Ich steh' dazu: Ich bin Raucher

Maria-Xenia Hardt

Rauchen ist uncool - da ist sich die Gegenwart einig. Vorbei die Zeiten, als Kerle eine Fluppe zwischen den Lippen haben mussten, um männlich zu wirken. Heute stehen Raucher vor der Tür und gelten als asozial. Mark ist das egal. Der 22-jährige Student ist leidenschaftlicher Raucher. Und steht dazu.



Meine Mutter hat immer gesagt: „Die Lunge muss geteert sein, damit der Krebs nicht stolpert.“ Das hab ich mir zu Herzen genommen: Mit 15 rauchte ich meine erste Zigarette – oder besser gesagt: einen Vanille-Stumpen. Der schmeckte mir, also schnorrte ich hin und wieder einen und kaufte mir irgendwann mein erstes Päckchen. Dann bin ich auf richtige Zigaretten umgestiegen: An meinem 16. Geburtstag rauchte ich die erste mit meinem Vater - zuhause, auf unserem Balkon.


Als ich mit 17 für ein Jahr in die USA geraucht bin, standen wir beide auch zusammen vor dem Flughafen und rauchten ein ganzes Päckchen weg, weil wir beide so nervös waren – die Frau meines Vaters hat währenddessen am Check-in angestanden.

In den USA rauchte ich das erste halbe Jahr gar nicht, weil meine Freunde dort Nichtraucher waren, und mir fehlte dabei nichts. Irgendwann bürgerte sich dann aber ein, dass ich abends mit meiner Gastmutter zusammen saß, sie ein Glas Wein trank, ich ein Warsteiner – und dazu war eine Zigarette einfach genau das Richtige.

Überhaupt ist Rauchen für mich schon so ein Lebensgefühl. Mit ein paar Freunden im Auto unterwegs sein, Cola, gute Musik, Zigaretten – einfach chillen. Wenn ich bei meiner Mutter bin, rauche ich auch mal mit ihrem Mann und meinem Stiefbruder Pfeife mit Kirschtabak. Dazu Rotwein - das hat schon was Gediegenes.

Zum Essen find ich’s allerdings ekelhaft, deshalb stört mich das Rauchverbot in Restaurants auch nicht. Als das ganz am Anfang voll durchgezogen wurde, hat es mich mitunter allerdings schon extrem genervt. Im Shooters hat’s da zum Beispiel immer voll nach Schweiß gestunken, was ich viel schlimmer finde als Zigarettengeruch. Nichtraucher sollen sich da echt nicht so anstellen, sondern können froh sein, dass es uns Raucher gibt - denkt mal an die ganze Tabaksteuer. Und: Wir sterben ja auch früher und kosten euch nicht so viel Rente.

Jeder Mensch hat seine Laster – und ich finde, das ist meine eigene Entscheidung. Ich sage niemandem, dass er rauchen muss, aber ich will mir auch von niemandem vorschreiben lassen, dass ich es nicht darf. Ach ja: Meine beste Zigarette war natürlich die nach dem Sex. Obwohl ... Eigentlich ist die nächste immer die beste – jede einzelne aufs Neue.

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