Ich steh' dazu: Ich habe einen Putzfimmel

Fabian Vögtle

Aufräumen und das Zimmer schrubben - bis alles glänzt und kein Staubkorn mehr unterwegs ist. Für die meisten ist das eine Qual. Der 21-jährige Fabian Vögtle aus Freiburg hält die Putzerei aber für das reinste Vergnügen.



Seit Kindertagen bin ich ein Ordnungsfanatiker und ein Putzmännlein. Das kommt wohl von meinem Papa, der mich ohne scharfe Strenge, aber durch geschicktes Vorleben dazu gebracht hat, ein sauberer Bub zu sein. Dass mein kleiner Bruder Staubsauger und Putzlappen nur notgedrungen in seine zarten Pianistenhände nimmt, zeigt mir allerdings auch, dass Erziehung nicht alles ist.


„Fabian, wenn du bei dir Zimmer und Bad geputzt hast, kannst du noch unser Treppenhaus fegen“, schallt es aus dem Nachbarhaus herüber. Freunde wie Mitbewohner laden mich zum Zimmer ausmisten ein. Wer mich kennt, der weiß, wie genau ich alles nehme, und wie mich jede Staubwolke zur Weißglut bringen kann. Doch die meisten schätzen diese Gründlichkeit, kaum einer lacht darüber. Mancher zeigt gar Neid und hätte gerne meinen Ordnungstrieb in sich. Und meine Freundin scheint erfreulicherweise am selben Ordnungsfimmel erkrankt zu sein – sollten wir mal zusammenziehen, werden wir gemeinsam für Sauberkeit sorgen.

Doch wozu dieser wöchentliche –  naja, eher tägliche – Antrieb, stets eine reine Stube und Ordnung pur um sich herum zu haben? Für mich ist der Wohlfühlfaktor eindeutig größer so: Ohne Chaos und Unordnung habe ich mehr Platz für Kreativität. Klarheit im Kopf geht mit Ordnung auf dem Schreibtisch einher.

Den klaren Durchblick habe ich nur durch glänzend-sauberes Fensterglas. Dazu kommen die Genugtuung, etwas Sinnvolles erledigt zu haben, die körperliche Bewegung und die Freude über das frisch geputzte Zimmer. Meinen Wahn kann ich nur empfehlen.