Ich steh' dazu: Ich habe kein Handy

Joel Montagud

Mehr als 100 Millionen Mobilfunkanschlüsse gibt es in Deutschland bei rund 82 Millionen Deutschen. Statistisch gesehen hat also jeder Bundesbürger, egal ob Baby oder Greis, mindestens ein Handy. fudder-Mitarbeiter Joel hat keines. Und steht dazu.



Es ist ein ständiger Kampf zwischen meinen Eltern, meinen Freunden und mir. Alle wollen, dass ich mir ein Handy zulege. Doch ich bin resistent. Ich bin doch zu Hause erreichbar. Und ehrlich gesagt, gehe ich auch dort nur ans Telefon, wenn ich Lust darauf habe.


Diese Einstellung nervt viele. Meine Freunde schimpfen, dass sie zu Hause anrufen müssen und so die Gefahr eingehen, dass nicht ich, sondern meine Eltern das Telefon abnehmen. Bei meinen Eltern wiederum ist es wohl ein Instinkt, immer wissen zu wollen, wo ihr Sohn gerade ist, und was er macht.

Dass ich kein Handy habe, befreit mich also von dieser Kontrolle und hält mir viele Pflichten vom Hals. Das heißt nicht, dass ich nie ein Handy haben werde, wenn ich in das Berufsleben eintrete, werde ich mir ein Handy zulegen müssen, heutzutage kommt man sonst nicht sehr weit.

Wenn mich jemand nach meiner Handynummer fragt und ich meine Hausnummer geben muss, bekomme ich hin und wieder komische Blicke, denn es ist ja so „uncool“ unter Jugendlichen, kein Handy zu haben. Zumindest bis ich ins Berufsleben eintrete, will ich das noch genießen. Dabei hat die Handylosigkeit durchaus auch Nachteile: Schon oft habe ich spontane Treffen mit Freunden verpasst, da sie mich nicht erreichen konnten. Außerdem muss ich mir immer ein Handy ausleihen, wenn ich unterwegs bin und jemanden anrufen möchte. Andere Sachen sind weniger schwierig als Handynutzer vermuten mögen: Ich habe die Handynummern meiner Freunde alle in ein Adressbuch geschrieben – ein digitales Adressbuch im Handy brauche ich also nicht.



Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum Kinder schon mit zwölf Jahren ein Handy brauchen. Sei drehen ja doch nur im Bus ihre nervigen Klingeltonmusik auf, um zu zeigen wie super-cool sie sind. So wird das Handy zum Statussymbol und es folgen diese dauernden Auseinandersetzungen, wer das tollere Handy hat – das ist mir wirklich zu blöd.

Ich möchte nicht immer und überall erreichbar sein, denn ich schätze meine Freiheit.