da, doch irgendwas drängt sich zwischen meinem Wunsch nach Organisation und Perfektion und der Tatsache, dass ich nun doch innerhalb von einem Tag alle meine Bewerbungen schreiben, Kopien zusammensuchen und Bewerbungsbilder machen muss: Es ist die Aufschieberitis, auch bekannt als "Trödeln" oder "Prokrastinieren". Sorglos sein und sich viel Zeit lassen – und dadurch Zeit vergeuden. Eine tückische Marotte, von der Gesellschaft verachtet und von mir selbst verflucht.

Ich setze Prioritäten – nur leider die falschen

Das Stichwort lautet: Prioritäten setzen. Das kann ich ganz gut, doch leider oft die falschen. Wie: Freunde treffen, Sport machen oder mal früh schlafen zu gehen.




Später Abend, 22 Uhr: Meine Prioritäten habe ich fast erfüllt. Freunde getroffen und Sport getrieben, doch der Schlaf, der kommt jetzt zu kurz – weil Prokrastinieren nur eine bestimmte Zeit lang funktioniert. So lange, bis das Geschirr zum Essen ausgeht, weil es noch in der Spüle liegt, die Socken knapp werden, weil ich nur einen Vorrat von 80 Paar besitze, und bis die Deadline vor der Tür steht. Dann heißt es nämlich: Tschüss Schlaf, hallo Arbeit!

Mal wieder eine Nachtschicht einlegen

So sitze ich hier wieder, übertrage die Aufgaben der einen To-Do-Liste auf die andere. Der Zettel wird schließlich langsam unleserlich, und ich lege Wert auf Ordnung.

Und dennoch hat mich die Liste eingeholt, und ich muss mich ihr stellen. Besser spät als nie. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, man muss nur fest dran glauben. Und dass der Tag nur 24 Stunden hat, tja, dafür kann ich auch nichts. Nachtschicht, olé!