Ich steh' dazu: Ich bin Pfadfinder

Maurizio Bierfreund

Stefan Raab war einer, Günther Jauch auch: Früher war Pfadfindersein irgendwie cool. Heute muss man sich fast dafür schämen. Warum fudder-Autor Maurizio trotzdem leidenschaftlicher Pfadfinder ist:



Ich bin Pfadfinder. Früher hätte ich mich für diesen Satz nicht schämen brauchen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass das mal cool, verwegen und wild klang. Heute werde ich für den Satz mindestens komisch angeschaut, oft sogar ausgelacht. Direkt danach folgen gehässige Fragen wie: „Was für Tierspuren habt ihr letztes Mal im Wald gefunden?“ „Macht es Spaß, alten Frauen über die Straße zu helfen?“ oder „Wann kommst du mal vorbei und verkaufst mir Kekse?“ Aus Erfahrung kann ich sagen: Alles nur Klischees.


Zusammen mit mehr als 40 Millionen anderen Menschen aus 216 Ländern folge ich demselben Plan: die Welt ein bisschen besser zurücklassen, als man sie vorgefunden hat. Einmal die Woche treffen sich die „Rover“, das ist unsere Altersstufe, zur „Gruppenstunde“. Dann planen wir Aktionen. Einmal haben wir bei der Renovierung einer Burg bei Freiburg geholfen, ein anderes Mal haben wir im Rahmen einer 72-Stunden-Aktion das Ziegengehege des Abenteuerspielplatzes in Weingarten erneuert.

Soziales Engagement ist aber nur eine der vielen Facetten des Pfadfinderseins. Genauso wichtig ist der Zusammenhalt untereinander.  Wir planen zum Beispiel Hüttenwochenenden am Feldberg, waren schon gemeinsam in Nordspanien oder verkaufen selbstgebackenen Kuchen, um die Gruppenkasse aufzufüllen. Meist halten sich bei den Planungen unsere Leiter zurück, denn auch das ist ein wichtiger Teil der Pfadfindermethode: „Learning by Doing“.

Einmal im Jahr fahren wir mit dem ganzen „Stamm“, also mit allen Stufen zusammen, aufs Zeltlager.  Dort lernt man Dinge wie Knoten machen, ein Zelt aufbauen aber vor allem was es heißt, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Ob mittags auf einer großen Wiese in der Sonne liegen, einfach mal draußen unterm Sternenhimmel einschlafen oder abends mit 50 Menschen am Lagerfeuer sitzen, Stockbrot essen und zur Gitarre singen: Es gibt für mich nichts Schöneres, nichts was mehr Spaß macht und nichts, bei dem man sich so frei fühlt. Was mir am Pfadfinder sein außerdem gefällt, ist die Offenheit der Menschen, die Naturverbundenheit - und der Respekt der Pfadfinder untereinander. Wir lernen, wie viel man im Team erreichen kann und stellen zusammen tolle Dinge auf die Beine.

In meinen 7 Jahren als Pfadfinder habe ich Freunde fürs Leben gewonnen und Erfahrungen gemacht, die ich nie vergessen werde und für die ich sehr dankbar bin. Übrigens: Anhand der Spuren könnte ich einen Hund nicht von einem Wolf unterscheiden. Ein stolzer Pfadfinder bin ich trotzdem.

Zur Person



Maurizio Bierfreund
, 17, ist Freiburger und geht in die 11. Klasse des Rotteck-Gymnasiums. Seine Leistungskurse: Biologie und Kunst. Seine Hobbys: Pfadfinden und Rapmusik. Derzeit absolviert er ein Schüler-Praktikum bei fudder.de.

Mehr dazu:

[Foto: Jenny Pilschek]