Ich steh' dazu: Ich bleibe bleich

Alexander Schumacher

Nach jedem Urlaub war fudder-Autor Alexander frustriert, denn immer waren alle anderen besser gebräunt als er. Heute bleibt er absichtlich bleich. In unserer Rubrik "Ich steh' dazu" erklärt er warum.



Photosynthese und erneuerbare Energien sind ja ganz nett – für mich bedeutet Sonnenlicht aber vor allem eins: Sonnenbrand. Seit ich denken kann, bekomme ich schon nach wenigen Minuten in der Sonne rote, brennende Haut; braun werde ich fast gar nicht.


In der Schule war ich jedes Jahr aufs Neue enttäuscht, wenn ich nach dem Urlaub die Bräune meiner Unterarme mit anderen verglich. Ich verlor selbst gegen Freunde, die zwei verregnete Wochen an der Ostsee verbracht hatten, während ich an griechischen Stränden gelegen hatte.

Damals wie heute musste ich mir Bemerkungen über meine blasse Hautfarbe anhören – stets in vorwurfsvollem Ton. Verzweifelt versuchte ich deshalb meinen genetischen Nachteil auszugleichen, indem ich mich ehrgeizig sonnte. Natürlich ohne Erfolg.

"Ich bin doch kein Reptil!"

Heute ist Schluss mit dem Sonnenbaden – ich bin doch kein Reptil! Mittlerweile gehe ich im Sommer nur noch mit Lichtschutzfaktor 30 oder mehr aus dem Haus. Ich setze mich nicht mehr Jahr für Jahr Strahlung und Hitze aus, nur damit am Ende schmerzhafter Sonnenbrand und einige wenige Sommersprossen dabei herauskommen. Denn wer sagt überhaupt, dass gebräunte Haut besser ist? Gesund ist es nicht, stundenlang in der Sonne zu liegen. "Aber man braucht die Sonne doch, um Vitamin D aufzubauen!", rufen fürsorgliche Eltern jetzt. Recht haben sie, doch dafür reicht eine Viertelstunde pro Tag. Von mehr Sonne bekommt man schrumplige Haut und Schlimmeres, das wissen wir ja eigentlich. Ein schöner Teint ist uns aber oft wichtiger.

Dass gebräunte Haut frisch und schön aussieht, ist übrigens nicht unbedingt ein Naturgesetz: Männer träumten noch vor eineinhalb Jahrhunderten von blassen Schwanenhälsen edler Damen. Damals mied der Adel die Sonne, während sich die Unterschicht auf dem Feld die Haut verbrannte. Heute bräunen sich die Reichen und Schönen beim Tennisspielen und Segeln, unsereins verkümmert im Büro – und will trotzdem braun sein.

Weder das eine noch das andre Extrem finde ich gut, denn Schönheitsideale engen ein. Ich will mir nicht selbst schaden, nur um Anderen ein kleines bisschen besser zu gefallen. Deswegen bleibt meine Haut wie sie nun mal ist: bleich. Wenn du dich also demnächst mal von meinen Waden geblendet fühlst, ist das dein Problem.

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[Foto: Daniel Laufer]