Ich steh' dazu: Ich bin in einer Studentenverbindung

Aljoscha Harmsen

Dennis Drewes ist 23 Jahre alt, studiert Jura, trägt gern Turnschuhe und ist in einer Studentenverbindung. Genauer, in einer Burschenschaft. Kein Grund, sich zu verstecken, findet er und erklärt fudder, warum er das gut findet und wie er dazu gekommen ist.



"Alles hat damit angefangen, dass ich in einer Vorlesung saß und einen Studenten kennen gelernt habe. Er war Verbindungsstudent, selbst noch nicht lange in der Verbindung und hat mich eingeladen, abends ein Bier trinken zu gehen. In der Folgezeit hat er mich öfter mitgenommen - aufs Verbindungshaus der Freiburger Burschenschaft Alemannia. Nach und nach habe ich die Leute aus der Burschenschaft kennengelernt.


Verbindungen waren mir davor kein Begriff gewesen. Also habe ich mich, bevor ich eingetreten bin, erst über Burschenschaften informiert. Dabei bin ich auf einige Vorurteile gestoßen, wobei die größten besagen, dass zu viel getrunken wird und dass sie mit scharfen Klingen fechten. Das Fechten ist dabei fast noch das schlimmere, glaube ich, weil es noch den Ruf eines veralteten Ehrenduells hat. Im Alltag habe ich von den Vorurteilen kaum etwas gespürt. Das ist aber sicher von Verbindung zu Verbindung unterschiedlich.



Seit kurzem fechten wir wieder, wofür ich mich auch eingesetzt habe. Eine Zeit lang haben wir das nicht gewollt, aber jetzt sehen wir das als Sport an. Ich betrachte das akademische Fechten nicht als Weltanschauung wie manche anderen. Eine scharfe Mensur, also ein Fechtduell mit scharfen Klingen, habe ich noch nicht gemacht, aber eventuell probiere ich das irgendwann aus. Ich weiß nicht, ob man von Bewusstseinserweiterung oder Mannwerdung sprechen kann oder sollte. Allerdings finde ich, dass sich der Erfahrungswert so einer Mensur nicht schlechtreden lässt.

Natürlich habe ich hier Veranstaltungen kennengelernt, bei denen gern getrunken wird – so wie überall woanders auch. Aber ich denke nicht, dass es besonders schlimm ist, am Wochenende Alkohol zu trinken. Das ist nichts, was Nicht-Verbindungsstudenten nicht auch tun.



Der Grund, um auf das Verbindungshaus zu ziehen und einzutreten, war im ersten Moment für mich nicht die "Freiheit-Ehre-Vaterland"-Geschichte, die wir Burschenschafter als Wahlspruch haben, oder andere Ideale. Ich denke, dass diese drei Begriffe, speziell der des Vaterlands, im Alltag selten besonders in Erscheinung treten. Es ist interessant, sich damit auseinander zu setzen, aber dabei bleibt es auch. Politische Extreme habe ich hier nicht kennengelernt, die haben für mich auch nichts in Verbindungen zu suchen.

Die günstige Miete und die Kontakte zu den Mitbewohnern waren mir wichtig. Im Laufe der Zeit hat mir das Lebensbundprinzip gefallen; die Idee, sich zu finden, im Studium zu helfen und in Kontakt zu bleiben.

Ich wurde viel von Bekannten kritisiert, seitdem ich Verbindungsstudent bin. Die haben sich natürlich gewundert, denn auch diese Leute lesen, was in den Zeitungen steht. Die viele Kritik hatte aber auch ihr Gutes: So habe ich mir als Verbindungsstudent viel mehr über die Vorurteile Gedanken macht, als diejenigen, die die Vorurteile haben. Ich weiß damit umzugehen.



Man muss sich das von Verbindung zu Verbindung genau anschauen, aber für mich ist das Aktivsein in einer Burschenschaft eine schöne Nebensache: Seminare besuchen, gemeinsam essen, Veranstaltungen planen, sportlich fechten und das Feiern von Kneipen, also ritualisierte Formen von Studentenfeiern. Auch wenn es manchmal anstrengend sein kann, macht es mir Spaß. Für meinen Beruf wird mir die Burschenschaft wenig bringen, im Gegenteil: Da muss ich eher aufpassen, dass ich keinen Nachteil davon habe, eben wegen der vielen Vorurteile.

Anfangs hatte ich auch Zweifel, ob es sinnvoll ist, in ein als starr und eingerostet geltendes System einzusteigen. Aber meine Entscheidung ist letztendlich positiv ausgefallen. Für mich hat es sich gelohnt, es auszuprobieren. Ich bin gerne aktiver Bursche und freue mich darauf, nach einiger Zeit wieder nach Freiburg zurückkehren zu können, aufs Haus zu kommen, viele von den Leuten wiederzusehen und die neuen kennenzulernen."

[Aufgezeichnet von Aljoscha Harmsen.]