Ich steh' dazu: Ich gehe jeden Sonntag in die Kirche

Maria Hörl

Sonntagmorgens um 10 Uhr schläft man als Mensch Anfang Zwanzig meist süße Katerträume und erholt sich vom Ausgehen am Samstagabend. Nicht so Katharina Drumm, 21. Die Studentin der katholischen Theologie geht jeden Sonntag in die Kirche. Und steht dazu.



Abgesehen davon, dass ich jünger bin als die meisten, bin ich keine außergewöhnliche Kirchgängerin. Es gibt Leute, die gehen jeden Tag in den Gottesdienst und welche, die gehen nur ein Mal im Monat. Da bin ich ein gutes Mittelmaß. Ich gehe fast jeden Sonntag in den Gottesdienst, das gehört bei uns in der Familie sonntags dazu. In den meisten Familien gibt es gewisse Bräuche und Rituale, die einem Struktur und Geborgenheit geben. Genau dieses Gefühl von Geborgenheit erlebe ich im Gottesdienst.


Früher in der Schule wurde ich oft gefragt, ob ich in die Kirche gehen müsse. ‚Nein, ich will!’, habe ich dann geantwortet.

Darauf, dass ich regelmäßig in die Kirche gehe, wird unterschiedlich reagiert: Manche finden die Vorstellung furchtbar; allein schon den Gedanken, Sonntag morgens früh aufzustehen. Andere sagen, sie fänden es gut, behaupten aber, dass der Gottesdienstbesuch für sie selbst nicht infrage käme. Bei denen vom Studium ist es ja meistens klar.

Das Schönste am Gottesdienst ist für mich der Friedensgruß: Nach ihm strahlen immer alle, man sieht fröhliche Gesichter, das ist einfach genial! Ich finde es schade, dass so wenige Menschen sich trauen in die Kirche zu gehen, besonders eben die, die nicht in der Pfarrgemeinde aktiv sind. Oft wissen sie wohl nicht, wie sie sich verhalten sollen oder sie haben Angst, weil sie niemanden kennen.

Theologie studiere ich aus Überzeugung. Das Schlüsselerlebnis hatte ich vor einigen Jahren nach einem Taizé-Gebet: Da ist mir klar geworden, was ich studieren soll und dass das Theologiestudium das einzig Richtige für mich ist. Da habe ich gewusst, dass alles andere keine hundertprozentigen Alternativen wären. Langes Nachdenken ging dem Entschluss voraus. Aber ich spüre noch immer, dass es das Richtige für mich ist.



Auf meinem linken Fuß habe ich ein Kreuz tätowieren lassen, im Juli vergangenen Jahres. Das entstand aus der Idee heraus, dass ich ein Kreuz haben wollte, das ich immer dabei habe. Also wirklich immer. Schmuck hast du dann doch nicht immer an oder er geht kaputt. Das Tattoo bleibt. Genau das will ich auch, dass es bis an mein Lebensende bleibt, das ist mir schon klar. Dass ich das Kreuz irgendwann einmal los haben möchte, glaube ich nicht.

Um Gott nahe zu sein, muss ich nicht in die Kirche als Gebäude gehen. Gott ist schließlich überall. Im Gottesdienst in der Gemeinschaft mit den anderen Gläubigen ist es natürlich anders, als wenn ich zu Hause für mich alleine bete. Glaube wird durch Gemeinschaft getragen.

Wenn jemand über mich sagt, ich sei gläubig und gehe jeden Sonntag in die Kirche, dann hört sich das an, als würde ich dauernd fromm durch die Gegend rennen. Gläubig wird sehr oft mit fromm gleichgesetzt. Ich bin froh, wenn ich Klischees zurücknehmen kann.

Gläubig sein heißt ja nicht, dass man vor der Hochzeit noch nie einen Freund hatte, oder nicht gepierct ist oder so! Auch wenn man oft in die Kirche geht, kann man genauso gerne wie alle andern abends feiern gehen und an „Weltlichem“ interessiert sein. Gerade die Katholiken wissen, wie man feiert! Und wer Wasser in Wein verwandelt hat, ist ja allgemein bekannt...“



[Protokoll: Maria Hörl]