Ich steh' dazu: Ich bin in einer Wagenburg aufgewachsen

Ruben Fees

Der lachende kleine Junge auf dem Bild oben links ist Ruben. Als das Foto gemacht wurde, war Ruben vier Jahre alt und lebte mit seiner Mutter in der Wagenburg Vauban. Mittlerweile ist Ruben 18, und wie er die Kindheit im Bauwagen erlebt hat und ob er sich vorstellen kann, noch einmal in einer Wagenburg zu leben:



"Sommer. Im kleinen Bach am Waldrand spielen, Unbeschwertheit, viele Kinder, Natur, Gitarrenmusik, Lagerfeuer, Lachen. Und unser super-schöner Bauwagen. Das sind die ersten Dinge, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich an meine Kindheit denke. Denn von meinem vierten bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in der Wagenburg Vauban in Freiburg gelebt.


Für mich war das eine sehr lustige, freie Zeit: Ich bin jeden Tag im Wald herumgelaufen, hab’ immer wieder Neues entdeckt und gar nicht viel von der kalten Welt „da draußen“ mitbekommen. Meine Freunde, die ein vermeintliches "normales" Zuhause hatten, fanden es immer cool wo ich wohnte. Das lag sicher auch am Freundeskreis meiner Mutter, unseren Wagenburg-Nachbarn; das waren alles sehr tolerante Menschen. Ich habe mich nie anders gefühlt oder ausgeschlossen, oder mir darüber Gedanken gemacht, warum wir in einem Bauwagen wohnten, und nicht in einem Haus.

So anders als in einer normalen Wohnung mit fließendem Wasser, einer Heizung, einem Kühlschrank und einem Fernseher war es in unserem Bauwagen ohnehin nicht. Wasser füllten wir in Container ab, die einen kleinen Wasserhahn hatten, unsere Heizung war die kleine Kochhexe, die auch als Herd diente, und einen Kühlschrank brauchten wir nicht, denn es wurde eigentlich nichts gelagert. Mein Fernseher war der Wald, gefüllt mit tausend Abenteuern, die keine Fernsehserie der Welt in den Schatten stellen konnte.

Die Nähe zur Natur war mir damals sehr wichtig. Mit der war es vorbei, als wir nach Dresden gezogen sind, in eine normale Wohnung, in einem normalen Haus, in einer normalen Straße. Da war ich sieben, und die Umstellung der Lebensumstände groß, fast ein kleiner Kulturschock.



Ich weiß nicht, wie es heutzutage auf einer Wagenburg aussieht. Gibt es jetzt Strom, TV-Anschluss und Internet? Wenn ja, dann fände ich das sehr schade, denn für mich heißt Bauwagenleben eben nicht, vor dem Fernseher zu sitzen.

Ich kann mir ohnehin nicht mehr vorstellen, noch einmal in einer Wagenburg zu leben, dafür habe ich mich von dem Lebensstil einfach zu weit entfernt. Die schöne Zeit, die ich dort verbracht habe, vor allem das intensive Gemeinschaftsleben, haben mich aber maßgeblich geprägt.

Ich bewundere alle Menschen, die noch Mut haben, sich für diese Art des Lebens zu entscheiden und auch dafür kämpfen, dass sie erhalten wird."

[Ruben Fees, 18, ist Schüler und lebt heute in der Nähe von Heidelberg.]

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[Fotos: Ruben Fees/Privat]