Ich steh' dazu: Ich esse keinen Zucker

Kerstin Ernst

Ernährung ohne Zucker – geht das überhaupt? Eine Frage, die sich unsere Autorin Kerstin regelmäßig anhören muss, wenn sie von ihrer Zuckerabstinenz erzählt. Seit einem halben Jahr ernährt sie sich möglichst zuckerfrei.

"Und wovon ernährst du dich dann? Rohkost oder was?!" Eine Bemerkung, die ich allzu oft höre, wenn ich von meiner Ernährung erzähle. Nein, ich bin nicht vegan oder ernähre mich nur von Rohkost oder von Obst, welches bereits vom Baum gefallen ist. Ich verzichte nur auf eine Sache: raffinierten Zucker. Keine Tiefkühlpizza, keine Tafel Schoki und keine Cola. Ich esse eben Nahrungsmittel, denen kein Zucker zugesetzt wurde. Eine Ernährungsform, die manchmal genauso auf Unverständnis stößt wie Veganismus.


Erst letztens saß ich mit einer Kommilitonin in der Sonne. Während sie genüsslich an ihrem Eis leckte, nippte ich an meinem Kaffee. "Ich mache mir zu Hause oft lieber selbst Eis, schmeckt auch lecker und ist ohne Zucker", habe ich erzählt. Auf diese Aussage erntete ich einen Blick voller Verständnislosigkeit. "Eis ohne Zucker? Ja klar und das soll schmecken!", scherzte sie.

Eis schmeckt auch ohne Zucker gut

Natürlich schmeckt das, Obst ist ja von selbst süß und schmackhaft. Oder warum mögen wir am liebsten die süßen roten Erdbeeren? Ja richtig, gerade weil sie süß sind. Und das, ohne ein weißes Wunderpulver darüber zu streuen, das dafür sorgt, dass alle Sachen süß und pappig schmecken.

Wenn ich sage, dass ich versuche sämtlichen raffinierten Zucker aus meinem Essen zu verbannen, folgt dann: "Was isst du denn überhaupt, ist ja fast überall Zucker drin?" Ja richtig, und gerade das finde ich ziemlich heftig.

Selbst in einer Dose Rote Bohnen ist Zucker

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es kaum noch ohne geht. Wenn ich eine Dose rote Bohnen möchte, muss ich mich erst mal durch das Regal suchen, bis ich ein Produkt finde, in dem kein Zucker drin ist. Deswegen ernähre ich mich zuckerfrei, sozusagen aus Protest. Gerade weil in so viel Produkten unnötig viel Zucker enthalten ist, damit alles möglichst einheitlich schmeckt.

Hunger leiden muss ich deswegen trotzdem nicht, ich bin sogar richtig satt. So was wie Heißhunger kenne ich nicht. Wenn mich der Drang nach etwas Süßem doch überkommt, dann esse ich lieber frisches Obst anstatt eine Tafel Schokolade. Mein Essen bereite ich größtenteils selbst und frisch zu, das dauert vielleicht länger wie die Tiefkühlpizza in den Ofen schieben, aber ich weiß wenigstens was ich so in mich reinstopfe.

Süßen kann ich immer noch mit Honig

Und zu trinken gibt‘s auch nicht nur Wasser, Eistee kann man auch ganz leicht aus Schwarztee und Zitrone machen. Süßen kann man zum Beispiel mit Honig. Snacks und Süßigkeiten ohne Zucker sind da schon schwieriger zu finden, aber auch keine Unmöglichkeit.

Erklärt man das den Leuten so wird man dann oft als Gesundheitsmoralapostel abgestempelt, der alle zu seiner Ernährungsreligion bekehren möchte. Dabei ist das gar nicht meine Intention. "Wenn man so denkt, dann darf ich ja gar nix mehr essen", antworten die Kritiker meistens. Für mich wirkt das wie eine Trotzreaktion, weil sie unbewusst ihre eigene Ernährung in Frage stellen.

Ich zwinge weder mich, noch andere dazu

Wenn jemand auf den täglichen Schokoriegel nicht verzichten kann, ist das Ok. Auch ich kann mich nicht immer davon lossagen: Wenn es bei Mutti zu Hause Kuchen gibt, sage ich auch nicht immer nein. Ich zwinge weder mich, noch andere dazu. Doch es ist mir wichtig, ein Bewusstsein dafür zu bekommen, was so alles in Lebensmitteln steckt.

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