Ich steh' dazu: Ich gehe nicht wählen

Christoph Müller-Stoffels

Stell' dir vor, es sind Bundestagswahlen und keiner geht hin. Für fudder-Autor cms gar nicht so abwegig, denn er geht in diesem Jahr auch nicht wählen.



Ein guter Demokrat ist, wer möglichst oft wiedergewählt wird. So äußerte sich unlängst Nicholas Sarkozy mit Blick auf Silvio Berlusconi, der oft wiedergewählt worden und somit ein Vorzeigedemokrat sei. Dieser Blick auf die Demokratie scheint vielen Politikern auch hierzulande nicht fremd. Statt das möglichst Beste für das Volk zu erreichen, das sie vertreten, arbeiten sie lieber an ihrem Machterhalt. Das macht die ohnehin schwere Wahlentscheidung nicht einfacher.



Aber selbst wenn ich wählen wollte, was sollte ich wählen, wird doch keine Partei ihr Programm umsetzen? Koalitionen erfordern Kompromisse. Wie die FDP in einer schwarz-gelben Koalition an ihrer Ablehnung der Internetzensur festhalten will, weiß nur sie allein. Die Kanzlerin macht nicht mehr, als gut kanzlerisch aufzutreten und wird dafür wohl sogar wiedergewählt werden. Eine gute Demokratin. Die SPD scheint ein paar gute Ideen zu haben und bekommt dafür Lob von denen, die ihr zuhören. Wirklich viele hören ihr allerdings nicht zu. Schlechte Demokraten.

Die Grünen wären eine Alternative, wenn sie nur nicht so in ihren basisdemokratischen Strukturen verfangen wären. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren nie verpasst meine Stimme abzugeben. Aber diese Bundestagswahl wird ohne mich auskommen müssen. Zwar kann ich mich dann nicht über das Ergebnis beschweren, ich wüsste aber auch nicht, in welche Richtung ich es beeinflussen wollte.

Vielleicht sollte ich selbst eine Partei gründen. Ich werde mir in den kommenden vier Jahren darüber Gedanken machen.

Mehr dazu: