Ich steh' dazu: Ich bin in einer Damenverbindung

Julia Nikschick

Sekt statt Bier. Shoppingtour statt Fechten. In Freiburg ist die am längsten existierende akademische Damenverbindung beheimatet: Die AV Merzhausia, gegründet auf Zwetschgenschnaps und Sekt. Die 26-jährige Referendarin Dominique Wölk ist Mitglied in der "Mädels-WG". Und steht dazu.


„Verbindungen haben in Freiburg einen schlechten Ruf: Saufgelage, seltsame Rituale und eingeschworene Cliquen. Und das gibt es auch mit Frauen? Die meisten können sich unter unserer Damenverbindung AV Merzhausia gar nichts vorstellen. Dabei sind wir wie eine Art große Mädels-WG.


Ich kam vor sechs Jahren zur Merzhausia. Direkt bei meiner Einschreibung an der Uni Freiburg drückten mir ein paar Mädels der Verbindung ihren Flyer in die Hand, zum Beschnuppern. Eine Stadtführung und ein Jahr als Fux, also Anwärterin, später war ich Mitglied. Und habe mich richtig in die Gruppe eingelebt: Wenn ich heute meine Mädels mal drei Wochen nicht sehe, dann bekomme ich schon ein Vermisserchen.

Für einen schönen Abend brauchen wir auch keine Jungs zum becircen, da reicht schon ein Gläschen Sekt und etwas Selbstgekochtes. Und als diesjährige Seniora organisiere ich die Ausflüge während des Semesters: Hochseilgarten, Wandertour, Theaterbesuch. Traditionelle Treffen, wie sie die Burschen machen, die Party auf dem Haus, der Kneipenbesuch zu Beginn und Abschluss des Semesters, gehören natürlich auch dazu.

Vergleichen mit den Burschen wollen wir uns trotzdem nicht! Dafür ist unsere Gründungsgeschichte viel zu unkonventionell. Wir entstanden nämlich 1982 in einer Frauen-WG, an einem Abend mit viel Zwetschgenschnaps. Daran orientieren sich sowohl unsere Couleurfarben als auch unsere Prinzipien. Blau für den Zwetschgenschnaps, Gold für den Sekt (der ihn ablöste) und Rot für die Freundschaft unter uns. Da es eine ungeplante Gründung war, haben wir neben der Freundschaft auch die Spontanität in unsere Prinzipien aufgenommen. Außerdem nehmen wir jede Studentin auf, deshalb die Toleranz.

Das Beste an uns ist: Zickenterror gibt es nicht! Dadurch, dass wir nicht zusammen auf einem Haus wohnen und alle etwas anderes studieren, entsteht kein Lagerkoller. Wir sind eine Multikulti-Mädchenclique mit lebenslanger Garantie. Männer als Streitthema gibt es auch nicht, denn ein Couleurherr darf nicht einfach der Freund einer Dame sein. Er muss es sich mit einer guten Tat für die Verbindung verdienen, wie zum Beispiel dem Bau einer neuen Theke.

Ich bin froh, dass ich damals nicht auf die Vorurteile über Studentenverbindungen gehört habe. Nun habe ich viele wunderbare Freundinnen und gelernt, dass Gelassenheit im Leben wichtig ist. Denn mit neun Frauen in einem Raum und neun verschiedenen Meinungen – da ist schon diplomatisches Geschick gefragt!“

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[Aufgezeichnet von Julia Nikschick/Foto: Julia Nikschick]