Ich steh' dazu: Ich fotografiere analog

Martin Jost

Egal ob dank Instagram, Hipstamatic oder den Retro-Filtern von Picnik: der Look analoger Fotos ist total angesagt. Die Fotos, die fudder-Autor Martin macht, sehen ohne jede Bearbeitung so aus. Denn Martin fotografiert analog. Und steht dazu.



Von mir kann man noch Sätze hören wie: Ich muss erst den Film voll machen. Wenn ich es mit dem Fotografieren ernst meine, nehme ich meine analoge Kamera. Ich sage das nicht, weil ich gern auf die nervige Art individuell tue.


Ich bin auch nicht fortschrittsfeindlich und warte bei jeder neuen Mode wie Twitter, E-Mail oder pferdelose Wagen erst mal ab, ob sie nicht vorübergeht. Aber ich liebe, was die Belichtung der chemischen Schmiere auf einem Film mit den Bildern macht: In Vergrößerungen zeigt sich eine krümelige Art von Unschärfe anstatt hässlicher Pixel, unterbelichtete Bereiche erhalten eine sandige Körnung statt elektronischem Bildrauschen und weder ich noch ein kluger Chip müssen einen Weißabgleich machen.

Innerhalb von vier Jahrenbin ich endgültig Dinosaurier geworden. 2006 konnte ich meine Fotos noch in jedem Fachgeschäft in der Innenstadt in einer Stunde entwickelt bekommen. Als es vor einer Weile wieder eilig war, musste ich in ein Industriegebiet verreisen – für Entwicklung über Nacht.

Wenn ich meinen Neffen neben seinem Bauklotzturm ablichte, den er höher gebaut hat als er selber ist, sprintet er sofort hinter meine Kamera und ruft: "Zeig mal!" Ich erkläre ihm dann, warum mein Fotoapparat kein Display hat. Er gibt sich verständnisvoll, behält sich aber vor, mich für inkompetent zu halten, wenn sowas öfter vorkommt.

In solchen Situationen weiß ich zu schätzen, dass mein Handy super Schnappschüsse macht.

Wenn ich mit meiner analogen Kamera ein Bild mache, dann meine ich es auch so. Erst denken, dann knipsen – alles andere wäre Materialverschwendung.“