Ich steh' dazu: Ich bin langweilig

Kyra Leibham

Meine wilden Tage sind vorbei. Und das sage ich als 19-Jährige. Ich hatte mal pinke, blaue und rote Haare. Und meine Klamotten waren alles andere als schwarz. Inzwischen bin ich aber ziemlich langweilig – und hab meinen Spaß daran.

Ich bin 19 und habe noch keinen Club von innen gesehen. Weder das Agar oder das Kagan, noch das Crash, noch irgendeinen anderen Club in Freiburg oder auf der Welt. Betrunken war ich nicht mehr, seit ich in der 9. Klasse auf einer Hausparty abgestürzt bin und meine Freunde mir mein Erbrochenes aus den Mundwinkeln wischen mussten. Ich bezeichne mich gerne als Warmduscherin und dusche generell nur ab 30 Grad Wassertemperatur. Thermalbäder sind die einzigen Schwimmbäder, in die ich einen Fuß setze.


Ich trage keine besonderen Klamotten, nichts mit "Edge" oder "Bling Bling". Mein altes H&M-Kleid mit Katzenmotiv ist das Höchste der Gefühle. Auch sonst führe ich kein sonderlich aufregendes Leben. Ich würde gerne behaupten, dass der Tatort jeden Sonntag mein persönlicher Höhepunkt der Woche ist, aber nicht mal den schaue ich. Ich habe nämlich keinen Fernseher.

In der Schule hat mich nur wenig von der Masse unterschieden. Ich bin außerordentlich gut in Englisch. Aber selbst da wurde ich übertroffen. Im Chemie-Leistungskurs war ich das beste Mädchen, vermutlich aber auch nur, weil ich das einzige Mädchen war. #AlleinUnterNerds

Wenn ich nach Hause komme ziehe ich meinen Schlafanzug an, setze mich mit einem Tee auf mein Sofa und schaue Serien. Vorzugsweise "How to Get Away with Murder", "New Girl", "The Flash", "Supergirl" und "The Big Bang Theory". Leider hat sich die amerikanische Fernsehindustrie dazu entschieden, nur eine Folge pro Woche auszustrahlen. Für mich bedeutet das, dass ich ganze sieben Tage warten muss, bevor ich die nächste Folge meiner Lieblingsserie anschauen kann.

Langweilig und stolz drauf

Ja, ich bin langweilig. Bisher bin ich damit aber ziemlich gut gefahren. Ich habe nie das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben und mir hat auch nie jemand das Gefühl gegeben, dass ich was verpassen würde.

Wer weiß, vielleicht packt mich irgendwann die Lust und ich verbringe meine Wochenenden auf Kneipentouren und Partys mit Bumm-Bumm, Wummer-Wummer Musik. Und vielleicht betrinke ich mich dann auch, um die schreckliche, laute Musik ertragen zu können. Aber bis jetzt habe ich meine Midlife-Crisis noch nicht erreicht.

Bis jetzt gefällt es mir in meiner kuscheligen, nach Lebkuchen duftenden Komfortzone. Und ich verlasse sie nur extrem ungern und auch nur in Ausnahmesituationen. Mein Bett zum Beispiel verlasse ich nur wenn meine Blase drückt oder mein Magen sich lautstark bei mir meldet.