Ich steh' dazu: Ich habe keinen Fernseher

Meike Riebau

In 95% aller Haushalte in Deutschland gibt es mindestens einen Fernseher. Meikes Haushalt gehört nicht dazu. Denn die fudder-Mitarbeiterin hat keinen Ferneher. Und steht dazu.



Als ich fünf war, haben meine Eltern den Fernseher abgeschafft. Ich habe es gehasst und mich dafür geschämt und Wickie, den Wikinger vermisst. Wenn meine Freunde kamen, habe ich mir vorher ganz viele Spiele überlegt, damit sie bloß nicht auf die Idee kamen, gemeinsames Fernsehgucken vorzuschlagen.


Etwa zehn Jahre später haben wir dann doch eine Flimmerkiste gekauft. Zuerst war es großartig, endlich genauso bei den Schulgesprächen über die von Anstettens und Brandners aus den Vorabendserien fachsimpeln zu können wie die anderen. Aber dann kam Big Brother und mit der neuerworbenen Coolness war es wieder vorbei: Kabel hatten wir natürlich nicht.

Später, in der Oberstufe, fing es dann an, dass man erstens weniger Zeit hatte für Fernsehen, es aber irgendwie auch nicht allzu sehr vermisst hat. Und als ich dann auszog zum Studieren, stellte sich die Frage noch nicht einmal mehr, ob ich einen wollte: Er war irgendwie völlig überflüssig geworden in meinem Leben.

Einer meiner Ex-Freunde hatte gerne seine Sonntage in Jogginghose mit Hin- und Herzappen verbracht. Ich merke schnell, dass ich das nicht kann, da bekomme ich irgendwann einen Stubenkoller.

Wenn ich heute nach Hause fahre, fühle ich mich  immer ein bisschen wie ein Kind aus der DDR, das seine  Westverwandten besucht: Bunte, bewegte Bilder!  Völlig wahllos gucke ich dann bis nachts jeden Müll, bis hin zu Sendungen wie „Bahnzeit“ im MDR. Nach zwei Tagen ist mein Fernsehhunger aber gestillt. Dann frage ich meine Eltern: ’Müsst ihr jetzt Fernseh gucken? Wir könnten doch auch was anderes machen!"

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